Die eigentlichen Gewinner standen schon vor dem Wettbewerb fest. Denn vom Leopold Mozart Kammermusikpreis profitieren am meisten die Musikhochschule und ihre Studenten. Durch den in diesem Jahr erstmals ausgeschriebenen Preis angeregt fanden sich nämlich am Leopold Mozart College of Music (LMC) neue Kammermusikensembles von besonderer Qualität, die beim Wettbewerb mit einem abwechslungsreichen Programm in unterschiedlichsten Besetzungen miteinander wetteiferten. Den ersten Preis in Höhe von 1000 Euro vergab die Jury geteilt an zwei wirklich herausragende Ensembles: an Trio Allegretto und an Quinternational. Der zweite Preis ging an das Adularia Trio. Sie alle werden beim Preisträgerkonzert am Mittwoch, 10. Juni, um 19 Uhr im Konzertsaal Grottenau zu hören sein. Wer aufgehende Sterne am Musikhimmel erleben möchte, sollte hingehen, der Eintritt ist frei.
Ein Kammermusikensemble setzt sich nicht spontan zusammen, selbst bei Instrumentalisten mit Spitzenqualität muss es „passen“, muss geprobt, abgestimmt und die Interpretation gemeinsam erarbeitet werden. Der perfekte Klang entsteht nicht automatisch beim Spielen, oder wie Aristoteles schon wusste: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“ Professor Edward King vom LMC, als Cellist selbst ein vielerorts geschätzter Kammermusiker, hatte den Wettbewerb initiiert. Mit ihm sollen Studenten zur Kammermusik gelockt werden und damit alle zusammenbringen. „Wir wollten einen Wettbewerb fürs Haus selbst“, sagt King. Er hofft, „dass das zur Kultur am Haus wird“, aber nicht im Sinne von Konkurrenzförderung. Es soll ein „Wir-machen-Mit statt ein Gegeneinander“ sein. Tränen bei Verlierern? „So eine Kultur haben wir hier nicht“, erklärt er lächelnd. In der Ensemblearbeit gewinnen laut King die jungen Musiker ja die Fähigkeit, „wie man kommuniziert, genau zuhört, im Team arbeitet“.
Die Lücke des ehemaligen Violinwettbewerbs
Das Ende des Internationalen Violinwettbewerbs Leopold Mozart im Jahr 2019 hinterließ eine Lücke. Denn der Violinwettbewerb lockte weltweit junge Spitzengeiger in die Stadt – zur Freude des Publikums, das die Qualität der Solisten goutierte. Doch ausgezeichnete angehende internationale Musiker und Musikerinnen hat das Leopold Mozart College auch selbst zu bieten. Bestes Beispiel ist das Bläser-Quintett Quinternational, eines der beiden Ensembles, die den ersten Preis der Jury aus Professoren des LMC zuerkannt bekamen. Das Preisgeld stiftete das Leopold-Mozart-Kuratorium.
Schon bei Beethovens Opus 71 (im Original ein Sextett) wussten Jon Thate (Flöte), Angi Huo (Oboe), César Camilo Cipagauta (Klarinette), Mai-Ssu Hsu (Fagott) und Donata Ott (Horn) einen lebendigen Dialog ihrer Instrumente zu inszenieren. Die prägnanten Motive wanderten elegant von einem zum anderen Instrument, und selbst schwierige Einwürfe störten niemals die Balance unter den Musikern. Das Rondo war dann ein spielerischer Tanz, ein spritziger Abschluss. Die folgenden Bagatellen von György Ligeti verlangten nicht nur Energie, sondern auch Präzision bei den besonderen rhythmischen Herausforderungen. Sieben-Achtel-Takt in hohem Tempo – wer hier nicht genau auf die anderen achtet, ist verloren. Großen Eindruck hinterließ Hornistin Donata Ott, die beim Wettbewerb nicht nur in einem, sondern gleich in drei Ensembles mitblies.
Die Erfahrung merkt man dem Trio Allegretto an
Der andere Gewinner eines ersten Preises, das Trio Allegretto, konnte auch den Publikumspreis für sich gewinnen. Die drei Streicher, Petre Abraham und Lucas Soto Fontenla an den Violinen und Ramon Boss am Cello, spielen seit zwei Jahren zusammen – meist allerdings als Quartett. Ihr außergewöhnliches Zusammenspiel wirkte sehr reif, man merkte nicht nur die Erfahrung als Ensemble (zu hören bei Konzerten der Young Classic Artists), sondern auch die Auseinandersetzung mit Beethoven, dessen Trio op. 87 als perfekt ausbalancierter Dialog zu einem fesselnden Erlebnis wurde. Ausdrucksstark mit schnellen dynamischen Wechseln und einander zuspielend meisterten die drei Bachelor-Studenten brillant auch den Streichersatz des Münchner Komponisten Wilhelm Killmayer mit seinen Überraschungen, Brüchen und vibrierenden Einzeltönen.
Nicht ganz so ausgewogen im Klang war der technisch hervorragende Gewinner des zweiten Preises, das Adularia Trio. Felicitas Marxer (Violine) und Leonie Harrer (Cello) blieben gegenüber der virtuosen Pianistin Mariia Lychana etwas blass. Doch das romantische Klaviertrio von Clara Schumann op. 17 machte Eindruck.
Die Herausforderung, sich dem Wettbewerb zu stellen, hatten sechs Ensembles angenommen. Die Hoffnung fürs LMC, aber auch für Augsburg, ist, dass es im nächsten Jahr einen weiteren Wettbewerb geben wird – vielleicht sogar unterstützt von der Stadt?
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