Es ist die bislang größte Veranstaltung in Augsburg, bei der nur gegen das Coronavirus Geimpfte oder Genesene Zutritt haben werden. Carolin Kebekus wird im November auf dem Messegelände auftreten - unter 2G-Bedingungen. Die bekannte Komikerin sagt, sie wolle die 2G-Regel auch, um ihre Crew zu schützen. Es ist nicht der einzige Termin in den nächsten Wochen, bei dem Nicht-Geimpfte außen vor bleiben. Wenn - ebenfalls im November - drei angesagte Klangkünstler im Kulturhaus Abraxas auftreten, dann wird auch dort die 2G-Regel gelten. Noch ist 2G in Augsburg die Ausnahme. Bei den meisten Veranstaltungen, in Theatern und Kinos sind bisher auch Menschen willkommen, die einen negativen Corona-Test vorweisen können. Mal reicht ein Schnelltest, mal braucht es einen genaueren, aber auch teureren PCR-Test. Ein Überblick über die aktuelle Situation - und die Pläne der Veranstalter.
Im Augsburger Staatstheater gilt derzeit einheitlich die normale 3G-Regel. Das heißt: Wer geimpft, genesen oder mit einem Schnelltest negativ getestet ist, darf die Vorstellungen besuchen. Das gilt überall - unabhängig von Spielort oder Zuschauerzahl. Am Sitzplatz gilt bei den Aufführungen des Staatstheaters damit auch die Maskenpflicht. Pressesprecherin Julika Jahnke sagt, die meisten Besucherinnen und Besucher würden die Regeln nicht kommentieren. Ein kleinerer Teil wünsche sich eine 3G-Plus-Regel - damit man am Platz die Maske abnehmen könne. Andere wiederum wollten an der Maskenpflicht festhalten, weil sie sich so sicherer fühlten. Zur Erklärung: Bei 3G-Plus reicht kein negativer Schnelltest, es braucht den PCR-Test. Dafür muss dann keine Maske getragen werden. Auch dann nicht, wenn die Corona-Abstände nicht eingehalten werden können. Am Staatstheater gibt es aktuell Überlegungen, auf 3G-Plus umzustellen. So, wie es viele Theater in München schon machen. Entschieden sei aber noch nichts, sagt die Sprecherin. Ohnehin habe man festgestellt, dass die allermeisten Besucher entweder geimpft oder genesen seien. Nur in Einzelfällen würde Testzertifikate vorgezeigt.
Kurhaus Göggingen: Maskenpflicht richtet sich nach Zahl der Zuschauer
Ähnliche Erfahrungen macht man im Parktheater im Gögginger Kurhaus. Auch dort zeigen die Auswertungen, dass bei den meisten Veranstaltungen nur wenige Nicht-Geimpfte kommen. Im Parktheater, das mehrheitlich im Besitz der Stadt Augsburg ist, gilt bei öffentlichen Veranstaltungen derzeit die normale 3G-Regel. Die Maskenpflicht hängt von der Besucherzahl ab. Können Abstände gehalten werden, muss am Platz keine Maske getragen werden. Sind es so viele Zuschauerinnen und Zuschauer, dass sie enger sitzen müssen, muss die Maske aufbleiben. In einem Fall durften die Masken aber bereits ganz fallen, erzählt Kurshaus-Chef Stefan Weippert. Der Grund: Die Einlasskontrolle ergab, dass nur Geimpfte und Genesene gekommen waren. Es handelte sich damit um eine 2G-Veranstaltung. Die Zahlen des Kurhauses widersprechen dem Vorurteil, dass unter Menschen mit Migrationshintergrund die Impfquote generell niedriger ist. Auch bei einer türkischen Hochzeit, die dort abgehalten wurde, waren mehr als 80 Prozent der Gäste geimpft.
Für Ufuk Aykut und Michael Klein vom Spectrum-Club war es gar keine Frage: Bei ihren eigenen Partyabenden und Konzerten gilt die Regel 3G-Plus. So können sich in dem Klub in der Ulmer Straße in Kriegshaber auch alle ohne Abstand und ohne Maske bewegen. "So wie früher", betont Ufuk Aykut. Maskenpflicht gilt nur am Ein- und Ausgang. Für diese Entscheidung hätten sie sehr viel positive Resonanz erhalten. "Aber anders geht es auch nicht. Ich kann kein Rockkonzert mit Maske veranstalten", sagt er. Die Stimmung sei seit der Wiedereröffnung sehr gut. Als Ray Wilson, der Ex-Sänger von Genesis, am Sonntag auf die Bühne trat habe er gleich zu Beginn viel Applaus erhalten. "Ich hoffe, dass die Zeit der Einlassbeschränkungen bald vorbei ist", sagt Aykut.
