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Augsburg

06.11.2019

Was macht Kurt Gribl nach seiner Amtszeit als Oberbürgermeister?

Es war am 13. März, als OB Kurt Gribl verkündete, dass er nicht mehr antreten werde. Offen ist, welchen Weg er nun einschlägt. Die Handbewegung mag signalisieren: Gribl ist offen für viele Dinge.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Augsburgs OB Kurt Gribl hört 2020 auf. Wie sieht seine berufliche Zukunft aus? Vieles spricht dafür, dass er sich aus der Politik zurückzieht. Das sagt er selbst.

Es war der 13. März in diesem Jahr. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl sorgte an diesem Tag für einen Paukenschlag in der Kommunalpolitik. Der CSU-Mann, der seit Frühjahr 2008 im Rathaus regiert, kündigte überraschend an, dass er für eine dritte Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stehe. Er werde bei der Wahl im März 2020 nicht antreten. Auch viele Parteifreunde wurden von dieser Aussage vollkommen überrascht. Eine Frau, die seit einigen Jahren politisch an der Seite des Oberbürgermeisters stand, war dagegen frühzeitig in die Entscheidung eingebunden gewesen.

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Im Wissen, dass er nach zwei Amtszeiten aufhören wolle, hatte Gribl nach dem Jahreswechsel die Wirtschafts- und Finanzreferentin Eva Weber angesprochen, ob sie sich vorstellen könnte, als Oberbürgermeisterkandidatin der CSU ins Rennen zu gehen. Außenstehende bekamen von diesem strategisch angelegten Vorgehen nichts mit. Eva Weber aber stand bereit. Mit Tag der Bekanntgabe des anstehenden Abschieds von Gribl wurde zugleich verkündet, dass Eva Weber den Chefsessel im Rathaus für die CSU verteidigen soll.

Augsburg: Die persönliche Erklärung von Kurt Gribl

In seiner persönlichen Erklärung am 13. März sagte Gribl über die Beweggründe seines Abschieds, den er mit knapp 56 Jahren vollziehen werde: „Es ist ein richtiges Alter und ein guter Zeitpunkt, ein auf bestimmte Zeit eingegangenes und erfüllendes öffentliches Amt zurückzugeben. Ich werde Neues wagen. Um es gleich vorneweg zu sagen: Was es sein wird, weiß ich noch nicht.“ Er befinde sich nicht auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit, sagte Gribl vor acht Monaten.

Vier Monate sind es jetzt noch bis zur Wahl. Eva Weber steckt im Wahlkampf. Die 42-Jährige will Oberbürgermeisterin werden – falls nötig über den Umweg einer Stichwahl am 29. März. Vereidigt würde sie dann Anfang Mai. Sicher ist, dass Gribl, der im August seinen 55. Geburtstag gefeiert hat, ab Mai 2020 nicht mehr Oberbürgermeister sein wird. Da er nicht für den Stadtrat kandidiert, was allerdings niemanden überrascht, bedeutet dieses Datum für ihn auch den Abschied aus der Kommunalpolitik. Etwas mehr als ein halbes Jahr ist es noch hin bis zum Ausscheiden.

Eva Weber mit Kurt Gribl.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Für viele Außenstehende stellt sich die Frage: Was macht Gribl nach seinem Rückzug als Rathauschef? Dass Spekulationen hochkommen, liegt daran, dass Gribl offen- lässt, wie seine berufliche Zukunft aussehen wird. Strategisches Vorgehen gehört dazu. Ein Beispiel: Tradition hat der jährliche Empfang der Stadt Augsburg für die Vertreter der Medien. Er fand vor Kurzem im Technologiezentrum im Innovationspark statt. Gribl übernahm an diesem Abend selbst die Rolle des Moderators. Somit war ausgeschlossen, dass im offiziellen Teil der Veranstaltung die Frage an ihn gerichtet werden konnte, was ab Mitte des nächsten Jahres für ihn ansteht.

Später beim geselligen Beisammensein freute sich Gribl über seinen Schachzug, wie er ihn selbst so beschrieb. Dass es an diesem Abend Antworten gegeben hätte, war ohnehin auszuschließen. Wenn es um die eigene berufliche Zukunft geht, blockt Gribl ab. Freundlich, aber bestimmt. Ende August anlässlich seines Geburtstags sagte er: „Es ist für mich alles beim Alten geblieben. Ich werde wohl auch vor meinem Abschied aus dem Amt keine Festlegungen treffen.“

Spekuliert wird immer wieder, ob Jurist Gribl auf sein Fachwissen als Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht zurückgreifen könnte. Erfahrung bringt er mit: Gribl war im Jahr 1993 in die Rechtsanwaltskanzlei Meidert und Kollegen in Augsburg eingetreten, Sozius ist er seit 1996. Seine Tätigkeitsschwerpunkte waren: Verwaltungsrecht, Städtebauliche Verträge, Erschließungsrecht, Bauplanungs- und Bauordnungsrecht, Bodenordnung, Privates Bau- und Architektenrecht.

