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In Augsburg werden beim Schafkopfclub Augsburg die Karten jeden Freitag neu gemischt

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„Der Alte gibt die letzte Runde“: Für diese Schafkopfrunde kommen die Menschen bis aus Rosenheim

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    Markus Bayerbach, Yervant Sarioglu, Stefan Baumann  und Wilhelm Weidhüner (von links) führen den Schafkopfclub Augsburg.
    Markus Bayerbach, Yervant Sarioglu, Stefan Baumann und Wilhelm Weidhüner (von links) führen den Schafkopfclub Augsburg. Foto: Peter Fastl

    „Jetzt brauch ich nur noch einen Bauernhof, den Mist hab ich schon.“ Klingt vielleicht komisch. „Beim Wenz spielt man Ässe oder man hält die Fresse.“ Auch so ein Spruch. Der nächste lautet: „Wer mit da Oidn spuit, hat scho vaspuid.“ Schafkopf ist nicht totzukriegen. Das Kartenspiel ist beliebt. Man trifft sich gerne im Gasthaus. Weil allerdings Kneipen und Wirtshäuser schlossen, ist das Spiel etwas in den Hintergrund geraten. Aber dennoch hat das Kartenspiel noch viele Fans. So in Kriegshaber. Ein Besuch.

    In Kriegshaber trifft sich der Schafkopfclub Augsburg jeden Freitag in der Gaststätte des TSV Kriegshaber um 17 Uhr zu einem Turnier. Vorher sitzen Spielerinnen und Spieler schon zusammen, um sich warm zu spielen. Erich Engel ist einer von zwei Ehrenvorsitzender. Der 81-Jährige spielt seit seinem 15. Lebensjahr. „Für mich ist das auch Gedächtnistraining, man kann viel kommunizieren und lernt andere Menschen kennen“, sagt er.

    Elf Viererpartien sitzen an diesem Freitag an den Tischen. Manchmal auch mehr. „Wir haben auch Leute, die aus München und sogar bis von Rosenheim kommen. Allerdings fehlen die momentan wegen der hohen Spritpreise“, sagt Vorsitzender Markus Bayerbach. „Meine Mutter hat Schafkopfen in der Volkshochschule gelernt“, sagt Bayerbach lachend. Er sagt aber auch klar, das der Schafkopfclub einen Auftrag hat: „Schafkopfen ist bayerisches Brauchtum. Das muss bewahrt bleiben.“

    An diesem Abend sitzen sieben Frauen mit am Tisch

    An diesem Abend sind sieben Frauen mit an den Spieltischen. „Weiter“, zuckt Heidi Schikorra mit den Schultern und ärgert sich ein bisschen. „Ich bin gesperrt und zu einem Solo reicht`s nicht.“ Mit ihr am Tisch sitzt der zweite Ehrenvorsitzende Heinrich Rieder. Mit 84 Jahren ist er der älteste aktive Spieler. „Jetzt spiele ich schon seit 70 Jahren, aber einen Sie hatte ich noch nie.“ Der Sie (vier Ober und vier Unter) ist das größte Glück eines Schafkopfers. 14 Jahre war Rieder Vorstand beim Schafkopfclub. „Das war in den 1990iger Jahren. Da hatten wir noch 120 Mitglieder.“ Mit derzeit 64 Mitglieder hat sich die Zahl fast halbiert. „Wir hatten leider vor kurzer Zeit drei Todesfälle zu beklagen“, so Bayerbach. 

    Junge Menschen spielen Schafkopf bei Internetplattform

    Schriftführer Willy Weidhüner sieht einen Trend, dass immer mehr Jugendliche sich für Schafkopf interessieren. „Im Internet gibt es die Plattform Sauspiel.de, das ist bei vielen der Einstieg. Aber beim Schafkopfen gehören die Mimik und die Sprüche dazu, und das bekommen dann schon etliche mit und bilden Gemeinschaften“, freut er sich. Er erzählt stolz, dass es eine Schafkopf-Bayernliga gibt, wo auch der SC Augsburg beteiligt ist: „Da sind 27 Mannschaften am Start. Kürzlich hatten wir den zweiten Spieltag und sind jetzt auf Platz eins. Von März bis Oktober sind es acht Spieltage.“ Weidhüner grinst: „Wir nennen uns Legion Augusta, das hat aber nichts mit dem gleichnamigen FCA-Fanclub zu tun.“

    Ehrenmitglieder Karl-Heinz Rieder (links) und Erich Engel hoffen jedes Mal auf ein gutes Blatt.
    Ehrenmitglieder Karl-Heinz Rieder (links) und Erich Engel hoffen jedes Mal auf ein gutes Blatt. Foto: Peter Fastl

    Der 69-jährige Yervant Savioglu kam als Siebenjähriger mit seinen Eltern aus Istanbul nach Augsburg. Im Amateurfußball kennt man ihn als Schiedsrichter. In früheren Jahren hat er Spiele von der C-Klasse bis zur Bezirksoberliga geleitet. Außerdem war er am Sportgericht tätig. Seine ewige Liebe zum Schafkopfen hat ihn im Jahr 2017 zum Schafkopfclub geführt. Als Kassierer und 2. Vorstand ist er nahezu unentbehrlich. „Mit 16 Jahren habe ich angefangen und das Spiel hat mich nie losgelassen“, gibt er zu.

    Gespielt wird im Sportheim des TSV Kriegshaber

    Mit der Location im Sportheim des TSV Kriegshaber ist er sehr zufrieden. „Durch den großen Parkplatz haben wir immer etwas Zulauf und das Essen ist hier auch noch günstig.“ Manchmal wünscht er sich nur etwas mehr Platz. „Wir haben 15 Tische, dann ist aber Feierabend. Also wir sind etwas eingeschränkt.“ An den Tischen wird gelacht und gefrozzelt. Wütende Streitgespräche, die man früher aus Kneipen oder Wirtschaften lautstark wahrnahm, bleiben hier aus. „Klar, früher hatten wir schon einige Querulanten in den Reihen, aber die haben wir mit der Zeit alle aussortiert“, verrät Weidhüner. 

    Derweil spielt Heidi Schikorra, die mit Stefan Baumann, Siegfried Wunderle und Heinrich Rieder am Tisch sitzt, einen Wenz. Trotz drei Unter ein etwas riskantes Spiel. Am Ende kassiert sie ihre drei Mitspieler ab: „Das war knapp.“ Dann ist das Warmspielen beendet. Die Kartler sind gerüstet für das Turnier. Es wird nicht mehr um Geld, sondern um Punkte gespielt. Die „Alte“ wird an diesem Abend öfter gerufen. Um Mitternacht ist der Abend beendet oder wie man vorher ankündigt: „Der Alte gibt die letzte Runde.“ Das ist der Spieler, der zuletzt den Eichel-Ober im Rufspiel hat. 

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