Das Konzertbüro Augsburg veranstaltet Kabarett und Konzerte in ganz Deutschland und sieht sich mit unterschiedlichen Vorgaben konfrontiert. Das Konzertbüro organisiert auch den Auftritt von Carolin Kebekus, die für ihre ganze Tour die 2G-Regel gewählt hat. Anderenorts pochten die Veranstaltungsorte auf ihr Hausrecht, Bundesländer würden ebenfalls unterschiedliche Maßstäbe ansetzen. "In der Kresslesmühle gilt beispielsweise 3G. Dort wurde die Besucheranzahl reduziert", berichtet Sandro Engelmann. Von anderen Spielorten in Deutschland bekomme er mit, dass manche nun auf 2G setzten. "Im Kulturbetrieb geht es nach der langen Schließungszeit ums nackte Überleben. Ich kann verstehen, wenn Veranstalter ohne Einschränkungen öffnen wollen, also ohne Maske und Abstand", sagt er.
3G-Plus im Augsburger Kino: "Faktisch ist es 2G"
Er habe lange überlegt, sagt Franz Fischer, Betreiber der Kinos Thalia und Mephisto. Dann aber, vor zwei Wochen, habe er sich für den Schritt von 3G zu 3G-Plus entschieden. Auch hier fiel die Maskenpflicht am Platz. Das Ergebnis: "Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht, der Besuch hat seitdem deutlich zugenommen. Viele, die in den vergangenen Wochen abgewartet haben, sind jetzt wieder da - weil sie sich sicherer fühlen." Doch nicht nur deshalb habe sich der Schritt bewährt. Auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei es nun deutlich einfacher, die Gäste zu kontrollieren. "Wir waren oft mit äußerst fragwürdigen Dokumenten konfrontiert. Jetzt gibt es klare Nachweise, die wir eindeutig nachvollziehen können", sagt Fischer.
Nach Einschätzung von Fischer kommt 3G-Plus in den Kinos de facto 2G gleich. Der Anteil derjenigen, die mit einem aktuellen PCR-Test kämen, sei sehr gering. "Ich kann es auch verstehen - Aufwand und Kosten stehen in keinem Verhältnis zu einem Kino-Besuch", sagt der Kinobetreiber. Unter jenen, die durch die Umstellung nicht mehr ins Kino kommen könnten, gebe es aber deutliche Misstöne: "Ich bekomme täglich Mails und Kommentare auf Facebook, manche beschimpfen mich und die Kollegen auch direkt im Kino. 'Nazi, Rassist, Faschist' - da war alles schon dabei." Auch das Liliom-Kino setzt auf 3G-Plus. Geschäftsführer Michael Hehl bezeichnet die Resonanz insgesamt als "sehr positiv". Als Motiv für den Schritt nennt er die wegfallende Maskenpflicht: "Wir wollten zurück zur Normalität im Gebäude - ohne Maske, ohne große Abstände. Unter den aktuellen Vorgaben ist das nur mit 3G-Plus möglich." Er hoffe jedoch, dass bis Ende des Jahres die Regeln weiter gelockert würden.
Einen anderen Weg gehen Cinestar und Cinemaxx, die in Augsburg beide jeweils in ein Einkaufszentrum eingebettet sind. Sie setzen nach wie vor auf 3G - mit der Konsequenz, dass dort eine Maske getragen werden muss. Das ist allerdings eine vage Vorschrift. Denn zum Verzehr darf sie fallen. Im Cinestar liegt die Auslastung derzeit durchschnittlich bei rund 30 Prozent. Da die Säle mindestens 100 Plätze umfassen, verteilen sich die Gäste dort automatisch stärker als in kleineren Kinos. Man geht dort jedoch davon aus, dass ohnehin 98 Prozent der Gäste geimpft oder genesen sind.
Welche Regeln im Kongress am Park gelten, hängt vom jeweiligen Veranstalter ab. Geschäftsführer Götz Beck erklärt gegenüber unserer Redaktion: „Da der Kongress am Park nicht selbst als Veranstalter auftritt, sondern die Halle an Veranstalter vermietet, räumen wir das Wahlrecht ein, ob das Event mit 3G, 2G, oder 3G-Plus durchgeführt wird. Bei allen Varianten wird der Veranstalter bei der Einhaltung der Vorschriften durch die Kongress am Park Betriebs GmbH unterstützt.“