Es ist ein Stimmungsbild von 87 Unternehmen in Augsburg, die einen repräsentativen Durchschnitt der Wirtschaft darstellen sollen. Demnach verschlechtert sich die Stimmung bei den Betrieben spürbar. Es fehlen teils langfristige Aufträge, zudem bleiben Investitionen aus. Dies ist das Ergebnis der Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK). Die Herausforderungen für die Wirtschaft seien groß, sagt Ellen Dinges-Dierig, Vorsitzende des regionalen Gremiums der IHK. Auch sie blicke durchaus skeptisch in die Zukunft, erläutert die Unternehmerin, die in führender Position beim Dierig-Konzern tätig ist. Es gebe aber auch optimistische Signale in der Augsburger Wirtschaft.
IHK präsentiert dreimal im Jahr eine Konjunkturumfrage
Dreimal pro Jahr veröffentlicht die IHK die Ergebnisse ihrer Konjunkturumfrage. Für das Stadtgebiet Augsburg bestätigt sich der schwabenweite Trend: Die Stimmung kippt, vom erhofften Aufschwung ist nicht viel zu spüren. Ellen Dinges-Dierig möchte nicht nur Trübsal blasen. Im Interview mit unserer Redaktion hatte sie nach ihrer Wiederwahl als IHK-Regionalvorsitzende zuletzt betont, nicht nur das Negative zu betrachten: "Es wäre hilfreich, wenn wir mehr die positiven Dinge sehen."
Probleme in der heimischen Wirtschaft seien vielfach nicht hausgemacht. Klagen gibt es laut Dinges-Dierig immer wieder über bürokratische Auflagen: "Wir sollten viel häufiger ins Machen kommen." In der Umfrage der IHK wird deutlich, dass die Unternehmen "mit der Folge ungelöster Strukturprobleme" zu kämpfen haben. Die Wirtschaftspolitik wird generell als Problem genannt. Die Einführung des Bürgergelds sei aus Sicht der Unternehmer kontraproduktiv. Große Verunsicherung herrsche ferner wegen der Energiepolitik. Sorge mache zudem die schwächelnde Inlandsnachfrage.
Pessimismus zieht mittlerweile weitaus stärker in Führungsetagen der heimischen Firmen ein. So lässt sich der Vergleich der Frühjahrsumfrage mit den Werten vom Herbst interpretieren. Die aktuelle Geschäftslage wird von 43 Prozent der Unternehmen als "gut" bewertet. Hier gibt es keine Änderung. Die Einstufung "schlecht" geben mittlerweile 15 Prozent der Firmen an. Im Frühjahr waren es elf Prozent. Diese Abschwächung mag nicht groß ins Gewicht fallen, bei Prognosen für die weitere Geschäftsentwicklung wird das eher triste Stimmungsbild offenkundig. 35 Prozent der Unternehmen gehen im Herbst davon aus, dass sich ihre Geschäftslage verschlechtert. Im Frühjahr waren es lediglich 14 Prozent.
Die Arbeitslosenquote im Wirtschaftsraum Augsburg ist niedrig
Andererseits betont die IHK, dass es in der Bestandsaufnahme auch erfreuliche Nachrichten gebe. Arbeitsmarkt und Ausbildungsmarkt seien robust. Die Arbeitslosenquote im Oktober in Augsburg von 5,4 Prozent sei im bundesweiten Vergleich von Großstädten ein Spitzenwert. Zumal müsse gesehen werden, dass im Wirtschaftsraum Augsburg, zu dem die Nachbarlandkreise Augsburg-Land und Aichach-Friedberg gehören, nahezu Vollbeschäftigung herrsche.
Firmen suchten weiterhin gezielt Fachkräfte. Für junge Menschen in der Region bedeute dies wiederum einen Vorteil, sagt Ellen Dinges-Dierig: "Dem Trend begegnen die Unternehmen mit einer unverändert hohen Ausbildungsbereitschaft." Im Vorjahresvergleich wurden fast zehn Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen.
Auch ein anderer Punkt wird von heimischen Vertretern der IHK als positiv gesehen. Die Zahl von Firmengründungen im Wirtschaftsraum Augsburg sei unverändert hoch. Allein im Jahr 2022 waren es 5150 neue Firmen, die angemeldet wurden. Die meisten davon sind dem Handel und dem Dienstleistungssektor zuzurechnen. Allerdings scheitern viele Neugründungen. Experten geben diese Zahl deutschlandweit mit 80 bis 90 Prozent an.