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Augsburg: Nach diesem bekannten Vorbild entstand der Augsburger Hotelturm

Augsburg

Nach diesem bekannten Vorbild entstand der Augsburger Hotelturm

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    Das Stadtarchiv verwahrt die Bilddokumentation des Baukonzerns Thosti. Darin befindet sich diese ungewöhnliche Aufnahme.
    Das Stadtarchiv verwahrt die Bilddokumentation des Baukonzerns Thosti. Darin befindet sich diese ungewöhnliche Aufnahme. Foto: Stadtarchiv

    Der Augsburger Otto Schnitzenbaumer war in den 1960er Jahren ein ungewöhnlicher Unternehmer, der Wert auf seinen Bekanntheitsgrad legte. Sollte ein von ihm initiiertes Bauwerk in seiner Heimatstadt Augsburg die Krönung darstellen? So deuteten vor über 50 Jahren Kritiker eines ungewöhnlichen Bauprojekts die Ankündigung, er wolle mit Europas höchstem Hotelturm ein "Wahrzeichen für das neuzeitliche Augsburg" schaffen. Das war im Jahr 1969.

    Das Vorbild für den Augsburger Hotelturm steht in Chicago

    Otto Schnitzenbaumer setzte sein Projekt gegen heftigste Widerstände in der Bürgerschaft und bei den Denkmalschützern durch. Er hatte die 1964 vollendeten "Marina Bay Towers" in Chicago vor Augen. Die beiden Hochhäuser mit jeweils 61 Stockwerken waren das architektonische Vorbild für einen Wohnturm im Stadtgarten, einem der sensiblen Standorte in Augsburg. Das Bauvorhaben war mit der 1962 gescheiterten Bebauung des Rathausplatzes vergleichbar. Otto Schnitzenbaumer sah sich herausgefordert, sein Projekt erfolgreich durchzuziehen.

    Vor 50 Jahren hatte der „Maiskolben“ im Stadtgarten diese Höhe erreicht.
    Vor 50 Jahren hatte der „Maiskolben“ im Stadtgarten diese Höhe erreicht. Foto: Morbitzer

    Er beauftragte das Augsburger Architekturbüro Brockel/Müller mit der Planung. Und er bekam tatsächlich die Baugenehmigung. Die Stadt benötigte nämlich dringend ein "Kongresshotel" neben der bereits im Bau befindlichen Kongresshalle. Die Tatsache, dass der Baugrund für das Hotel die grüne Insel Stadtgarten verkleinern und der Turm die Silhouette Augsburgs maßgeblich verändern würde, wurde dabei ignoriert.

    Hotelturm: Die ungewöhnlichste Augsburger Baustelle

    Als am 1. März 1971 das Richtfest für den vom Baukonzern Thosti ausgeführten Objekt gefeiert wurde, war noch wenig Oberirdisches zu sehen. Je weiter der "Turm" die Bäume überragte, desto mehr Fotografen verfolgten sein Wachsen. Es war 1971 Augsburgs interessanteste und ungewöhnlichste Baustelle. Ein großer Kran auf dem Beton-Kernturm mit feuersicherem Treppenhaus und Aufzugschächten überragte die "Waben" aus Fertigteilen, die rundum Stockwerk für Stockwerk angefügt wurden. Die gerundeten Balkone führten bald zur Bezeichnung "Maiskolben".

    Bilder zeigen: So lebt es sich im Augsburger Hotelturm

    Und das kommt dabei raus: der Hotelturm in Augsburg aus der Vogelperspektive.
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    25 Bilder
    Der Hotelturm ist ein Wahrzeichen Augsburgs. Wie es sich in der außergewöhnlichsten Immobilie der Stadt lebt, ist auch in dieser Bildergalerie zu sehen.

    Der in der Baugenehmigung vorgegebene Fertigstellungstermin wurde gehalten: Ab 2. Juli 1972 beherbergte der Hotelbereich im 117 Meter hohen Turm die ersten Gäste. Das Hotel belegt die unteren elf Etagen. Zum Beginn der Olympischen Spiele waren 185 Zimmer, elf Suiten und eine Präsidentensuite fertig. Der Hotel-Konzern Holiday Inn hatte den Betrieb übernommen. Für die Nutzflächen in den Stockwerken über dem Hotel wurde 1972 massiv geworben.

    Am Anfang gab es im Hotelturm ein Panoramarestaurant

    "Wohnen im Park" lautete der Slogan in Prospekten. Von der 12. bis zur 17. Etage gab es 102 eingerichtete Apartments im "Boardinghouse" zu mieten, von der 19. bis zur 33. Etage 195 Atelier- und Apartment-Wohnungen. Eine Aussichtsterrasse im 34. Geschoss erlaubte allen Turm-Besuchern den Rundumblick, im 35. Stockwerk befand sich ein Panorama-Restaurant. Die Gesamtkosten für den "Maiskolben" beliefen sich auf rund 38 Millionen D-Mark. Otto Schnitzenbaumer sah seine Vision verwirklicht.

    Der Hotelturm blieb in den Schlagzeilen - und zwar hauptsächlich negativ. Die Bewunderer waren in der Minderzahl. Bereits im Januar 1974 lautete eine Pressemeldung "Der Turm wird verkauft". Neuer "Turmherr": Hans Glöggler. Er war eine ebenso bekannte Persönlichkeit wie Otto Schnitzenbaumer. Glöggler hatte sich vom Baustoffhändler zum Multiunternehmer und "Textilzar" entwickelt. Er hatte zeitweise über Deutschlands größtes Textil-Imperium das Sagen. Über eine Luxemburger Firma seines Firmengeflechts kaufte Hans Glöggler den Hotelturm für 50 Millionen Mark. Das Adressbuch 1975/76 nennt zwar "Eurotextile S. A. Hans Glöggler" als Besitzer, das entsprach aber nicht den Fakten. Glöggler konnte die Kaufsumme nicht völlig begleichen.

    Im Februar 1976 war der Turm-Erbauer Otto Schnitzenbaumer wieder Eigentümer. Auch die Schnitzenbaumer-Holding war finanziell in Schieflage. Die Folge: Ende 1979 wurde der Turm für 35 Millionen D-Mark zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben. Niemand wollte ihn zu diesem Preis haben. Bei einem erneuten Termin im März 1980 bekam die Hessische Landesbank für 20 Millionen den Zuschlag. Sie hatte mit 33 Millionen D-Mark den Turmbau finanziert. Die Kreditgeberin fand für den gesamten Weiterverkauf keinen Investor. So "zerlegte" sie die Immobilie in 328 Eigentumseinheiten und bot sie einzeln als "Renditeobjekte für Kapitalanleger" an.

    Wie stark der Hotelturm die Silhouette Augsburgs prägt, zeigt sich vom Müllberg aus. Die Kirchtürme erscheinen dagegen wie Miniaturen.
    Wie stark der Hotelturm die Silhouette Augsburgs prägt, zeigt sich vom Müllberg aus. Die Kirchtürme erscheinen dagegen wie Miniaturen. Foto: Franz Häußler

    Im April 1989 kaufte der Schweizer Konzern "Toga Hotels" den Hotelteil. Das "Turm-Hotel" war jedoch nicht erfolgreich. Ab März 1993 standen 303 Hotelbetten leer und ein Konkursverwalter hatte das Sagen. Am 8. Mai 1996 fand sich für den elfstöckigen Hotelbereich ein Interessent. Wolfgang Hertel, laut Pressemeldungen Präsident einer Mineralölgesellschaft in Caracas, gab bei einer Versteigerung mit 20,9 Millionen DM das Höchstgebot ab.

    Eine Sanierung des Hotelturms wurde nötig

    Die Ankündigung lautete: Der Hotelbetrieb wird nach einer Generalsanierung wieder aufgenommen. Es tat sich jedoch jahrelang nichts. Der Verkaufswert der Hotel-Immobilie sank durch den Leerstand. Anfang des Jahres 2000 folgte die Meldung "Hotelkonzern kauft Maiskolben". Für 9,2 Millionen DM habe der Kölner Unternehmer Dr. Herbert Ebertz die unteren elf Stockwerke sowie die beiden obersten Geschosse erworben, erfuhren Zeitungsleser.

    Fakten zum Augsburger Hotelturm

    Der Turm wurde 1971/1972 vom Unternehmer Otto Schnitzenbaumer zu den Olympischen Spielen gebaut.

    Das Hotel pachtete zunächst die internationale Kette Holiday Inn. Es galt als das höchste Holiday Inn der Welt und als höchstes Turmhotel Europas.

    Die Baukosten für den außergewöhnlichen Turm betrugen damals knapp 40 Millionen D-Mark. Der Hotelturm ist eines der zehn höchsten Gebäude in Bayern. Er ist 115 Meter hoch, mit Antenne 158.

    Die Twin Towers in Chicago (USA) galten als Vorlage für den 35-stöckigen Hotelturm. Sie sind 179 Meter hoch, haben jeweils 60 Stockwerke und wurden 1964 fertiggestellt. Auch sie werden „corn cobs“, also Maiskolben, genannt.

    Der Turm hat in seiner 45-jährigen Geschichte häufig die Besitzer gewechselt. 2016 meldete der Immobilienfonds des Dorint Hotels Augsburg Insolvenz an. Daraufhin wurde der Hotel-Teil an das Berliner Unternehmen „Hotels by HR“ verkauft.

    Das Hotel Dorint wird weiter betrieben. Die Appartements in den Etagen 12 bis 33 gehören Privatleuten. (ina)

    Eine aufwendige Sanierung des gesamten "Maiskolbens" folgte. Ein Teil wurde zum Dorint-Hotel. Seit 1. August 2001 bietet es 170 Zimmer und 14 Suiten, Seminar- und Event-Räume, einen Fitness- und Spa-Bereich, Restaurant, Bistro und Bar. Das rundum verglaste 35. Stockwerk wandelte sich 2001 zur Unternehmenszentrale von "Klassikradio". Sie verlässt nach 20 Jahren die Büros mit exzellenter Fernsicht und übersiedelt ins Stadtzentrum, ins einstige Stadtarchiv am Stadtmarkt. Und nun soll der mit einer 40-Meter-Antennenanlage 167 Meter hohe "Maiskolben" einen kleineren Bruder mit bis zu 60 Metern Höhe in ähnlicher Architektur bekommen.

    Schauen Sie sich dazu auch unsere vierteilige Video-Serie zum 50. Geburtstag des Hotelturms an. Folge 1 der Serie über den Augsburger Hotelturm sehen Sie hier.

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