In Augsburg droht offenbar immer mehr geschützten Bäumen und Büschen eine Fällung. Bei der Stadt hat die Zahl der Fällanträge in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Waren es 2018 noch 316 Anträge für geschützte Bäume, stieg die Zahl bis zum vergangenen Jahr stetig auf 408. Die Zahl der betroffenen Bäume hat sich im selben Zeitraum sogar nahezu verdoppelt, auf insgesamt 803. Wie kommt es zu diesem starken Anstieg? Bei der städtischen Umweltverwaltung hat man dafür eine Erklärung.
Dort sieht man einen unmittelbaren Zusammenhang darin, dass die städtische Baumschutzverordnung verschärft und erweitert wurde. Lange war es so, dass Laubbäume vieler Arten mit einem Stammumfang von mehr als 80 Zentimetern unter die städtische Baumschutzverordnung fielen, außerdem mehrstämmige Bäume, wenn einer der Stämme einen Umfang von mehr als 50 Zentimetern hat. Dieses Grün darf aus Naturschutzgründen nicht einfach zerstört oder gefällt werden.
Mehr Personal für Baumschutz in Augsburg
Seit 2020 stehen nicht nur größere Bäume, sondern auch größere Sträucher in der Stadt Augsburg unter Schutz. Für diese Gehölze muss nun ebenfalls eine Fällgenehmigung beantragt werden. Das hat Folgen. Weil die Anträge stark zunehmen, seien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) an ihrer Kapazitätsgrenze, heißt es. Die Personalsituation soll sich nun aber bessern.
Die UNB wird bereits durch eine Vollzeitstelle zur Sachbearbeitung für die Baumschutzverordnung unterstützt. Eine angedachte Stelle zur Verfolgung der Ordnungswidrigkeiten hing seit deren Bewilligung jedoch in einer Warteschleife. Sie soll nun im Mai besetzt werden. Seit einem halben Jahr ist eine halbe Stelle wegen Schwangerschaft und Mutterschutz ausgefallen. Für diese Stelle ist eine Aufstockung vorgesehen. Zur Erinnerung: In Augsburgs Naturschutzbehörde fehlte rund ein Jahr die Leitung. Kaum war die neue Kraft da, war sie bis auf Weiteres wieder weg.
Stadt leitet Verfahren bei Verstößen gegen Baumschutz ein
Wie geht es jetzt weiter? In diesem Jahr lag die Zahl der Fällanträge bis Mitte März bei 69 - für insgesamt 132 Bäume. Die Stadt hat jedoch in vielen Fällen den geplanten Abholzaktionen nicht zugestimmt. Im Jahr 2018 wurden sechs zur Fällung beauftragte Bäume abgelehnt, 2021 waren es 69 Bäume. Nach Angaben der Umweltverwaltung deutet die steigende Zahl darauf hin, dass die neue Gehölzschutzverordnung greife und sich die zusätzlich hierfür eingerichtete Stelle in der früher chronisch unterbesetzten Unteren Naturschutzbehörde bemerkbar mache.
Kritiker der Augsburger Baumallianz bemängeln seit Jahren, dass die Stadt Verstöße gegen den Baumschutz nicht energisch genug verfolge. In einem Bericht für den Umweltausschuss werden nun Zahlen genannt: Im Zeitraum von Januar 2021 bis Anfang April 2022 wurden von der Unteren Naturschutzbehörde wegen Verstößen gegen die Baumschutzverordnung mehrere Verfahren eingeleitet. Dabei ging es beispielsweise um unsachgemäße Rückschnitte, Wurzelschädigungen und Ähnliches. In 24 Fällen wurde die Behörde wegen einer Schädigung von 57 Gehölzen tätig, in acht Fällen wegen einer Entfernung von 26 Gehölzen.
Hinzu kommen noch bis zu 40 Meldungen in der Regel von Nachbarn oder Spaziergängern, die nach einer Ortseinsicht der UNB nicht nachverfolgt wurden, da es sich um keine Verstöße gegen die Baumschutzverordnung handelte oder keine entsprechenden Beweise vorlagen.
Baumschutzallianz übt Kritik an der Stadt Augsburg
Die Baumschutzallianz kritisiert, die Stadt gehe in bestimmten Fällen nach wie vor nicht energisch genug vor. Als ein Beispiel nennt die Initiative einen Biergarten mit Kastanien im Thelottviertel, der gepflastert wurde. Der Fall sorgte erstmals im vergangenen Herbst für Ärger. Die Untere Naturschutzbehörde stellte die Arbeiten zunächst ein. Zudem wurde ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren eingeleitet.
Die Baumallianz hält die vier verbliebenen Kastanien nach wie vor nicht für ausreichend geschützt. Sprecher Christian Ohlenroth forderte beim Amt für Grünordnung, den aktuellen Zustand der Bäume "dringend zeitnah zu prüfen" und entsprechende Maßnahmen zu veranlassen.