Ende August wird Karstadt Augsburg verlassen. Die Immobilie in der Bürgermeister-Fischer-Straße steht dann erst einmal leer. Ideen für eine langfristige Nachnutzung gibt es viele und von unterschiedlichen Protagonisten. Doch was plant der Vermieter für die Übergangsphase und welche Ideen, die sich Bürger, Vereine oder Parteien wünschen, lassen sich überhaupt sinnvoll im Haus umsetzen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
Wie geht es vorerst weiter, wenn Karstadt ausgezogen ist?
Ende August muss der Warenhauskonzern die Immobilie an den Vermieter, den Augsburger Projektentwickler Solidas, zurückgeben. In welchem Zustand das geschehen wird, könne man erst prüfen, wenn es so weit ist, sagt Solidas-Prokurist Daniel Utz. Schon jetzt seien Mängel der Haustechnik, die bislang im Verantwortungsbereich von Galeria Karstadt Kaufhof lag, bekannt. Darunter eine defekte Rolltreppe ins Untergeschoss, wo Aldi sitzt. Aber auch die Lüftungsanlage und andere Punkte müssten in Augenschein genommen werden. Unter anderem davon hingen weitere Planungen ab. Parallel werde versucht, Untermieter wie einen Optiker und ein Reisebüro zu halten, neue Mieter zu gewinnen und vor allem Zwischennutzungen zu ermöglichen. Auch Ausstellungen seien hier denkbar. Man stehe im Austausch mit der Wirtschaftsförderung der Stadt. „Leerstand ist keine Alternative“, sagt Utz.
Bleibt Aldi und welche Übergangslösungen soll es womöglich geben?
Sicher ist noch nichts. Aber: „Seitens Aldi besteht ernsthaftes Interesse zu bleiben, die Verhandlungen laufen“, so Utz. Für den Fall des Verbleibs würden die beiden bisherigen Karstadt-Eingänge im Erdgeschoss - von der Bürgermeister-Fischer-Straße und vom Martin-Luther-Platz aus - geöffnet und die Zugänge zu Aldi im Untergeschoss mit „optisch ansprechenden Trennwänden“ gestaltet.
Was plant der Immobilienbesitzer für die Zukunft?
Solidas wird das Gebäude aufteilen. Sowohl im Unter- als auch im Erdgeschoss und im ersten Stock soll wieder Einzelhandel angesiedelt werden. Für die Etagen zwei bis vier sammle man derzeit Ideen und prüfe diese auf ihre Machbarkeit. Für die Einzelhandelsflächen suche man nicht nur Anbieter aus dem Textilbereich, auch ein Elektronikmarkt wäre denkbar. Ausgeschlossen seien dagegen beispielsweise ein Casino oder auch große Markthallen, die in Konkurrenz zum Stadtmarkt treten könnten. Die Wunschvorstellung wäre, ein oder zwei große Mieter zu finden, um die kleinere Einheiten platziert werden. „Wir haben aktuell Kontakt zu vielen Filialisten und möglichen Interessenten“, so Utz. Dazu seien verschiedene Varianten einer Raumaufteilung des Gebäudes durchdacht worden. Welche davon zum Zug kommt, hänge davon ab, welche neuen Mieter gefunden werden und welche Platzbedarfe und Ansprüche diese an die Flächen haben.
Welchen Zeitplan setzt sich Solidas für die Wiederbelebung der Einzelhandelsflächen?
Mit einem Zeitplan tut sich Solidas schwer. Noch seien zu viele Aspekte ungewiss. Aber: „Ich will in einem Jahr neue Mietverträge geschlossen haben“, nennt Utz ein Ziel. Dann hänge es davon ab, ob neue Mieter ihren Standort innerhalb Augsburgs nur ins Karstadtgebäude verlagern oder sich komplett neu ansiedeln. „Bei einer Verlagerung kann es unter Umständen länger dauern, bis der Mieter kommt. Er muss womöglich noch einen bestehenden Mietvertrag andernorts erfüllen“, erklärt Utz. Einen Umbau des Gebäudes setzt er mit mindestens zwei Jahren an - je nach Aufwand und Bedürfnissen. Auch die Nachnutzung der oberen Etagen spiele hier mit hinein.
Was passiert mit den Stockwerken zwei bis vier?
Die Ideen von Bürgern, Vereinen, Parteien oder Verbänden für die Nachnutzung der oberen Etagen reichen vom Römischen Museum über eine Bibliothek als Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger bis zum Indoorspielplatz oder Flächen für Start-ups. Zuletzt wurden immer wieder Beispiele erfolgreicher Nachnutzungen ehemaliger Warenhäuser in anderen Städten bemüht. Architekten und Stadtplaner warnen jedoch davor, diese als Allheilmittel zu sehen. „Was anderswo gut funktioniert, muss nicht auch zu Augsburg passen“, so Stefan Schrammel, der als Architekt bundesweit aktiv ist und Entwicklungen begleitet. Vielmehr müsse man mit dem Immobilienbesitzer überlegen, was sinnvoll ist. Zudem gelte es, die Bedürfnisse der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger mitzudenken, die sich gegebenenfalls von anderen Städten unterscheiden. Solidas schließt auch Mischnutzungen nicht aus. Grundsätzlich seien auch gemeinnützige Einrichtungen denkbar, wenn sich dies finanziell für beide Seiten realisieren lasse. Wie zuletzt bei Karstadt, könnte es eventuell sogar sein, dass Solidas in diesem Fall bereit wäre, über die Höhe der Miete zu verhandeln. Als schwierig stuft Utz die Unterbringung eines Hotels oder Wohnungen ein. Hier sieht er in fehlenden Parkplätzen das größte Problem.
Wäre eine Schule eine sinnvolle Nachnutzung?
Die Nutzung der oberen Etagen könnte die Raumnot städtischer Bildungseinrichtungen verbessern, sagen Befürworter dieser Idee. Solidas hat deshalb eine Machbarkeitsstudie für die Ansiedlung einer Schule auf den Weg gebracht. Daniel Utz betrachtet das Thema von verschiedenen Seiten: Die Ansiedlung einer Schule sei grundsätzlich nicht ausgeschlossen, zumal es an dieser Stelle bereits einmal ein Schulhaus gab. Aus seiner Sicht sei dies jedoch mit die schwierigste Lösung. Die Schulbauverordnung gebe Bedingungen vor. Auch ein Pausenhof und gute Lichtverhältnisse seien Themen. Aus Sicht eines Immobilienbesitzers könnte die Nachnutzung als Schule aber auch ein langfristiges Mietverhältnis bedeuten. Genau da setzen Kritiker an: Es sei nicht Aufgabe einer Stadt, mit einer großflächigen Nutzung einem privaten Immobilienbesitzer das Gebäude abzubezahlen.
Stoßen bestimmte Ideen aufgrund der Bausubstanz an ihre Grenzen?
Laut Daniel Utz bietet die Karstadt-Immobilie aus der Substanz heraus verschiedene Möglichkeiten der Umgestaltung. Unter anderem, da zahlreiche Treppenhäuser vorhanden seien, die separate Zugänge ermöglichen. Auch in Sachen Beleuchtung habe man sich Gedanken gemacht und prüfe beispielsweise die Errichtung eines Lichthofs. Viele Überlegungen müssten statisch geprüft oder hinsichtlich des Brandschutzes gedacht werden. Einschränkungen ergeben sich auch wegen der Fassade. Hier gebe es Urheberrechtsansprüche seitens der Architekten.
Kritiker fürchten, die Umgestaltung der Karstadt-Immobilie könnte wie das Schwaben-Center, das auch Solidas gehört, in der Entwicklung stecken bleiben.
Aus Sicht von Solidas sind die beiden Vorhaben nicht miteinander vergleichbar. Während man bei Karstadt Alleineigentümer sei und unabhängig entscheiden könne, sei man im Fall Schwaben-Center Mitglied einer Eigentümergemeinschaft mit den Wohnungsinhabern der Türme. Dies schaffe hohe Absprachebedürfnisse und verlängere Entscheidungsprozesse. „Außerdem brauchen wir für das Schwaben-Center einen Bebauungsplan, was Zeit kostet“. Im Fall Karstadt gehe es dagegen um Nutzungsänderungen. Dies gehe deutlich schneller.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren