Semra und Mehmet Özdemir kennen noch die goldenen Zeiten des Schwabencenters. Vor rund 30 Jahren haben sie sich eine Wohnung dort gekauft. Damals war Wohnraum in den 70er-Jahre-Bauten gefragt. Im Erdgeschoss gab es zahllose Geschäfte des täglichen Bedarfs, Supermarkt, Bäckerei, Sparkasse. Heute ist nichts geblieben. „Wir sind traurig, dass die Situation seit zehn Jahren unverändert ist“, sagen sie. Mit Blick auf die Kommunalwahl haben sie einen Wunsch: das Schwabencenter wiederbeleben. Es ist das zentrale Thema dieses Tages. Ideen gäbe es genug.
Auch Adevija Rudolph belastet das leerstehende Schwabencenter. Im Mai hat mit der Don-Bosco-Apotheke das letzte Geschäft dichtgemacht. Glücklich sei sie in ihrem Stadtteil nicht mehr. „Hier gibt‘s kein Café, kein Restaurant, keine Apotheke, keine Post, überhaupt nichts, gar nichts. Und das ist traurig.“ Die Rentnerin ist 77 Jahre alt und muss für den Einkauf im Supermarkt ein gutes Stück gehen. Sie sei noch gut zu Fuß, für ältere Menschen sei es viel schwieriger. Hoffnung auf Veränderung durch die Kommunalwahl hat Rudolph nicht. „Ehrlich gesagt, die Politiker reden ja viel zu viel. Nach der Wahl machen die gar nichts.“
Bewohner in Augsburg-Herrenbach erfreut sich am Kuhsee und dem Siebentischwald
Ganz so negativ blickt Julius Alpmann nicht auf den Herrenbach – er lebt aber auch nicht im Schwabencenter. „Im Sommer ist es einfach wunderschön, man kann baden gehen, der Kuhsee ist in der Nähe.“ Im Siebentischwald gehe er abends spazieren, um runterzukommen, wie er sagt. Verbesserungspotenzial sieht der 22-Jährige bei den „Industrieruinen“ im Stadtteil. Alpmann meint damit die ungenutzten Parkplätze am Schwabencenter, auch beim ehemaligen Obi in der Reichenberger Straße sehe es verwahrlost aus. „Das muss doch nicht sein, hier könnten doch Wohnungen entstehen“, sagt er. Von der neuen Stadtregierung erhofft sich der Student trotz schwieriger finanzieller Lage mehr Investitionen in die Infrastruktur.
Wahlprojekt „Dein Augsburg. Deine Stimme.“
Im Vorfeld der Kommunalwahl möchten wir wissen, was die Augsburgerinnen und Augsburger bewegt. Mit einem Transporter, der zu einem Drehstudio umfunktioniert wurde, sind wir in sieben Stadtteile gefahren, um mit den Menschen vor Ort zu sprechen. Alle Videos und Texte zum Wahlprojekt „Dein Augsburg. Deine Stimme“ gibt es auf dieser Übersichtsseite. Dort veröffentlichen wir bis zur Kommunalwahl in unregelmäßigen Abständen die Inhalte aller Standorte.
Ein Projekt von Manuel Andre, Bianca Dimarsico, Jonas Klimm und Fabian Kluge.
Hayri Kilic wohnt seit mehr als 30 Jahren im Herrenbach. Er bedauert die Menschen, die im Schwabencenter leben. Kilic macht die Situation im Herrenbach unglücklich. Er wünscht sich, dass die Kommunalpolitik etwas für ältere Leute unternimmt, vor allem Wohnraum schafft. Die Renovierung des Schwabencenters liegt ihm besonders am Herzen. „Es sollen wieder Geschäfte rein kommen, dass ältere Menschen hier einkaufen gehen können.“ Es soll wieder so sein wie früher, sagt Kilic. „Die Politiker wissen schon, was hier nötig ist und was die Leute brauchen.“
Ruinöses Schwabencenter ist das alles beherrschende Thema im Herrenbach
Dass nicht alle Gedanken im Herrenbach jederzeit um die Zukunft des Schwabencenters kreisen, zeigt Dieter Seidelmann. Als E-Auto-Fahrer wünscht er sich mehr Möglichkeiten, sein Auto laden zu können. Konkret würde er sich die Prüfung von Lademöglichkeiten wünschen, die im Bordstein integriert sind. Doch dann landet man doch wieder beim Schwabencenter. Mehr Einkaufsmöglichkeiten wären wichtig, im Schwabencenter sei nicht mal mehr eine Beleuchtung drin. „Es tut sich nichts. Man verliert den Glauben an Politiker, dass hier mal wieder etwas voranginge.“ Seidelmann hofft auf einen Regierungswechsel nach der Kommunalwahl. „Schwarz-Grün hat nicht viel zu Wege gebracht.“
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren