Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Pestel-Instituts aus Hannover. Demnach steigt die Zahl von Senioren über 65 Jahren, die auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sind, von heute 2500 auf über 3800 im Jahr 2020. „Das betrifft vor allem Menschen zwischen 50 und 64 Jahren, die heute von Hartz IV leben“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. In Augsburg sind das derzeit rund 4400 Betroffene.
Empfänger der Grundsicherung im Alter bekommen zum Regelsatz zwar auch Miete und Heizkosten erstattet, doch schon kleinere Investitionen im Haushalt können sie vor existenzielle Notlagen stellen. Von höheren Mietpreisen sind insbesondere diejenigen Senioren betroffen, die zu ihrer geregelten Rente auf das staatliche Wohngeld angewiesen sind.
Viele Augsburger von Altersarmut bedroht
In Augsburg leben viele von ihnen in einer der 10000 Sozialwohnungen der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) der Stadt. WBG-Chef Edgar Mathe weiß, wie bitter die Schicksale in Einzelfällen sein können. Wenn er auf Mieterversammlungen Mieterhöhungen wegen Renovierung ankündigt, sieht er alte Frauen mit Tränen in den Augen. „Manche wissen nicht, wo sie die zehn Euro herbekommen sollen“, sagt Mathe.
In Zukunft kommen aber immer mehr Wohnkosten auf ältere Menschen zu: So schreibt der Gesetzgeber kostspielige energetische Sanierungen vor. Das trifft nicht nur Rentner mit einem Eigenheim, sondern auch Mieter, die an den Kosten beteiligt werden.
Susanne Donn, Geschäftsführerin des Leserhilfswerks Kartei der Not kennt vieler solcher Fälle. „Es kommt häufig vor, dass sich ältere Menschen dann mit einem dicken Pullover in die Decke wickeln anstatt zu heizen,“ berichtet Donn. Viele Möglichkeiten Geld einzusparen sehen die Rentner nicht. Zudem bekommen diejenigen, die Wohngeld erhalten, für die Heizkosten nur einen bestimmten Pauschalbetrag zugewiesen. „Das funktioniert zwar in neuen, gut gedämmten Apartments, aber nicht in alten Mietwohnungen“, erklärt Donn.
Auch der altersgerechte Umbau der eigenen vier Wände bürdet den Senioren hohe Investitionen auf, die sich viele nicht leisten können. Dabei steigt der Bedarf an barrierefreiem Wohnungsraum mit jedem Lebensjahr.
Die Problematik ist der Stadt schon länger bewusst. Seit vier Jahren berät die Fachstelle Seniorenarbeit gezielt ältere Menschen bei der Umgestaltung ihrer Wohnungen. „Gerade wenn größere Umbauten anstehen wie Treppenlifte, Rampen oder rollstuhlgerechte Badezimmer sind die hohen Kosten ein großes Hindernis“, sagt Isolde Klügel vom Beratungsteam der Fachstelle. Es fehle aber auch oft die Bereitschaft überhaupt etwas ändern zu wollen. „Viele sind der Meinung, dass sich das nicht mehr lohnt.“
Denn der Bedarf in Augsburg ist zweifelsfrei vorhanden: Die Zahl der alleinlebenden Senioren über 65 Jahren steigt und es gibt viele, die mit einer kleinen Rente auskommen müssen. Betroffen davon sind oft Alleinerziehende und Migranten, die zu spät nach Deutschland kamen, um sich hier eine Alterssicherung zu erarbeiten.
In Augsburg kommen zudem Spätfolgen der Textilindustrie dazu: Viele Witwen von Textilarbeitern, die selber nicht lang gearbeitet haben, um die Kinder groß zu ziehen und auch Arbeiter, die früh ohne Anstellung dastanden, als die Firma bankrott ging oder der Job sie körperlich zermürbte.