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Augsburg

16.05.2020

Vom Türsteher zum Chef der Fraktion: Der Aufstieg von Leo Dietz in der CSU

Leo Dietz ist nicht der Typ des typischen CSU-Politikers – auch nicht hier beim Presseball. Dennoch wurde er jetzt Fraktionschef im Augsburger Stadtrat.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Leo Dietz sieht nicht aus wie ein CSU-Mann und hat nicht den passenden Lebenslauf. Und doch legte der Augsburger Gastronom einen erstaunlichen Aufstieg in der Partei hin.

Er sieht nicht so aus, wie man sich einen CSU-Politiker vorstellt. Leo Dietz trägt die Haare lang, wobei er sie meist zu einem Dutt zusammen bindet. Eine lange Narbe zeichnet sein Gesicht. Bei öffentlichen Auftritten, etwa bei Bällen, trägt er auch mal einen Ring mit Totenkopf am Finger. Auch sein Lebenslauf will auf den ersten Blick nicht so recht passen. Anders als viele, die in der CSU in führenden Positionen sind, hat er nicht studiert. Er ist kein Jurist, wie die neue Oberbürgermeisterin Eva Weber, Augsburgs Parteichef Volker Ullrich oder Polit-Urgestein Bernd Kränzle. Dafür flog er als Schüler von der Realschule.

Und trotzdem hat es Dietz bis in die erste Reihe der Stadtpolitik geschafft. Als neuer CSU-Fraktionschef im Stadtrat sitzt er jetzt an einer wichtigen Schaltstelle der Macht. Dass er bisweilen den Ruf des „bösen Buben“ hat, obwohl er inzwischen 53 Jahre alt ist, scheint Leo Dietz nicht zu stören. Er kommt aus dem Nachtleben. Und auf das, was er sich dort aufgebaut hat, ist er stolz. Mit seiner Howdy GmbH betreibt er die bekannte Party-Kneipe Peaches und den Mauser-Club in der Maximilianstraße. Außerdem die Großraumdisko Cube im Univiertel. Das Nachtleben bringt es auch mit sich, dass man in Augsburg länger suchen muss, bis man jemanden findet, mit dem er per Sie ist. „Ich bin der Leo“, stellt er sich oft vor. Der Rufname ist eine Abkürzung, im Pass steht Leopold.

Mit dem "Peaches" wurde er zum bekannten Augsburger Gastronomen

Leo Dietz ist gebürtiger Gögginger und lebt bis heute in dem Augsburger Stadtteil. Er hat die Volksschule dort mit dem „Quali“ abgeschlossen, dann Kfz-Mechaniker und später Datenverarbeitungskaufmann gelernt. Dietz wuchs ohne Vater auf, er hat zwei Geschwister. Er wollte, sagt er, als Jugendlicher schnell arbeiten. Auf eigenen Beinen stehen. Mit 19, über einen Nebenjob als Kellner in der Morning-Star-Disko, steigt er in die Gastronomie ein. Er kellnert in verschiedenen Läden, betreibt Kraftsport, wird auch Türsteher. Im Jahr 2000 übernimmt er dann als Mitinhaber das Peaches, in dem er zuvor schon Barkeeper und Geschäftsführer war – und wird so zum bekannten Szene-Gastronomen.

Leo Dietz (links) mit Bernd Kränzle, seinem Vorgänger als Fraktionschef der CSU im Augsburger Stadtrat.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archivfoto)

Mit der Politik hat er lange nichts am Hut. Er wählt CSU, ein Engagement in der Partei kommt ihm nicht in den Sinn. Über Tobias Schley, den damaligen Ortsvorsitzenden der CSU in Bergheim, wird er 2005 Parteimitglied. Bei der Stadtratswahl 2008 tritt Dietz auf Platz 40 an. Er soll als bekanntes Gesicht Stimmen für die CSU sammeln. Aber die Wenigsten in der Partei trauen ihm zu, dass er von diesem hinteren Listenplatz den Einzug in den Stadtrat schafft. Ein langjähriger CSU-Rat sagt ihm das damals immer wieder: „Du hast keine Chance.“ Das sei für ihn die Initialzündung gewesen, sagt Dietz. Sein Ehrgeiz ist geweckt. Er trommelt sein Peaches-Team zusammen und startet einen Wahlkampf, der auf ihn zugeschnitten ist. Er beklebt sein Auto, schmückt einen Anhänger mit Fähnchen. Als die Wahl dann ausgezählt ist, zeigt sich: Der Gastronom hat so viele Stimmen eingesammelt, dass er auf der CSU-Liste ganze 19 Plätze nach vorne springt. Das reicht locker für einen Sitz im Stadtrat.

Dietz zählt damals, 2008, zum Lager der „jungen Wilden“ in der CSU-Fraktion. Zu der sechsköpfigen Gruppe gehört auch der heutige Augsburger Parteichef und Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich. „Ich wusste am Anfang noch gar nichts“, sagt Dietz. Er sei ein absoluter Neuling gewesen und musste sich erst einarbeiten, wie Politik im Stadtrat funktioniert. Es sind unruhige Zeiten in der CSU. Die „jungen Wilden“ legen sich immer wieder mit der eigenen Partei an, auch OB Kurt Gribl sieht in der Gruppe Gegenspieler. Volker Ullrich steht damals, weil er harsche Kritik am Ordnungsreferenten übt, sogar kurz vor dem Rauswurf aus der Fraktion. Dietz sagt, er habe sich da noch eher im Hintergrund gehalten. Als er aber erkannt habe, dass auch unter den „jungen Wilden“ Leute sind, die an den alten, eingefahrenen Mustern in Partei festhalten, entschloss er sich, nach mehr zu greifen. Und er ist dann auch nicht zimperlich, Mehrheiten gegen frühere Verbündete zu schmieden.

Dietz übernimmt zuerst den Ortsverband der CSU in Bergheim, dann steigt er auf an die Spitze des CSU-Kreisverbands im Augsburger Westen. Es sind knappe Ergebnisse, mit denen er in die Ämter kommt. Dietz bereitet sich auf die Wahlen gut vor. Er wirbt Mitglieder an, die auf seiner Seite sind. Und er weiß vorher genau, ob er die erforderliche Mehrheit hat. Als „Strippenzieher“ und „Taktiker“ wird er deshalb auch bezeichnet. Er sieht darin nichts Verwerfliches. „In einer demokratischen Partei braucht man Mehrheiten“, sagt er. „Und dafür benötigt man auch ein Netzwerk.“ Dietz nimmt für sich in Anspruch, dass er „mit offenem Visier“ kämpfe. Er habe seine Ambitionen immer vorher offengelegt, auch parteiinternen Konkurrenten gegenüber.

Leo Dietz wollte Fraktionschef der CSU werden - notfalls in einer Kampfabstimmung

So hat er es auch jetzt gehalten – als er die Machtfrage in der Rathaus-CSU stellte. Er kündigte an, dass er Fraktionschef werden will – notfalls in einer Kampfabstimmung gegen den verdienten CSU-Mann Bernd Kränzle, 77. Dieses Mal musste Dietz aber keine Mehrheit schmieden. Kränzle ist Dritter Bürgermeister geworden, damit wurde das Amt für ihn frei. Und alle CSU-Räte stimmten für Dietz als Nachfolger. Es war eine Wahl per Handzeichen, offenbar wollte es sich niemand mit ihm verscherzen.

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Bild: Peter Fastl, Silvio Wyszengrad, Klaus Rainer Krieger

Gegner werfen Dietz vor, er verfolge in der Politik nur den eigenen Vorteil und habe keine politischen Visionen. Er entgegnet, für sein Gastro-Geschäft wäre es besser, nicht exponiert in der Öffentlichkeit zu stehen. Und die Inhalte? Er stehe hinter dem, was die CSU ins Wahlprogramm geschrieben habe und was im Koalitionsvertrag von CSU und Grünen stehe. „Ich bin überzeugt, dass es gute Ideen sind für die Stadt.“ Als Fraktionschef sieht er seine Aufgabe darin, die Meinungsbildung in der Fraktion zu moderieren – und mit den Grünen gemeinsame Positionen zu finden. Es sei nicht die Zeit für große Visionen angesichts der Corona-Krise und der drohenden Finanznot. Es gehe jetzt darum, die Stadt gut zu verwalten, sagt er. Und klingt damit doch schon ganz nach CSU-Politiker.

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