Der Mann am anderen Ende der Telefonleitung klingt überzeugend. Er sei vom Softwareunternehmen Microsoft und wolle mitteilen, dass der eigene Computer mit Viren befallen sei. Weil dies gerade vielfach geschehe, biete Microsoft eine Fernwartung an. Man müsse dazu nur eine spezielle Homepage im Internet öffnen und dort einen von ihm genannten Zahlencode eingeben. Damit könne er sich auf den Rechner zuschalten und das Problem beheben. Für einen kurzen Moment überlegt man, ob man dem Anrufer vertrauen soll. Aber da ist etwas, was nicht so recht passen will. Es ist eine von vielen Abzockmaschen, die auch in Augsburg bereits Menschen um viel Geld gebracht haben.
Der Mann am Telefon spricht Englisch. Deutsch könne er nicht, sagt er. Aber müsste ein Weltkonzern für solche Probleme nicht einen Service in verschiedenen Sprachen bieten? Es kommen Zweifel auf. Tatsächlich würde Microsoft seine Kunden in solchen Fällen nicht anrufen, sondern andere Wege der Kontaktaufnahme nutzen. Bei dem Anruf handelt es sich demnach um Betrug. "Die Drahtzieher wollen Zugriff auf private Computer erlangen und so wichtige Daten wie beispielsweise Zugänge zum Online-Banking ausspionieren", so Markus Trieb, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord. Sein Tipp: Wer einen solchen Anruf erhält, sollte direkt auflegen und auf keinen Fall die Installation einer Fernwartungssoftware durchführen.
Enkeltrick in Augsburg: Betrüger geben sich am Telefon als Verwandte aus
Die dreisten Betrugsmaschen, mit denen Opfer um ihr Geld gebracht werden sollen, gibt es seit Jahren, die Zahl der Fälle steigt - auch in Augsburg. 2022 registrierte das Polizeipräsidium Schwaben Nord allein 1972 Anzeigen zu sogenannten Schockanrufen. Die Geschichten dahinter sind unterschiedlich, haben aber das gleiche Ziel: Die Angerufenen sollen Geld oder wertvollen Schmuck an die Betrüger aushändigen. Dabei meldet sich in einem der Fälle ein vermeintlicher Staatsanwalt der vorgibt, ein naher Verwandter des Opfers hätte einen schweren Verkehrsunfall verursacht und könne nur gegen Zahlung einer hohen Geldstrafe einer strafrechtlichen Verfolgung entkommen. In anderen Fällen hatten die Verwandten selbst einen Unfall und nun sei Geld für eine schnelle Operation nötig.
Die Betrüger geben sich aber auch als Polizisten aus und spiegeln eine Einbruchserie in der näheren Umgebung der Opfer vor. Um das eigene Geld und wertvollen Schmuck zu schützen, bietet der falsche Beamte an, die Wertsachen einzusammeln und zu verwahren. Beim Enkeltrick geben sich die Anrufer direkt als Verwandter aus und spielen eine Notlage vor, für die sie dringend Geld bräuchten. "Oft werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt", so Trieb. In Augsburg und der Region waren die Betrüger im Jahr 2022 ganze 50 Mal erfolgreich, der Schaden belief sich auf rund zwei Millionen Euro. Die Fallzahlen wie auch die Schadenssumme hat sich im Vergleich zu den Vorjahren vervierfacht.
So wird man nicht zum Opfer: Tipps der Polizei
Bei Gefahren an der Wohnungstüre durch falsche Handwerker, falsche Polizisten oder falsche Hilfesuchende:
- Keine Unbekannten in die Wohnung lassen.
- Türspion, vorgelegte Türsperre und Sprechanlage benutzen, notfalls durch geschlossene Türe sprechen.
- Handwerker oder Mitarbeiter von Behörden kommen im Normalfall nicht ohne Ankündigung.
