Magnetschwebebahn, Seilbahn und S-Bahn sind als Alternativen zur Straßenbahn für die Anbindung der Augsburger Uniklinik und des Medizincampus im Gespräch. Kein Thema war bisher der Oberleitungsbus, kurz O-Bus oder auch Trolleybus genannt. Dabei verkehrten in Augsburg einst die ersten bayerischen O-Busse. Heutzutage beweist das österreichische Salzburg, dass dieses Nahverkehrsmittel attraktiv sein kann.
O-Busse beziehen ihren Fahrstrom durch einen Stromabnehmer aus einer über der Straße gespannten Oberleitung, wie Straßenbahnen ohne Schienen. In Augsburg wurde im Oktober 1943 der neue Stadtteil Bärenkeller mit einer O-Buslinie erschlossen. „Gründe waren die kriegsbedingte Treibstoffknappheit und die zu erwartende gute Auslastung“, erläutert Walter Nusser, der Vorstand der „Freunde der Augsburger Straßenbahn“. Die O-Buslinie führte von der damaligen Straßenbahn-Endhaltestelle „Oberhausen“ der Linie 4 bei der Kirche St. Peter und Paul über die Hirblinger Straße nach Bärenkeller-Nord. Dort befand sich eine Wendeschleife um den heutigen Richard-Hohenner-Platz.
Die O-Busse wurden in Augsburg gut angenommen
Die O-Busse wurden erwartungsgemäß gut angenommen, obwohl im Bärenkeller der Bahnhaltepunkt „Augsburg-Hirblingerstraße“ existierte. Nach dem Krieg hat man die O-Buslinie von der Straßenbahn-Endhaltestelle über die Zollernstraße ins nördliche Oberhausen verlängert. Die dortige Wendeschleife verlief um den Eschenhof.
Obwohl sich O-Busse in der Nachkriegszeit vielerorts etabliert hatten, blieb es in Augsburg bei der einzigen O-Buslinie „Bärenkeller-Oberhausen-Eschenhof“. Zu den Hauptverkehrszeiten wurde im 7,5-Minuten-Takt gefahren, auch mit Beiwagen. Die O-Busse waren im damaligen Straßenbahnbetriebshof am Senkelbach stationiert. Von dort aus mussten sie von einem normalen Bus zur Haltestelle „Oberhausen“ geschleppt werden. Dieser Aufwand und eine steuerliche Bevorzugung des Dieselkraftstoffs führten dazu, dass die Augsburger O-Busse im Jahr 1959 durch Dieselbusse ersetzt wurden. Bald darauf hat man die Oberleitungen abmontiert.
Noch drei deutsche Städte haben an der früher weit verbreiteten Technik festgehalten: Esslingen, Solingen und Eberswalde. Zahlreiche Augsburger kennen jedoch O-Busse, und zwar von ihren Besuchen in Salzburg. Dort gibt es keine Straßenbahn mehr, sondern zwölf O-Buslinien mit 165 Haltestellen. Etliche der über 100 Salzburger Busse sind zusätzlich mit Batterien ausgestattet und bedienen die Linien mit Abschnitten ohne Oberleitung, auch außerhalb der Stadtgrenzen.
In Österreich fährt man gerne mit dem „Stanglbus“
Wegen der langen Stromabnehmerstangen nennt man den Salzburger O-Bus „Stanglbus“ und seine Fahrer heißen „Stanglkutscher“. Die Salzburger lieben ihre O-Busse, wie die ÖPNV-Fahrgastzahlen im Vergleich mit ähnlichen Städten zeigen.
Tipp: Die „Freunde der Augsburger Straßenbahn“ haben unter www.f-d-a-s.de anschaulich die Augsburger Nahverkehrsgeschichte dokumentiert, auch die einzige Oberleitungsbuslinie.
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