Die nichtöffentliche Sitzung des Augsburger Bauausschusses geriet diese Woche zu einer Aussprache: Nachdem er mitten in der Sommerpause überraschend dem langjährigen Architekten der Augsburger Theatersanierung gekündigt hatte, ohne vorher den Stadtrat zu informieren, nutzte Baureferent Steffen Kercher den Termin am Donnerstag, um dem Gremium Informationen nachzuliefern. Obwohl zunächst nicht nur die Opposition, sondern auch die Regierungsparteien verschnupft auf den „Alleingang“ des Referenten reagiert hatten, verlief die Sitzung nach Informationen unserer Redaktion sachlich. „Die Stimmung war nicht die schlechteste“, hieß es im Nachhinein unisono, zumal sich Kercher für seine mangelnde Kommunikation entschuldigt habe. Inhaltlich drang derweil nichts nach außen: Kercher hat die Stadträte aus vertragsrechtlichen Gründen zu Stillschweigen verpflichtet. Die Hinweise, es könnte sich bei der Auseinandersetzung um eine Honorarforderung des Architekturbüros handeln, verdichten sich jedoch.
Wie berichtet, hatte Baureferent Steffen Kercher (parteilos) dem Münchner Atelier Achatz sowie dem Projektüberwacher IMP am 16. August die Zusammenarbeit für den Theaterneubau aufgekündigt. Er wird demnach nicht mehr für Bauteil II, also den Neubau von Werkstätten, Verwaltungstrakt und kleiner Spielstätte, zuständig sein. Aus gut informierten Kreisen hieß es danach, ein Grund könnten Differenzen um Honorarforderungen gewesen sein. Nach Recherchen unserer Zeitung hängen diese offenbar mit der Insolvenz eines Fachplanungsbüros zum Jahreswechsel 2023/2024 zusammen, in deren Folge die Stadt als Bauherrin Ersatz suchen musste. Neben dem Architekten sind auf einer solchen Baustelle etliche Fachplaner beschäftigt, um für ihre Spezialbereiche Planungen zu erarbeiten. Nach Auskunft von Bauexperten kommt es bei einem Wechsel öfter vor, dass eine Planung überarbeitet werden müsse. Inwieweit diese Überarbeitung honorartechnisch durch den Vertrag zwischen Architekt und Auftraggeber abgedeckt sei oder erneut in Rechnung gestellt werden könne, sei dann im Einzelfall zu klären. Der Architekt macht diese Spezialplanung zwar nicht selbst, hat unter Umständen aber Arbeit damit, eine etwaige Neuplanung ins Gesamtgefüge einzubinden.
Theatersanierung: Achtet der Referent nun besonders intensiv auf die Kosten?
Dass es im aktuellen Fall tatsächlich um Geld gehen könnte, darauf weist eine Pressemitteilung hin, die die Augsburger Verwaltung diesen Montag verschickt hatte. Baureferent Kercher wird darin mit folgendem Satz zitiert: „Durch die Kündigung behält die Stadt vor allem mit Blick auf die Finanzierung des Projekts das Heft des Handelns in der Hand“. Insider vermuten, dass der Baureferent nach der erneuten Kostenerhöhung auf nun 417 Millionen Euro, über die der Stadtrat noch im Juli abgestimmt hatte, besonders penibel auf die Ausgaben achte, zumal auch das städtische Rechnungsprüfungsamt, ein unabhängiges Kontrollorgan, derzeit ein Auge auf alle Bauprojekte und das Theater im Speziellen habe.
Nach der Aussprache im Bauausschuss scheinen die meisten Fraktionen und Stadträte zunächst inhaltlich überzeugt von der Vorgehensweise Kerchers. Strittig ist nach wie vor, ob der Baureferent den Stadtrat nicht wenigstens vom Vorgang hätte informieren müssen. Wie berichtet, hatte Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) die Kündigung durch eine dringliche Anordnung ermöglicht, ein Instrument, das dann eingesetzt wird, wenn Entscheidungen schnell getroffen werden müssen, der Stadtrat aber nicht rechtzeitig einberufen werden kann. Die Fraktionschefs und Kulturreferent Jürgen Enninger hatte Kercher nach der Kündigung zumindest über die Tatsache an sich informiert. Auf die Gründe war er in dieser Nachricht nicht eingegangen.
Diese Vorgehensweise kritisiert unter anderem Roland Wegner von der V-Partei, der als Einzelstadtrat keiner Fraktion angehört und im August deshalb nicht über die Kündigung informiert wurde. Er sieht dies als einen „Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz“ und hat deshalb die Regierung von Schwaben als Rechtsaufsichtsbehörde eingeschaltet. Die Gemeindeordnung sehe keinen Unterschied zwischen Fraktionsmitgliedern und fraktionslosen Stadträten vor. Vor allem in Augsburg, wo es im Stadtrat mit neun Mitgliedern besonders viele einzelne Stadträte gebe, entstünde eine Benachteiligung, wenn man nicht alle zur gleichen Zeit in Kenntnis setzte. Um im aktuellen Fall der Architektenkündigung an Informationen zu kommen, nahm Wegner, der kein Mitglied im Bauausschuss ist, am Montag frei, um an der Sitzung des Gremiums teilzunehmen.
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Er selbst kommt im Nachklang zur Erkenntnis, dass eine Kündigung hätte vermieden werden können, zumindest aber nicht so schnell hätte vollzogen werden müssen. Auch dies macht er in seinem Schreiben an die Regierung von Schwaben deutlich und bittet die Behörde darum, den Vorgang zu prüfen.
Kercher betonte in der Bauausschusssitzung noch einmal, was er am Montag auch in seiner Pressemitteilung gesagt hatte: Er rechnet durch die aktuelle Entwicklung weder mit Mehrkosten noch mit einer Verzögerung des Projekts. Dem Vernehmen nach hätten auch bereits Firmen in der Bauverwaltung nachgefragt, die die Ausführungsplanung für Bauteil II übernehmen wollen. Wie es mit dem Münchner Atelier Achatz weitergeht, ist derweil offen. Da die Art der Kündigung - es handelte sich um eine außerordentliche, also fristlose Kündigung - strittig ist, könnte sie noch ein juristisches Nachspiel haben. Die Arbeiten für Bauteil I, also das denkmalgeschützte Große Haus, gehen derweil weiter: Unabhängig von der Aussprache vergab das Gremium am Donnerstag unter anderem Stahlbauarbeiten für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.
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