Bei Gefahren an der Wohnungstüre durch falsche Handwerker, falsche Polizisten oder falsche Hilfesuchende:
- Dienstausweis verlangen.
- Gegebenenfalls Rückruf bei Behörde/Handwerksbetrieb/Hausverwaltung/Notruf ankündigen und notfalls durchführen.
- Besucher vor der Türe warten lassen.
- Keine Geschäfte an der Haustüre abschließen und nichts unterschreiben.
Bei Gefahren am Telefon durch Schockanrufe (Vorgaukeln schwerer Verkehrsunfälle, Enkeltrick, falscher Polizist), falsche Gewinnmitteilungen oder Geldversprechen:
- Bei Schockanrufen misstrauisch werden; im Zweifel auflegen.
- Rufen Sie den Verwandten oder Bekannten unter der Ihnen bekannten Nummer zurück; nicht die Rückruf-Funktion nutzen. Wenn die Person nicht erreichbar ist, selbst den Notruf 110 wählen oder die örtliche Polizei anrufen.
- Nicht unter Druck setzen lassen; auflegen, wenn etwas merkwürdig erscheint.
Bei Gefahren am Telefon durch Schockanrufe (Vorgaukeln schwerer Verkehrsunfälle, Enkeltrick, falscher Polizist), falsche Gewinnmitteilungen oder Geldversprechen:
- Niemals eine telefonisch eingeforderte Vorab-Kaution oder Vorab-Gebühren bezahlen.
- Fragen Sie sich: Habe ich an einer Lotterie teilgenommen? Gewinne werden im Normalfall nicht telefonisch, sondern schriftlich mitgeteilt.
- Am Telefon keine Geschäfte abschließen oder persönliche Daten (Adresse, Konto- oder Kreditkartennummer etc.) preisgeben.
- Niemals Geld oder Wertsachen an fremde Personen übergeben. (zm)
Betrug über WhatsApp ist derzeit besonders aktuell
Weil manche Masche schon bekannt ist, denken sich die Betrüger neue Abzock-Methoden aus und richten beispielsweise gefälschte ukrainische PayPal-Konten ein. Aktuell sei vor allem die WhatsApp-Masche aktuell, so Trieb. In diesem Fall erhalten Menschen über den Messenger-Dienst eine Nachricht von einer fremden Nummer. Der Text gaukelt die Mitteilung eines Verwandten oder Bekannten vor, eine neue Telefonnummer zu haben. Speichert das Opfer diese Nummer ab, ist der Kontakt zum Täter hergestellt. Wenig später fordern die Betrüger das Opfer auf, ihm Geld zu überweisen, da wegen der Umstellung auf die neue Handynummer beispielsweise kein Online-Banking möglich sei. Hauptkommissar Markus Trieb kann vor solchen Fallen nur warnen: "Wer von einer unbekannten Nummer kontaktiert wird, sollte diese nicht direkt abspeichern, sondern bei der betreffenden Person persönlich nachfragen, ob diese tatsächlich die Nummer gewechselt hat." Im vergangenen Jahr registrierte das Polizeipräsidium Schwaben Nord 642 Straftaten mit dieser Masche. In 192 Fällen waren die Täter erfolgreich und brachten ihre Opfer um insgesamt 380.000 Euro. Zwei Drittel der Betrogenen waren über 60 Jahre alt.
Immer wieder gelingt es der Polizei, Betrüger ausfindig zu machen und zur Rechenschaft zu ziehen. "Wir möchten aber eigentlich, dass es erst gar nicht zu schadensträchtigen Fällen kommt", so Markus Trieb. Das Polizeipräsidium hat deshalb verschiedene Präventionsmaßnahmen ergriffen. Unter anderem mit der Kampagne "Nicht mit meiner Oma" versucht man aufzuklären. Wer dennoch auf Betrüger hereinfällt, sollte sich nicht schämen, sondern an die Polizei wenden. "Schämen müssen sich allenfalls die Täter", so Trieb.