Kurt Gribl: Ein Zurück als Fachanwalt kommt wohl nicht infrage

Ein Zurück in diese Position erscheint mehr als fraglich. Gribl selbst lässt dies durchblicken: „Eine Tätigkeit in meinem ursprünglichen Beruf als Fachanwalt kann ich mir schwer vorstellen, wohl aber die Einbringung solcher Kompetenzen in die Entwicklung und Realisierung in Strategien und Projekten. Die Erfahrungen mit städtebaulichen Entwicklungen und Großprojekten auch unter Einbeziehung der Schaffung und Mitgestaltung der politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einzubringen, kann ich mir gut vorstellen.“ Es bliebe damit die Option, die Erfahrungen aus der politischen Laufbahn für den künftigen Berufsweg zu nutzen. Gribl ist nicht nur Oberbürgermeister, sondern auch in maßgeblichen Funktionen beim Deutschen Städtetag und in der CSU tätig. Bis Juli 2020 ist Gribl übrigens noch Präsident des Bayerischen Städtetags – also über die Amtszeit als Rathauschef hinaus. Gribl sagt: „Eine Tätigkeit mit unternehmerischer oder verbandlicher Ausrichtung, zum Beispiel in Gremien – gegebenenfalls auch mit internationalem Bezug – oder in politischem Kontext kann ich mir gut vorstellen.“ Nach wie vor konzentriere er sich auf sein Amt als Rathauschef bis zur Neukonstituierung des Stadtrats. Dies schließe aber nicht aus, dass Anfragen wegen einer späteren Zusammenarbeit an ihn gerichtet würden: „Zu der Frage, ob bereits Angebote an mich herangetragen wurden, möchte ich nichts sagen.“

Wer sich derzeit mit Personen aus dem engen Umfeld des Oberbürgermeisters unterhält, erkennt sehr schnell, dass es auch hier ein allgemeines Rätselraten gibt. Bürgermeisterin Eva Weber, die nicht zuletzt wegen der Vorgeschichte zur Kommunalwahl als enge Bezugsperson Gribls einzustufen ist, sagt: „Ich habe Respekt vor der Person und der Persönlichkeit des Oberbürgermeisters. Ich hake auch nicht nach, was er künftig tun wird. Er wird es zu gegebener Zeit sagen.“ Dies klingt nicht danach, dass die Oberbürgermeisterkandidatin mehr wüsste. Dass es eine enge Verbindung gibt, ist bekannt: Die Ehepaare Gribl und Weber sind gut befreundet.

Kurt Gribl: Abschied aus der Politik zeichnet sich ab

Andere Personen aus der CSU, die sich nicht zitieren lassen wollen, schütteln ebenfalls den Kopf, wenn sie auf Gribls Zukunft angesprochen werden. „Ich habe keine Ahnung“, sagt ein Spitzenfunktionär. Wie es aus anderer Quelle heißt, gibt es auch in der CSU-Führungsriege um Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder keine Erkenntnisse, was Gribl zu tun gedenkt. Trifft dies zu, spricht vieles dafür, dass Augsburgs Rathauschef definitiv keine Spitzenfunktion in einem politischen Amt mehr bekleiden wird. Denn wäre Gribl perspektivisch betrachtet für ein Ministeramt nur ansatzweise im Gespräch, wäre diese Personalie längst ein Thema in CSU-internen Runden.

Daher kann davon ausgegangen werden, dass sein Rückzug aus dem Amt des Oberbürgermeisters den Abschied aus der Politik bedeutet. Die berufliche Zukunft Gribls wird somit in der Wirtschaft liegen. Für manche Position war er in den zurückliegenden Monaten gehandelt worden. Da ging es um einen Vorstandsposten bei der Bayerischen Landesbank oder um das Präsidentenamt beim Bayerischen Sparkassenverband. Gribl dementierte zwar nie. Von anderer Stelle hieß es jedoch in beiden Fällen, dass es eben nicht auf den Augsburger Oberbürgermeister hinauslaufen werde. Bei der Landesbank käme ohnehin nur eine Person aus dem operativen Bereich einer Großbank infrage. Beim Sparkassenverband läuft es darauf hinaus, dass nach dem bislang praktizierten Turnus ein Landrat den früheren Kemptener Oberbürgermeister Ulrich Netzer beerben dürfte, der derzeit als Präsident fungiert.

Personen, die mit Gribl beruflich in der Vergangenheit zu tun hatten, beschreiben ihn als einen analytisch vorgehenden Menschen, der Dinge strukturiert angeht. Was ihm nicht behage, sei Druck, der von außen erzeugt werde. Man darf davon ausgehen, dass Kurt Gribl gemeinsam mit seiner Ehefrau Sigrid Gribl eine gemeinsame Lebensperspektive für die Zeit nach dem Amt erstellt hat. Darüber öffentlich zu sprechen, ist eine ganz andere Geschichte.

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