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Nahverkehr

10.06.2018

Weniger Stolperfallen beim Fugger-Express

Fast an allen Bahnhöfen gibt es eine Stufe, wenn man in den Fugger-Express einsteigt. Damit sich das ändert, sollen jetzt viele ältere Bahnsteige in der Region umgebaut werden.
Bild: Alexander Kaya (Archiv)

Eigentlich sind die Regionalzüge so gebaut, dass man barrierefrei einsteigen kann. Trotzdem gibt es an fast jedem Bahnhof eine Stufe. Nun soll sich das ändern.

Es ist seit dem Start des Fugger-Expresses vor rund zehn Jahren ein andauerndes Ärgernis: Eigentlich sind die Regionalzüge so konstruiert, dass ein barrierefreies Einsteigen ohne Stufen möglich ist. Doch bis heute ist das nahezu an keinem Bahnhof in der Region der Fall. Der Grund dafür: Die Höhe der Bahnsteige ist in den einzelnen Bahnhöfen so unterschiedlich, dass die Unterkante der Zugtüren nirgends richtig passt. So entstehen fast überall Stolperfallen. In der Vergangenheit meldeten sich deshalb auch immer wieder Reisende, die sich dabei verletzt hatten.

Der Wildwuchs bei den Bahnsteigkanten soll sich nun aber zumindest in absehbarer Zeit ändern. Bis zum Jahr 2021 sollen an zwölf Bahnhöfen in Schwaben die Bahnsteige erhöht werden. Diese Umbauten sollen dazu führen, dass der Fugger-Express zukünftig an den meisten Haltestellen barrierefrei wird. Denn die Züge, die auf den Strecken des Fugger-Expresses verkehren, sind vom Hersteller Alstom eigentlich so gebaut, dass man an Bahnsteigen mit einer Höhe von 76 Zentimetern ohne eine Trittstufe einsteigen kann. Gerade für Reisende mit Kinderwagen und Menschen im Rollstuhl ist das wichtig. Die 76 Zentimeter gelten inzwischen als der Standard, der bei Neubauten umgesetzt wird. An der viel befahrenen Bahnstrecke von Augsburg nach München wurden viele Bahnhöfe erneuert, die Bahnsteigkanten sind damit auf Norm-Niveau.

Der Fugger-Express soll barrierefrei werden

Allerdings muss man derzeit an all diesen neuen Bahnhöfen trotzdem rund 15 Zentimeter nach unten steigen, um in den Fugger-Express zu kommen. Die Wagen wurden extra für den Betrieb in der Region so umgebaut, dass der Einstieg tiefer als im Standardmodell liegt, nämlich auf 60 Zentimetern Höhe. Das hat durchaus seinen Grund: Bis jetzt gibt es entlang der Strecke des Fugger-Express nämlich auch noch alte Bahnsteige, die es gerade mal auf 20 Zentimeter Höhe bringen. Läge der Einstieg in den Fugger-Express bei 76 Zentimetern, müsste man mehr als einen halben Meter nach oben klettern, um vom Bahnsteig in den Zug zu gelangen. Und das ist keinem Reisenden zuzumuten.

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Die Kompromisslösung führte allerdings dazu, dass der Einstieg fast überall nur wenig komfortabel ist. Nun soll umgebaut werden. Im Kreis Augsburg sollen in Westendorf, Gablingen und Gersthofen die Bahnsteige auf 76 Zentimeter angehoben werden. In Neusäß und Westheim sollen die Bahnsteige zumindest auf 38 Zentimeter Höhe ausgebaut werden. Damit können künftig Züge fahren, bei denen der barrierefreie Einstieg auf 76 Zentimetern möglich ist. Ab 2021 soll das der Fall sein. Der Betrieb der Regionalzüge wird vom Freistaat Bayern bestimmt. Die staatseigene Bayerische Eisenbahngesellschaft – kurz BEG – schreibt die Strecken aus, die Bahnunternehmen können dann Angebote dafür abgeben.

Derzeit läuft die Ausschreibung für den Betrieb der Strecken des Fugger-Express ab dem Jahr 2021. Bis im September haben Bahnunternehmen noch Zeit, sich dafür zu bewerben. Beobachter gehen davon aus, dass die Deutsche Bahn, die bisher den Fugger-Express betreibt, ihren Hut wieder in den Ring werfen wird. Sie hat offenbar auch ganz gute Chancen. Die Vorgaben der Eisenbahngesellschaft sind so gestaltet, dass die Bahn ihre bisherigen Züge weiter verwenden könnte.

Kritik an den Zügen des Fugger-Expresses: Zu wenig Platz

An den Zügen gab es in der Vergangenheit immer wieder Kritik, vor allem wegen des mangelnden Platzes. Die Bahn hat sich allerdings auch um Verbesserungen bemüht. Für die Bayerische Eisenbahngesellschaft ist der Wegfall vieler Stolperfallen beim Einstieg ebenfalls ein wichtiger Schritt. „Künftig wird sich die Barrierefreiheit für den Großteil der Fahrgäste erheblich verbessern“, sagt der BEG-Sprecher Wolfgang Oeser. Gerade auf der Pendlerstrecke zwischen Augsburg und München. Auch in den Zügen soll es besser werden. Bisher ist der Durchgang in den Zügen an mehreren Stellen sehr eng. Vor allem im Bereich der Toiletten. Das soll sich mit der neuen Ausschreibung ab 2021 ebenfalls ändern.

Dass in Westheim und Neusäß die Bahnsteige nur auf 38 Zentimeter und nicht gleich auf das neue Norm-Niveau angehoben werden, begründet die Eisenbahngesellschaft mit dem geplanten umfassenden Ausbau der Bahnstrecke Augsburg-Ulm. Dafür müssen viele Bahnsteige an der Strecke abgerissen und neu gebaut werden. Deshalb will man hier nicht zu viel Geld ausgeben für eine Lösung, die sowieso nur vorübergehend so bestehen bleibt.

Ohnehin ist die Finanzierung der Bahnsteig-Umbauten noch nicht in trockenen Tüchern. Zuständig sind eigentlich der Bund und die Deutsche Bahn. Der Freistaat Bayern verhandelt derzeit mit der Bahn über die Aufhöhung der sehr niedrigen Bahnsteige. Zudem fordert er gemeinsam mit anderen Bundesländern ein entsprechendes bundesweites Sonderprogramm.

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