Vielstimmig tönt es aus dem Veranstaltungsraum der Bäko in Haunstetten. Jede Woche treffen sich dort Männer und Frauen, um gemeinsam zu singen. Diesmal erscheinen die rund 30 Sängerinnen und Sänger besonders schick: Die Damen tragen weiße Blusen mit roten Schals, die Herren schwarze Hemden mit roter Fliege. So wollen sie sich zum 125. Jubiläum präsentieren. An diesem Abend sind alle gekommen, denn es gibt viel zu tun. Am 19. April steht eine große Feier in Augsburg an. Sie ehrt einen Augsburger Chor, der in Bayern so fast einzigartig ist.
Der Augsburger Bäckerchor singt zum Jubiläum im Dom bei einer Festmesse. Die Vorfreude ist jedenfalls riesig. Zu Gast sind dann auch der Chor der Bamberger Bäcker und die Augsburger Sängerfreunde, die gemeinsam mit der Sängergesellschaft Lyra Augsburg zu einem gemeinsamen Konzert zusammentreffen.
Gegründet wurde der Augsburger Chor im Jahr 1901 als „Bäckermeister-Gesangsverein Augsburg“. Acht Bäckermeister legten damals den Grundstein. „Das waren noch andere Zeiten“, sagt Präsident Hansjörg Knoll. Anfangs durften nur Meister mitsingen. Doch das änderte sich im Laufe der Jahre. Schon in den 1930er Jahren wurden Gesellen aufgenommen. Seit dem Jahr 1968 sind auch Frauen Teil des Chores. Zunächst waren es Angehörige und Mitarbeiterinnen aus den Betrieben. „Das gab neuen Schwung“, erinnert sich Knoll. „Hier haben sich viele kennengelernt, auch ich und meine Frau.“ Heute ist eine Berufstätigkeit im Bäckerhandwerk nicht zwingend. Es gilt mit Augenzwinkern die einfache Regel: „Wer eine gute Breze essen kann, darf mitsingen.“
Der Augsburger Bäcker-Chor hat einige Auftritte
Neue Mitglieder sind immer willkommen. Tanja Botzenhardt kam erst im September 2025 dazu. „Ich habe es einfach probiert“, erzählt sie. „Und ich durfte bleiben.“ Besonders gefallen ihr die Proben und das gemeinsame Ziel. Sein Jahresprogramm gibt dem Chor Struktur. Dazu gehört ein Auftritt bei der Bruderschaft St. Anna des Bäckerhandwerks im Dom, Konzerte im Rokokosaal und im Hofgarten sowie Veranstaltungen der Bäko Schwaben und des Landesinnungsverbandes.
Auch Advents- und Weihnachtsveranstaltungen sind immer dabei. „Weihnachtslieder machen uns viel Spaß“, sagt Knoll. Neben der Musik zählt vor allem die Gemeinschaft. Der Chor unternimmt Ausflüge und pflegt Kontakte zu anderen Ensembles. „Man lernt auch besser zu sprechen und sich deutlich zu artikulieren“, erklärt Knoll.
Der Augsburger Bäckerchor ist eine Besonderheit
Der Bäckerchor ist heute eine Besonderheit in Augsburg. Viele Berufsstände hatten früher eigene Chöre. Gab es vor Jahren noch Chöre der Polizei, der Feuerwehr, der Friseure und der Metzger, so sind diese inzwischen verschwunden. Und bayernweit ist nur noch der Bäckerchor Bamberg aktiv, ein reiner Männerchor, der noch zusammenhält. Umso wichtiger sei es für die Augsburger, ihre Tradition zu erhalten.
Seit Herbst 2025 leitet Felix Schneider den Chor. Der angehende Kirchenmusiker, ein ehemaliger Augsburger Domsingknabe, bringt frische Impulse. „Die Proben machen mir große Freude“, sagt er. „Alle sind engagiert und wollen gute Musik machen.“ Wie herzlich es im Chor zugeht, zeigt sich am Ende der Probe. Edeltraut Häusler hat Geburtstag. Natürlich gibt es ein Ständchen und ein kleines Geschenk. Ein Moment, der zeigt: Hier zählt nicht nur die Musik, sondern auch das Miteinander.
Das Jubiläumsprogramm am 19. April: 11.30 Uhr Messe im Dom Augsburg; 14 bis 17 Uhr Konzert mit Bamberger Bäckerchor und den Augsburger Sängerfreunde e.V. sowie der Sängergesellschaft Lyra Augsburg
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