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Augsburg: Neuer Carsharing-Anbieter startet in Augsburg – ohne feste Standorte

Augsburg

Neuer Carsharing-Anbieter startet in Augsburg – ohne feste Standorte

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    Der Carsharing-Anbieter Miles wird ab Ende April in Augsburg mit rund 100 Fahrzeugen an den Start gehen.
    Der Carsharing-Anbieter Miles wird ab Ende April in Augsburg mit rund 100 Fahrzeugen an den Start gehen. Foto: Miles

    Das Berliner Carsharing-Unternehmen Miles wird ab Ende April in Augsburg mit einem Angebot von 100 Autos starten. Anders als die Stadtwerke, die um die 300 großteils stationsgebundene Autos zur Nutzung anbieten, setzt Miles komplett auf ein sogenanntes Free-Floating-Modell in einem erweiterten Innenstadtbereich. Das bedeutet, dass die Autos nach der Nutzung an beliebiger Stelle am Straßenrand abgestellt werden können und dort vom nächsten Nutzer via App gefunden werden. Feste Ausleihstationen gibt es nicht. Bei der Entscheidung für Augsburg hätten die "politischen Rahmenbedingungen und die Offenheit der Stadt" eine Rolle gespielt, so Oliver Mackprang, Geschäftsführer von Miles. 

    Carsharing-Autos parken gratis in der Augsburger Innenstadt

    Die Stadt hatte wie berichtet Anfang 2023 das Parken für Carsharing-Autos auf gebührenpflichtigen öffentlichen Stellplätzen am Straßenrand gratis gemacht. Auf diese Weise wollte die Stadt die Carsharing-Nutzung attraktiver machen. Damit wurden faktisch die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Free-Floating-Flotten nach Augsburg kommen. Das Gebiet, in dem die Miles-Autos abgestellt werden können, erstreckt sich zwischen dem Lech im Osten und B17 bzw. Wertach im Westen. Eine Vergrößerung des Gebiets sei denkbar, so Miles. Auch die demografischen Kennzahlen hätten für Augsburg als zehntem deutschen Standort gesprochen. 

    Das stationsunabhängige Carsharing weist in Deutschland – befeuert auch durch Offensiven von Autoherstellern – seit etwa zehn Jahren steile Wachstumsraten auf. Inzwischen dominiert das Free-Floating-Modell deutschlandweit den Markt. Für Nutzer ist dieses Modell komfortabler, weil das nächste Auto im Idealfall gleich um die Ecke steht und Anfangs- und Zielpunkt nicht zwingend identisch sein müssen. Miles bietet etwa auch an, dass man in andere Städte mit Miles-Angebot fahren kann und das Auto dort stehen lassen kann, ebenso zum Münchner Flughafen.

    Allerdings sind fixe Reservierungen beim Free-Floating nicht möglich. Gleichzeitig ist ein Kritikpunkt, dass bei diesem Modell der Gedanke, ein Auto zu teilen, in den Hintergrund tritt. Studien legen nahe, dass der Umweltnutzen durch das stationsbasierte Carsharing größer ist, wobei auch Free-Floating-Modelle zu weniger Fahrten und zum Verzicht auf ein eigenes Auto führen. Miles argumentiert zudem, dass Free Floating für bestimmte Zielgruppen der Einstieg sei, sich überhaupt mit dem Thema Carsharing zu beschäftigen.

    Bei den Augsburger Stadtwerken, die bislang noch der Platzhirsch beim Carsharing sind, sieht man den Einstieg von Miles gelassen. Das SWA-Carsharing sei eine Ergänzung zum Nahverkehrsangebot, weshalb man grundsätzlich beim stationsbasierten Modell (insgesamt gibt es 115 Standorte) bleiben werde, so Sprecher Jürgen Fergg. Aktuell sind 8700 Nutzer und Nutzerinnen bei den Stadtwerken registriert. Ein kleines Segment des Fahrzeugparks steht auch bei den Stadtwerken in der erweiterten Innenstadt nach dem Free-Floating-Modell zur Verfügung. Die Zahl dieser Fahrzeuge soll, nachdem die Stadt das Parken gratis gemacht hat, von 13 auf etwa 30 steigen. Grund dafür sei das Deutschlandticket, so Fergg. Zusammen mit einem komfortablen Free-Floating-Carsharing hoffe man so, mehr Kunden den Verzicht aufs eigene Auto schmackhaft zu machen. Bisher haben die Stadtwerke rund 9000 Deutschlandtickets verkauft. Von den 5000 online eingegangenen Bestellungen kommen 1000 von Neukunden, die bisher kein Abo hatten und wohl Einzelfahrscheine nutzten. Für die Papier-Bestellungen gibt es noch keine Auswertung. Das 49-Euro-Ticket wird ab 1. Mai gültig sein.

