Genau 29 Tage seien es noch, ruft Florian Freund den Gästen des Neujahrsempfangs der Augsburger SPD zu. 29 Tage, in denen es gelte, die Augsburger davon zu überzeugen, dass die SPD die Partei ist, die für Augsburg Verantwortung übernehmen will. Die den Stillstand beenden und anpacken wird. Vier Wochen, um den Bauplan an die Menschen zu bringen. Den Bauplan, den der Oberbürgermeisterkandidat der SPD und sein Team aufgestellt haben, um dem Augsburger Haus wieder Stabilität zu verleihen.
Denn dieses Haus, in dem alle Augsburger gemeinsam wohnen, das sie schützen und tragen soll, das habe in den vergangenen Jahren Risse bekommen. Ein Haus, das sei eben nicht nur eine schöne Fassade, die im Instagram-Feed oder auf Immobilienportalen glänzt. Es gehe um das Fundament, die Substanz. Im Augsburger Haus bröckle im Keller der Putz. „An manchen Stellen regnet es rein.“ Florian Freund spricht vom Theaterbaustellendesaster, Poller- und Perlachpeinlichkeiten, stinkenden Schultoiletten, der Freilichtbühne. Dem Stillstand dort, wo Aufbruch sein müsste. Wenn er das anspreche, heiße es aus der Stadtregierung gerne, er rede die Stadt schlecht. „Aber das ist falsch. Das ist, als stünde man vor einem Haus mit Rissen in der Wand und einem undichten Dach und würde demjenigen, der darauf hinweist, vorwerfen, er mache das Haus kaputt.“ Das Augsburger Haus werde nicht durch Kritik beschädigt, sondern weil man viele Dinge zu lange ignoriert habe.
Freund verspricht Fünf-Minuten-Takt und Fuggerboulevard
In den kommenden sechs Jahren wolle er deshalb wieder am Fundament des Augsburger Hauses arbeiten, sagt Freund. Und stellt dabei drei Begriffe ins Zentrum: Ordnung, Sicherheit und Zukunft. Begriffe, die mancher nicht von einem SPD-Politiker erwarten würde, sagt der Mann, der Eva Weber als Oberbürgermeister ablösen will. Die oft von politischen Kräften gebraucht würden, die Populismus betreiben. Doch mit Ordnung meine er, dass der Alltag in Augsburg wieder funktionieren müsse, unter Sicherheit versteht Freund soziale Sicherheit beim Wohnen, aber auch politische Sicherheit und eine klare Kante gegen Rechts. Und Zukunft, da ginge es darum, den Mut zu haben, Entscheidungen zu treffen, die das Leben der Menschen verbessern.
Während der promovierte Volkswirt beim Neujahrsempfang 2025 noch vornehmlich scharfe Attacken gegen die schwarz-grüne Rathauskoalition fuhr, agiert er diesmal zurückhaltender und skizziert vier Wochen vor der Kommunalwahl lieber, was sich mit ihm als Oberbürgermeister ändern wird. Er verspricht, die Schultoiletten bis 2032 in einen ordentlichen Zustand zu bringen, den Fünf-Minuten-Takt im ÖPNV wieder einzuführen, die Wirtschaft wieder zur Chefsache zu machen, den Umbau der Fuggerstraße zur Fuggerpromenade endlich anzugehen. „Die neue Realschule wird als Interim in drei Jahren errichtet. Und parallel planen und bauen wir die Realschule Lechhausen. Nicht irgendwann. Jetzt.“
Florian Freund: Augsburg hat sechs verlorene Jahre hinter sich
Im abschließenden Gespräch mit Uli Bachmeier, langjähriger Landtagskorrespondent unserer Zeitung, und Prof. Julian Nida-Rümelin, der beim Neujahrsempfang einen kenntnisreichen, wenn auch ernüchternden Blick auf die aktuelle Weltpolitik geworfen hatte, sagt Freund, er unterstelle allen demokratischen Parteien, dass sie das Beste für Augsburg wollten. Dennoch seien die vergangenen sechs Jahre für die Stadt verlorene Jahre gewesen. Dass die SPD, wie Bachmeier anmerkt, 2020 viele Wähler an die Grünen verloren hatte, das habe er „vergessen“, sagt Freund. Stattdessen wolle man in die Zukunft schauen. Auf den 8. März. Bei Kommunalwahlen, da gehe es immer stark um Persönlichkeiten. Und Florian Freund, so hatte es Dirk Wurm zu Beginn gesagt, das sei genau der richtige Mann, um die Probleme der Stadt anzupacken.
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