Es bleibt dabei: Patrick Barlowes komödiantische Weihnachtslegende „Der Messias“ wird auch in der Saison 2012/13 in Augsburg nur vom S’ensemble gespielt. Das Stadttheater muss seinen Spielplan noch einmal ändern und sich nach einem anderen Stück umschauen. Denn der Rowohlt Theaterverlag hat sich entschieden. „Wir können die Aufführungsrechte nicht zweimal in derselben Stadt vergeben“, sagt Verlagsleiter Nils Tabert. Nicht einmal in Berlin würde er dies tun – „damit nicht ein Theater dem anderen ins Gehege grätscht. Sie ziehen ja letzten Endes am gleichen Strang“.
S’ensemble-Chef Sebastian Seidel war ziemlich aufgebracht, als er auf dem neuen Spielplan des Theaters entdeckte, „Der Messias“ sollte auf der Brechtbühne am 25. November 2012 Premiere als Weihnachtsstück haben. „Das kann ich nur als direkten Angriff auf mein Theater interpretieren“, schrieb er zornig an den Schauspieldirektor Markus Trabusch. Immerhin spielt das S’ensemble Barlowes „Messias“ äußerst erfolgreich seit zehn Jahren. Die fünf bis acht Vorstellungen je Saison sind immer ausverkauft. Jörg Schur und Birgit Linner als Bernhard und Theo spielen sämtliche Rollen in der Weihnachtsgeschichte. Sie haben inzwischen viele begeisterte Fans, die mehrmals kommen.
Schauspieldirektor Trabusch: Es war keine Absicht
„Ich wusste nichts vom Spielplan des S’ensemble fürs nächste Jahr“, rechtfertigte sich Schauspieldirektor Trabusch auf Anfrage unserer Zeitung. Bei Erst- und Uraufführungen prüfe man sehr genau, welche Bühne in der Umgebung sonst noch diese Stücke inszeniert. Bei viel gespielten Stücken dagegen sehe man eigentlich nie ein Problem. „Es ist fünf Jahre nichts passiert zwischen uns und dem S’ensemble. Mir jetzt zu unterstellen, ich würde absichtlich dasselbe Stück auf den Spielplan setzen, hat mich geärgert. Mit welcher Motivation sollte ich das tun?“, erklärte Trabusch. Ein simpler Anruf bei ihm hätte genügt, die Sache zu bereinigen, beteuerte der Schauspieldirektor.
Die Intendantin des Theaters, Juliane Votteler, hat inzwischen mit Sebastian Seidel telefoniert und offiziell dem S’ensemble-Leiter mitgeteilt, dass das Theater ein anderes Stück in den Spielplan setzen werde.
Seidel selbst möchte auch kein neues Öl mehr ins Feuer gießen. Ihn erreichten inzwischen viele Anrufe seines Publikums. „Die Leute können sich den ganzen Knatsch nur so erklären, dass man beim Theater Augsburg im Allgemeinen offensichtlich ignoriert, was die anderen Theater am Ort so machen“, gab Seidel die empfangene Resonanz wieder. Sonst hätte die Leitung des größerenSchauspielhausesdochmitkriegen müssen, dass „Der Messias“ im S’ensemble seit dem Jahr 2002 kontinuierlich jedes Jahr zur Weihnachtszeit auf dem Spielplan steht.
Rowohlt-Mann Nils Tabert zuckt bloß mit den Achseln. In 60 bis 70 Prozent aller Inszenierungen, gerade wenn es um ältere Stücke geht, sorgten sich die Theater nicht unbedingt vorab um die Aufführungsrechte. „Das sollte nicht so sein...“