Die Stadt will die Ausländerbehörde neu strukturieren. Es gehe darum, das Amt von der reinen Ordnungsbehörde, die sie auch bleibe, parallel als Willkommensbehörde aufzustellen, so Ordnungsreferent Frank Pintsch (CSU). Diese "Zweigleisigkeit" sei zunehmend wichtiger geworden in einer Stadt, in der knapp die Hälfte der Bevölkerung Migrationshintergrund habe. Das Aufgabenspektrum habe sich gegenüber dem reinen Vollzug von staatlichem Aufenthalts- und Asylrecht, der auch stark ins Leben von Personen eingreifen könne, erweitert.
Viele Bürger und Bürgerinnen der Stadt, die seit Jahrzehnten in Augsburg leben, hätten nach wie vor einen ausländischen Pass und haben nicht übers Bürgeramt, sondern über die Ausländerbehörde mit der Stadt zu tun. Und auch für den Arbeitsmarkt spiele Personal aus dem Ausland eine zunehmend wichtige Rolle. „Die Behörde ist für viele Menschen die Visitenkarte der Stadt Augsburg. Die dringende Gewinnung von genügend Auszubildenden, die Anwerbung von qualifizierten Fachkräften etwa in den Bereichen Pflege, IT oder Handwerk, die zugewandte Gestaltung der regelmäßigen Kontakte von lange in Augsburg lebenden Menschen oder auch die von Humanität geprägte Bewältigung der Ukraine-Krise – der Ausländerbehörde kommt jeweils eine entscheidende Bedeutung zu", so Pintsch.
45.000 Akten müssen in Augsburg digitalisiert werden
Nachdem die Behörde vor zwei Jahren optisch innen etwas freundlicher gestaltet wurde, soll das Amt nun womöglich personell aufgestockt und umgebaut werden. Parallel soll die Behörde stärker digitalisiert werden. Im Keller lagern 45.000 Akten auf 900 Metern, die erfasst werden müssen. Das bedeutet Arbeit, so Pintsch, man steigere aber mit einer Digitalisierung die Effizienz. Der aktuelle Digitalisierungsgrad helfe der Stadt schon erheblich bei der Bewältigung der Flüchtlings-Registrierungen aus der Ukraine. Auf der städtischen Homepage gibt es ein Formular, mit dem Vor-Ort-Termine von Ukraine-Flüchtlingen vorab durch das Hochladen von Dokumenten vorbereitet werden können.
Im Ordnungsausschuss des Stadtrats fand die Umstrukturierung, die mit 500.000 Euro Kosten verbunden ist, eine breite Mehrheit, nicht zuletzt, weil die Zahl der ausländischen Bürger und Bürgerinnen in Augsburg steigt. Das Bevölkerungswachstum in Augsburg speiste sich in den vergangenen Jahren viel aus Migration innerhalb der EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit. Stefan Wagner (Grüne) sagte, die Grünen peilten auch eine Umbenennung des Amtes an, um nach außen hin ein Zeichen zu setzen. Widerspruch zur Neustrukturierung kam von der AfD. Der Zustrom an Migranten nach Deutschland sei im EU-Vergleich ohnehin überproportional groß. "Wir brauchen keine Willkommensbehörde", so Stadtrat Friedrich Baur. Das Geld, das man hier ausgebe, werde an anderer Stelle fehlen.