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Augsburg

06.09.2020

Wie der Plärrer in Zeiten von Corona zum Vorzeigefest wird

Mehr Platz als in den Zeiten vor der Corona-Pandemie finden die Besucher derzeit beim Volksfest auf dem Plärrergelände vor. Viele Gäste sprechen von einer entspannten Atmosphäre.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Auf dem Augsburger Plärrer geht es ruhiger zu als sonst – doch Besucher schätzen das Flair. Die Organisation könnte für andere Feste ein Vorbild sein.

Wo sonst das Schaller-Festzelt steht, rattern jetzt die Wagen um die engen Kurven der Achterbahn „Wilde Maus“. Es gibt keine Bierzelte, keine Party. Stattdessen wird auf Abstand geachtet, und vor jedem Fahrgeschäft und jedem Stand steht Desinfektionsmittel. In Zeiten von Corona ist der Plärrer freilich anders als gewohnt. Offiziell heißt er auch Vergnügungspark. Doch etliche Besucher schätzen die Veränderung. Für die Schausteller ist eines besonders wichtig.

Plärrer-Besucher: "Nie gedacht, dass es so viel Angebot gibt"

Normalerweise sitzen Lieselotte und Hermann Weiche mit Freunden beim Frühschoppen im Bierzelt. Die beiden 73 und 75 Jahre alten Augsburger sind eingefleischte Plärrer-Besucher. So recht vorstellen konnten sie es sich nicht, wie der Plärrer nun abläuft. Schon allein deshalb schauen sie Samstagmittag auf dem Festplatz vorbei.

Bei einem Glas Weizen auf der Terrasse von Eberts-Landhaus-Imbiss fällt ihr Fazit positiv aus: „Klar fehlen die Bierzelte, aber wir hätten nie gedacht, dass es hier trotzdem so viel Angebot gibt.“ Tatsächlich sind derzeit 53 Schausteller mit ihren Attraktionen vor Ort. Zu normalen Plärrerzeiten sind es knapp über 80. „Es ist alles entzerrter, und man hat viel mehr Platz. Das ist gut“, befindet das Ehepaar. Die Weiches wollen wiederkommen. Die ruhigere Atmosphäre schätzen auch andere.

Vor allem Familien finden den Plärrer-Besuch entspannter. „Mit Kindern ist es ohne Bierzelte besser“, meinen Eltern, die mit ihren beiden kleinen Kindern gerade vom Autoscooter kommen. Es herrsche nicht das übliche Gedränge in den Gassen, was den Plärrer-Besuch stressfreier mache. Auch Emma und Leonie, die extra aus Klosterlechfeld kamen, haben Spaß.

Die beiden 14-jährigen Mädchen lieben Fahrgeschäfte und finden es toll, nirgends lange anstehen zu müssen. Sie haben sich noch die Geisterbahn und die Riesenschaukel The Best XXL vorgenommen. Bruno Noli vom Schwäbischen Schaustellerverband beobachtet eine kleine Veränderung des Publikums. „Die Kundschaft, die jetzt kommt, konsumiert gezielt.“ Die Menschen, die wie sonst einfach nur mal über den Plärrer bummeln, gebe es heuer nicht. Bei den Schaustellern ist man angesichts der erschwerten Umstände mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Natürlich ist der Umsatz bei Weitem nicht vergleichbar mit dem der vergangenen Jahre.

Herrmann und Lieselotte Weiche fühlen sich auch auf dem etwas anderen Plärrer wohl.
Bild: Klaus Rainer Krieger

In der ersten Woche seien rund 40.000 Besucher gekommen, schätzt Noli. Das ist ein Bruchteil der üblichen Zahlen. Normalerweise werden in einem Jahr mit zwei Plärrerveranstaltungen rund 1,2 Millionen Volksfestgänger gezählt. Doch für die Schausteller geht es beim diesjährigen Plärrer noch um viel mehr als um ihren Verdienst. Sie schauen weiter auf die allgemeine Zukunft von Volksfesten, Dulten und Christkindlesmärkten in Corona-Zeiten.

Sommer in der Stadt - ein Bummel über den alternativen Herbstplärrer 2020
29 Bilder
Sommer in der Stadt - ein Bummel über den alternativen Plärrer
Bild: Klaus Rainer Krieger

Sandra Erlinger vom Süßwarenstand Bonbonniere war am Hygienekonzept des Plärrers maßgeblich beteiligt. Wie ihre Kollegen auch, ist sie mit dem Ergebnis zufrieden. „Wir beweisen, dass das Hygienekonzept funktioniert und dass man mit Abstand und Anstand feiern kann.“ Der Plärrer selbst sei für sie alle eine Herausforderung, weil man im Fokus stehe. „Wir sind Vorreiter und Modell für andere Städte. Und wir zeigen, dass es geht.“

An den Fahrgeschäften muss man nicht so lange anstehen, wie sonst, stellen Besucher fest.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Unter anderem wird genau darauf geachtet, dass Besucher am Einlass Abstand halten und die Infoblätter ausfüllen. Beim Anstellen an den Fahrgeschäften gilt Maskenpflicht. Am Ein- und Ausgang zählt das Personal des Sicherheitsdienstes mit, wie viele Menschen sich auf dem Gelände befinden. Laut Bruno Noli dürfen sich 1480 Besucher zeitgleich auf dem Plärrer aufhalten. Bei schönem Wetter kam es deshalb an manchen Abenden vergangene Woche kurzzeitig zu einem Einlass-Stopp. Wie Bruno Noli erzählt, haben sich bereits Kollegen aus anderen Städten erkundigt, wie der Plärrer unter diesen Umständen funktioniert.

Auf dem Plärrer werden Erfahrungen für andere Feste gesammelt

„Wir vom Schwäbischen Schaustellerverband versuchen jetzt Veranstaltungen in Memmingen, Schwabmünchen, Lindau und Kempten mitzugestalten.“ Viel Zeit bleibt für diese Saison allerdings nicht mehr. Aber jeder hier weiß, dass die Konzepte auch für das nächste Jahr und vielleicht darüber hinaus erarbeitet werden. Corona wird die Menschen längerfristig beschäftigen. Aus diesem Grund wollte Roland Sonntag, Schausteller aus Passau, unbedingt am Plärrer teilnehmen. „Ich war neugierig, wie das Konzept gelingt. Es klappt sehr gut, und die Besucher sind vernünftig.“ Sonntag will seine Erfahrungen an dem niederbayerischen Schausteller-Verband weitergeben.

Viele Schilder machen auf die Hygienemaßnahmen aufmerksam.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Im Gespräch sagen etliche Besucher, dass sie sich auf dem Plärrer sicher und geschützt fühlen. „Hier habe ich mehr Platz als in der Innenstadt oder auf dem Stadtmarkt“, stellt eine Frau fest, die mit ihrer Enkelin unterwegs ist.

Die Öffnungszeiten: Der Plärrer geht bis Sonntag, 13. September. Montag bis Donnerstag von 12 bis 23 Uhr, Freitag von 12 bis 23.30 Uhr, Samstag von 10.30 bis 23.30 Uhr, Sonntag von 10.30 bis 23 Uhr. Besucher müssen Kontaktdaten hinterlassen. Entweder vor Ort ausfüllen oder das Dokument auf der Internetseite des Plärrers ausdrucken, ausfüllen und mitbringen.

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