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Augsburg: Warum immer mehr Supermärkte SB-Kassen anbieten

Augsburg

Warum immer mehr Supermärkte SB-Kassen anbieten

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    Die kleine Mia unterstützt Mama Nadine Meidinger beim Einkauf und scannt die Waren an der SB-Kasse.
    Die kleine Mia unterstützt Mama Nadine Meidinger beim Einkauf und scannt die Waren an der SB-Kasse. Foto: Silvio Wyszengrad

    Die kleine Mia ist ganz angetan von den SB-Kassen bei Edeka Seng in Göggingen. An diesem Nachmittag darf die Kleine drei Senfgläser scannen, die Mama Nadine Meidinger schließlich per Handy bezahlt. "Ich nutze diese Kassen regelmäßig. Zum einen, weil meine Tochter gerne hilft, aber auch, weil es schnell geht und ich nicht anstehen muss", erzählt sie. Probleme beim Scannen und Bezahlen habe sie nicht. "Die Kassen sind sehr bedienerfreundlich", so Meidinger. "Und es piepst so toll", freut sich Tochter Mia. Doch nicht alle Kundinnen und Kunden können den SB-Kassen, an denen sie selbst zu Kassenkräften werden, etwas abgewinnen und auch für den Handel haben Sie nicht nur Vorteile.

    In Augsburg bieten neben Lebensmittelhändlern auch Baumärkte wie Bauhaus, das Einrichtungshaus Ikea oder auch der Sportartikelhändler Decathlon solche Kassensysteme an. Seit 2019 hat sich ihre Zahl laut EHI Retail Institute fast verdoppelt. Mehr als die Hälfte der rund 3700 bundesweit aktiven SB-Kassen sind im Lebensmittelhandel zu finden - unter anderem bei Edeka Seng in Göggingen

    Nur noch 20 bis 30 Prozent der Kunden bezahlen im Supermarkt bar

    "Die SB-Kassen werden von den Kunden sehr gut angenommen, und zwar quer durch alle Altersklassen", schildert Markt-Chef Bernd Seng. Man müsse niemanden zur Nutzung überreden. Weil ohnehin nur noch 20 bis 30 Prozent der Einkäufe bar bezahlt würden, gebe es auch wenig Vorbehalte gegen die SB-Kassen, bei denen ausschließlich Kartenzahlung möglich ist. "Wir haben uns vor allem aus Servicegründen für dieses System entschieden. Es vermeidet Kassenstaus, die Kunden kommen so ohne große Wartezeiten aus."

    5 wichtige Kundenrechte im Supermarkt

    Der an der Kasse angezeigte Preis gilt. Wurde am Regal ein anderer Preis für ein Produkt ausgewiesen, darf der Supermarkt an der Kasse dennoch mehr verlangen. In einem solchen Fall sind Kunde oder Kundin nicht zum Kauf der Ware verpflichtet. (Quelle: Verbraucherzentrale)

    Zerstört oder beschädigen Kunden Waren im Supermarkt, müssen sie für den Schaden aufkommen. Allerdings muss nur so viel bezahlt werden, wie das Produkt den Supermarkt im Einkauf gekostet hat. Dieser Preis liegt meist unter dem Preis, der an der Ware steht.

    Kunden, die einen Pfandbon abgeben, müssen den Betrag auch ausbezahlt bekommen. Das gilt allerdings nur für die Filiale, in der der Pfandbon erstellt wurde. Ein Pfandbon ist innerhalb von drei Jahren nach Ablauf des Jahres einlösbar.

    Wer Waren im stationären Handel umtauschen möchte hat laut Verbraucherzentrale keinen Anspruch darauf. Im stationären Handel besteht nämlich kein gesetzliches Widerrufsrecht. Händler tauschen dann auf Kulanz. Anders ist der Fall, wenn Ware nicht in Ordnung ist.

    Das Verzehren von noch unbezahlten Lebensmitteln im Supermarkt ist an sich nicht erlaubt. Vor dem Abschluss des Kaufvertrages an der Kasse gehören die Lebensmittel weiterhin dem Händler. Meist ist es aber für die Supermärkte in Ordnung, wenn die leere Verpackung zur Bezahlung an der Kasse vorgezeigt wird.

