Ein unbekannter Mann mit verdächtigem Verhalten ist seit Ende vergangener Woche in mehreren Kindertagesstätten in Augsburg aufgetaucht. Deshalb gibt es seit gestern in allen städtischen Einrichtungen Eingangskontrollen. Zudem werden Eltern mit einem Informationszettel am Eingang gewarnt. Passiert ist bisher nichts, die Polizei ermittelt. Was der Unbekannte in den Kitas wollte, ist nicht bekannt.
Der etwa 40-jährige Mann habe unter anderem vorgegeben, ein Kind abholen zu wollen, berichtet Eva Hermanns, Fachbereichsleiterin für Kindertagesstätten bei der Stadt Augsburg. In einem anderen Fall habe er nach einem Anmeldeformular gefragt. Etwa fünf derartige Vorfälle hätten sich in den vergangenen Tagen in der Innenstadt, in Lechhausen, dem Univiertel und im Hochfeld ereignet. „Der Mann hat sich seltsam verhalten, unsere Mitarbeiterinnen sind stutzig geworden“, sagt Hermanns. Als er vom Personal angesprochen wurde, habe er „fluchtartig“ die Einrichtung verlassen. Er soll dunkelblonde Haare und einen Dreitagebart haben, zudem eine Brille tragen. Des Weiteren soll er beim Sprechen die Unterlippe auffällig hochziehen.
Nachdem er an einem Tag in zwei Kitas aufgetaucht war, habe man sich dazu entschlossen, zu reagieren, sagt Hermanns. Alle Kindertagesstätten der Stadt sind nun verschlossen – nur bekannten Personen wird die Türe geöffnet. „Sicherheit geht vor“, sagt Hermanns. Zudem befindet sich an allen Eingangstüren ein Zettel mit dem Hinweis auf die dubiosen Vorfälle. Nicht informiert hat die Stadt hingegen freie Träger von Kitas. Mitarbeiterinnen hätten sich zwar in anderen Häusern umgehört, sagt Hermanns. Eine Mitteilung über die Maßnahmen gab es jedoch nicht. So wusste zum Beispiel die Caritas, die mehrere Kitas betreibt, davon nichts. Erst nach den Recherchen unserer Zeitung informierte die Leiterin des Referates Kindertagesstätten, Mechtild Teuber, die Einrichtungen: „Bisher sind uns aber keine derartigen Vorfälle bekannt.“
Ähnlich äußert sich Karl-Georg Michel, Sprecher des Bistums Augsburg. „Normalerweise sind unsere Kitas immer abgesperrt und gesichert, damit keine unbekannten Personen herein und die Kinder nicht heraus können“, sagt Michel. Zudem könne ein Kind nur abgeholt werden, wenn die Person den Mitarbeitern bekannt oder ein entsprechender Nachweis hinterlegt sei.
Anders ist dies in den städtischen Kitas. „Normalerweise sind unsere Einrichtungen nicht abgesperrt“, sagt Fachbereichsleiterin Hermanns. Das sei kontraproduktiv und nicht mit dem pädagogischen Konzept vereinbar. „Dass jetzt abgeschlossen wird, ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wir wollen kein Risiko eingehen.“
Die Polizei ist eingeschaltet und geht den Fällen nach. „Soweit wir wissen, hatte der Mann keinen Kontakt zu Kindern“, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Es sei unklar, was er wirklich wollte. „Vielleicht wollte er die Kitas ausspähen und schauen, ob es dort etwas zu holen gibt“, sagt Hartmann. Man nehme die Vorfälle jedoch ernst. Bürger, die Hinweise geben können, werden gebeten, sich an die Polizei zu wenden.