Theater Augsburg

15.11.2009

Sprung über den Höllenschlund

Astrid Lindgrens "Ronja Räubertochter" ist seit 28 Jahren der heiß geliebte Gegenentwurf zum zickig-braven Mädchen. Dem Regisseur Marcel Keller ist zu danken, dass er den Text heute, daeher die Buben der Ermutigung bedürfen, nicht als Lehrstück für starkeMädchen auf die Bühne des Theaters Augsburg brachte. Von Angela Bachmair

Wer in einer so stürmischen Gewitternacht geboren wird, in der sich die Erde zu einem Höllenschlund auftut, der muss schon ein besonderes Kind sein - furchtlos, tatkräftig und mit dem Herzen auf dem rechten Fleck.

Astrid Lindgrens "Ronja Räubertochter" ist seit 28 Jahren der heiß geliebte Gegenentwurf zum zickig-braven Mädchen, und das war zur Entstehungszeit des Buches durchaus ein emanzipatorisches Modell.

Dem Regisseur Marcel Keller ist zu danken, dass er den Text heute, da eher die Buben der Ermutigung bedürfen, nicht als Lehrstück für starke Mädchen auf die Bühne des Theaters Augsburg brachte. Seine Ronja ist zwar eine beeindruckende Person - in der Verkörperung durch Olga Nasfeter fast ein bisschen zu erwachsen - aber sie braucht dennoch die Hilfe des Räubersohns Birk, um es mit Graugnomen und Rumpelwichten, mit all dem unterirdischen Getier im Wald rund um die Räuberburg aufnehmen zu können.

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Diesen Birk macht Michael Stange zur bezaubernden Studie eines so zappeligen wie aufopferungsvollen kleinen Jungen. Mit ihm springt Ronja über den Höllenschlund zwischen den Burgen ihrer verfeindeten Väter (Bühne und Ausstattung, plastisch und farbenfroh, stammen ebenfalls von Marcel Keller), von ihm lässt sie sich entführen.

Dann, wenn Ronja und Birk in den Wald flüchten und sich gegen ihre Eltern stellen - die Väter Tjark Bernau und Philipp von Mirbach, die Mütter Samantha Richter und Elna Lindgens haben alle vier etwas von Rock-Stars - dann wird das Kinderstück plötzlich ein paar Jahre älter, dann kommt es mit dramatischem Effekt gleichsam in die Pubertät - und wird für kleine Kinder wohl etwas anstrengend. Auch die Unterirdischen sowie die menschenfresserische Wilddrude lassen die Kleinen gruseln, und wenn der Musiker Steffen Modrow an seinem Schlagwerk den Lindgren'schen "Donnerdrummel" akzentuiert und den Nebel wabern lässt, dann verdichtet sich die Dramatik noch.

Doch rockige Klänge, Tänze und Lieder lösen die Spannung wieder, und am Ende wird auch in diesem alles andere als betulichen Kinderstück alles wieder gut. Die Räubersippen versöhnen sich, Ronja und Birk bleiben zusammen, und der Höllenschlund schließt sich wieder.

Aufführungen Bis Anfang Januar gibt es 35 Vorstellungen.

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