    Bei Rewe sind bundesweit aktuell 460 der 3700 Filialen damit ausgestattet. "Rewe plant keinen flächendeckenden Rollout, sondern einen Einsatz dort, wo das Kundenverhalten und die Platzverhältnisse im Markt gegeben sind", erklärt Unternehmenssprecher Thomas Bonrath. Die Technik sei vor allem für kleinere Märkte in Innenstadtlagen geeignet. Unter anderem die Filiale am Augsburger Rathausplatz ist damit ausgestattet worden. Auch Handscanner gibt es dort. Mit ihnen kann man die Waren schon während des Einkaufs scannen. Am Ende generiert das Gerät einen Barcode, den man an der SB-Kasse vorhält und dann bezahlt. Das neuerliche Aus- und Einladen der Lebensmittel entfällt. In hochfrequentierten Spitzenzeiten würde bereits jeder zweite Kunde seinen Bezahlvorgang selbst abwickeln, so Bonrath. Auf die Zahl der Mitarbeiter hätten die SB-Kassen keinen Einfluss. "Rewe ist ebenso vom Fachkräftemangel betroffen. So möchten wir die Kassenkräfte zusätzlich für anspruchsvollere Serviceaufgaben einsetzen", so Bonrath. Dazu zählt er Beratung, Verkostung oder auch spezielle Aktionen im Markt.

    SB-Kassen erlauben auch in Augsburg mehr Diebstahl

    Darüber hinaus müssen auch die Kassen zum selber scannen personell betreut werden, erläutert Bernd Seng. Rutscht beispielsweise Alkohol durch den Scanner, muss das Personal die Volljährigkeit des Kunden oder der Kundin bestätigen. Auch wenn Ware versehentlich doppelt gescannt oder Gemüse falsch gewogen wurde, braucht es Hilfe. "Es ist aber immer schnell jemand da, der das Problem lösen kann", erzählt Kundin Andrea Wagner. Sie möchte die SB-Kassen keinesfalls mehr missen.

    Große Probleme mit der Technik haben offenbar wenig Kundinnen und Kunden. Die Verbraucherzentrale Bayern haben bislang keine Beschwerden erreicht, teilt eine Sprecherin mit. Das bedeutet aber nicht, dass es keine Kritiker der SB-Kassen gibt. Manche schildern, ihnen würde der persönliche Bezug zum Kassenpersonal fehlen, andere sprechen von einer gewissen Unsicherheit im Umgang mit den Kassen. "Was ist, wenn ich was Falsches drücke? Da stehe ich lieber an einer richtigen Kasse an", so eine Rentnerin. Einen Nachteil sehen auch die Händler. An den SB-Kassen sei Diebstahl einfacher, als an herkömmlichen Kassen. Weil mit deren Einführung die Zahl der Produkte, die unbezahlt den Laden verlassen haben, deutlich gestiegen sei, haben manche bei der Sicherheitstechnik aufgerüstet, zudem seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die SB-Kassen betreuen, noch wachsamer.

    Edeka Seng testet neuartige Kasse

    Bei Edeka Seng ist neben den SB-Kassen noch ein weiteres neuartiges Kassenmodell im Einsatz: Eines, das aussieht, wie es Kunden bisher kennen, das aber vollautomatisch funktioniert. Der Kunde legt seine Waren aufs Band, dieses fährt Eier, Milch, Obst und Co. selbstständig durch einen Scannertunnel und erstellt am Ende die Rechnung, die per Karte bezahlt wird. Weil diese Kasse in der Praxis aber noch nicht reibungslos funktioniert, ist sie derzeit außer Betrieb. Für Bernd Seng wäre sie die ideale Lösung. "Kunden hätten weiter das Gefühl, an einer richtigen Kasse zu stehen, und Diebstahl wäre hier weniger einfach möglich", so der Kaufmann. 

    Seng will dem System noch etwas Zeit geben und es dann erneut versuchen. Noch machen SB-Kassen laut EHI Retail Institute einen kleinen Anteil aus. Von den rund 235.000 herkömmlichen Kassen im deutschen Lebensmitteleinzelhandel sind etwa 3700 SB-Kassen.

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