    Augsburg liegt beim Carsharing-Anteil im Mittelfeld

    In Augsburg ist das Carsharing im Städtevergleich mittelmäßig entwickelt. Bei einer Untersuchung der TU Dresden zum Mobilitätsverhalten von Bewohnern in deutschen Städten gaben im Jahr 2018 94 Prozent der befragten Augsburger an, Carsharing nie zu nutzen. Am verbreitetsten ist Carsharing in Karlsruhe (Anteil der Nie-Nutzer 80 Prozent), viele andere Vergleichsstädte wie Rostock oder Kiel schnitten ähnliche wie Augsburg ab. Vermutlich dürfte der Anteil der Carsharing-Nutzer bei der in diesem Jahr fortgesetzten Umfrage höher liegen.

    Das kostet Carsharing bei Anbietern in Augsburg

    Miles (verfügbar ab 27. April, buchbar ab 20. April mit Anfangsrabatt): Entsperrgebühr ein Euro je Fahrt, dann 98 Cent/Kilometer, zwischenparken 29 Cent/Minute; alternativ kann man auch einen Stundentarif ab 34 Euro für drei Stunden oder ab 45 Euro für einen Tag wählen.

    Stadtwerke: Hier gibt es mehrere Tarifmodelle. Für Wenigfahrer rechnet sich das Einsteigermodell. Einmalige Aufnahmegebühr 29 Euro. Dann gilt eine Kombi aus Zeit- und Kilometerpreis. Der Zeitpreis für einen Kleinwagen liegt bei 3,40 Euro/Stunde zuzüglich 33 Cent Kilometerpreis. 

    BeiAnrufAuto: Der Verein war 2001 Pionier beim Carsharing in Augsburg und arbeitet mit dem bundesweiten Anbieter Flinkster zusammen. Einmalige Aufnahmegebühr 20 Euro, monatlich zwei Euro Mitgliedsbeitrag zuzüglich sechs Euro Bereitstellungsgebühr bei Fahrzeugnutzung. Zeittarif für einen Kleinwagen tagsüber 1,60 Euro/Stunde zuzüglich 23 Cent Kilometertarif.

    Ein Ziel von Carsharing soll sein, die Zahl der (Zweit-)Autos zu reduzieren. Auch die Stadt Augsburg setzt gewisse Hoffnungen in das Modell bei der Planung neuer Wohngebiete. So ist dort denkbar, die Zahl der Auto-Stellplätze in Tiefgaragen zu reduzieren, wenn es eine gute Nahverkehrsanbindung gibt und zudem Car-sharing-Angebote vor Ort angeboten werden. Sharing-Modelle würden völlig anders genutzt werden, wenn man einfach nur in die Tiefgarage gehen müsse und dort eine Palette von Autos vom Kleinwagen bis zum Kleinbus vorfinde, so Baureferent Gerd Merkle (CSU) zuletzt in der Diskussion um die Bebauung auf dem Obi-Areal neben dem Fabrikschloss. Dort will die Stadt ein neues Konzept mit weniger Stellplätzen erproben.

    Zahl der zugelassenen Pkw stieg 2022 minimal an

    Die Zahl der zugelassenen Pkw in Augsburg stieg im vergangenen Jahr nur noch minimal an. Ob das an den Bemühungen für eine Mobilitätswende liegt oder die Gründe angesichts der Inflation eher im Geldbeutel der Verbraucher zu suchen sind, ist offen. Das Kraftfahrtbundesamt veröffentlichte am Dienstag die aktuellen Zulassungszahlen. Demnach gab es in Augsburg am 1. Januar dieses Jahres 140.537 Pkw. Das sind 102 mehr als im Vorjahr. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren gab es in Augsburg um die 123.000 Pkw, was mit einer jährlichen Steigerung von mehr als 2000 Autos einherging. Die Pkw-Dichte pro 1000 Einwohner sank 2023 im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht (von 475 auf 474). Dies dürfte aber vor allem daran liegen, dass die Bevölkerung im vergangenen Jahr zunahm und sich das Wachstum zum Teil aus (Kriegs-)Flüchtlingen speiste, die kein Auto zur Verfügung haben. 

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