Rebecca Comes und Waldemar Stimke tragen leichte Kleidung und es hat um die 20 Grad, als sie im Hof des Zeughauses für ein Foto Modell stehen. Von weihnachtlicher Stimmung keine Spur. Und dennoch kreisen die Gedanken der beiden bereits um die winterlichen Festtage. Denn Comes und Stimke bilden den neuen Vorstand des Vereins zur Förderung von Kunst, Spiel und Handwerk, der seit mehr als 40 Jahren die Weihnachtsinsel am Zeughaus organisiert. Für sie geht es bereits jetzt darum, Aussteller zu gewinnen und das beliebte Kulturprogramm auf die Beine zu stellen. Denn ein Weihnachtsmarkt sei per se kein Selbstläufer. Im Gegenteil: Es stecke viel Arbeit dahinter, vor allem nach Corona. Dazu soll die Weihnachtsinsel neuen Schwung bekommen, denn in den vergangenen Jahren hatte der kleine Markt einige Probleme.
Comes und Stimke haben zum Termin auch Anton Huber mitgebracht. Er ist seit vielen Jahren Mitglied im Verein, der die Weihnachtsinsel organisiert, und selbst Aussteller. Er unterstützt den Vorstand mit Ideen und nennt ein Problem: Um rund ein Drittel sei die Zahl der Mitwirkenden bei der Weihnachtsinsel und auch vielen anderen Kunsthandwerker-Märkten seit der Pandemie zurückgegangen. "Manche Kolleginnen und Kollegen haben den Moment genutzt und sind in Rente gegangen, andere aus finanziellen Gründen zurück in ihren eigentlichen Beruf", erzählt er.
Es sei seither schwierig, neue Künstlerinnen und Kunsthandwerker für die Märkte zu gewinnen. Das sieht auch Rebecca Comes so. "Gerade der erste Schritt auf einen Markt fällt manchen nicht leicht. Ich kann das aus eigener Erfahrung nachvollziehen", sagt sie. Die Standmiete sei oft das kleinere Problem. Man brauche ein gewisses Equipment und müsse sich für die Dauer der Märkte neu organisieren. Man freue sich daher immer über neue Bewerberinnen und Bewerber, die das Angebot für die Besucherinnen und Besucher bereichern und damit den Markt attraktiv halten.
Neuer Vorstand will der Weihnachtsinsel neuen Schwung verleihen
Obwohl es bis Weihnachten noch mehr als sieben Monate sind, müsse daher schon jetzt mit der Akquise der Aussteller begonnen werden, so Waldemar Stimke. "Sonst bewerben die sich anderswo." Auf der Weihnachtsinsel stellen ausschließlich selbst-produzierende Kunsthandwerker aus, die mit ihrer Qualität den Vorstand überzeugen müssen. Schließlich sei es Aufgabe des organisierenden Vereins, hochwertiges Handwerk zu fördern.
Der neue Vorstand wolle daran nicht rütteln, sondern am Kern des Marktes festhalten. Gleichzeitig sei es ein Ziel, der Weihnachtsinsel an manchen Stellen neuen Schwung zu verleihen. "Wir wollen die Buden anders anordnen und werden auch beim Kulturprogramm einige Überraschungen bieten", so Stimke. Dazu wolle man versuchen, neue Produkte zu präsentieren und sich neuen Gruppen an Ausstellern und Besuchern zu öffnen. "Warum nicht auch die queere Szene stärker einbinden", so Stimke. Am Ende wolle man erreichen, dass die Menschen zum Markt kommen und einen "Aho"-Effekt gleich zu Beginn haben.
Mit Comes und Stimke haben zwei Neue die Führung im Verein übernommen, nachdem der alte Vorstand aus unterschiedlichen Gründen sein Engagement nicht verlängern wollte oder konnte. Ihnen war es in Anliegen, die Weihnachtsinsel am Leben zu erhalten. "Ganz pragmatisch gesagt ist die Weihnachtsinsel für mich eine Haupteinnahmequelle, weswegen es mir wichtig war, dass sie weiter besteht", so Comes. Es erfülle sie aber auch, sich sozial zu engagieren und neue Ideen einzubringen. "Ich mag zudem Märkte mit einem besonderen Charme, die Werte vermitteln und bei denen nicht nur der Kommerz im Vordergrund steht." Nach den ersten beiden Monaten im Amt sei sie positiv gestimmt, dass die Weihnachtsinsel 2024 für Aussteller wie Besucher wieder ein ganz besonderer Ort sein wird.