Es schnellen doch einige Hände in die Höhe, als Francis Rossi die Frage stellt, wer im Jahr 1975 schon in der Augsburger Kongresshalle dabei war, als Status Quo sieben Jahre nach ihrem ersten großen Hit "Pictures of Matchstick Men", dort oben auf der Bühne standen. Allerdings, tatsächlich waren Status Quo 1975 nicht zum ersten Mal, sondern bereits zum zweiten Mal nach Dezember 1972 an dieser Stelle. Wenn einer wie Rossi tausende von Konzerten auf dem Buckel hat, darf man das aber schon mal vergessen.
Es ist aber auch ein Moment zum Innehalten, um zurückzudenken an die Besetzung in diesen frühen Jahren. An den ewigen Sonnyboy und Gitarristen Rick Parfitt, der 2016 im Alter von 68 Jahren gestorben ist. Oder den Bassisten Alan Lancaster (gestorben 2021), sowie an Schlagzeuger John Coghlan, die alle den unnachahmlichen Sound der britischen Boogie-Rock-Band geprägt haben. Sie alle sind gegangen – nur Rossi ist geblieben. Und der hat erneut eine Crew zusammengestellt, die darauf abzielt, die Gitarren in den Vordergrund zu rücken. Selbst Keyboarder Andy Bown tauscht immer wieder während des Konzerts sein Instrument mit der Gitarre. Bassist John Edwards und Rhythmusgitarrist Richie Malone komplettieren das Quartett der "Gitarreros". Zudem hat Rossi mit Leon Cave noch einen Schlagzeuger am Start, der das Ganze abrundet.
Status Quo machen das, was ihnen am besten gefällt: Party
So voll wie 1975 ist die Halle zwar nicht, aber immerhin sind es gut 1400 Fans, meist im gesetzteren Alter, die noch lange nicht genug von Status Quo haben. Und die Fans pfeifen darauf, dass es im Laufe der vielen Jahre immer wieder Kritiker gab, die Status Quo als die "Drei-Akkorde-Band" verhöhnt haben. 2007 bewies die Band dann auch reichlich Humor, als sie ihr 33. Album "In Search of the Fourth Chord" (Auf der Suche nach dem vierten Akkord) betitelten. Denn ob drei, sechs oder zwölf Akkorde – Status Quo machen das, was ihnen am besten gefällt, nämlich Party. Dafür wurden und werden sie geliebt.
In dieser Hinsicht waren sie auch schon immer ausdauernd. Deshalb stehen sie im Buch der Rekorde. 1991 rockt sich Status Quo durch einen Konzertmarathon und spielt in Sheffield, Glasgow, Birmingham und London vier Konzerte in elf Stunden und elf Minuten. Ganz so lang war es in Augsburg nicht, aber intensiv.
In der Mitte des Konzerts schlägt die Stunde der Luftgitarristen
Die Auswahl der Stücke ist dabei so angelegt, dass sich die Stimmung bis zum Ende fast von Song zu Song steigert. Als Aufputschmittel dient dabei "Caroline", dass schon seit Jahren als Eröffnungsnummer auf dem Zettel steht. Mit "Rain" (1976), "Little Lady" (1975) oder "Softer Ride" (1973) nehmen dann Status Quo ihre Fans auf die weitere Reise in die Vergangenheit mit. Irgendwann in der Mitte des Konzerts schlägt die Stunde der Luftgitarristen.
Status Quo packen ihr Medley aus, das mit dem wohl typischsten Quo-Song "What You're Proposing" beginnt. Dann geht es Schlag auf Schlag: "Down the Dustpipe", "Railroad" oder "Again and Again" bringen die Halle zum Kochen. Es kommt zum lautstarken Gitarrenduell. Auf der einen Seite Rossi und Edwards auf der anderen Seite Bown und Malone. Beeindruckend, wenn alle vier im gleichen Outfit – schneeweißes Hemd, weiße Turnschuhe und Jeans – tief in die Saiten greifen und sich in Posen werfen.
Und dann, nach "Cut Me Some Slack" und "Liberty Lane", natürlich: "In the Army Now." Eigentlich der Song aus den 80ern. Die Autoren, die beiden Niederländer Rob und Ferdi Bolland, die mit ihrer Version scheiterten, überließen schließlich Status Quo das Ding und da war es dann auch in den besten Händen. Der Pegel in der Halle schwillt dementsprechend an. Beeindruckend, als es dann auf der Bühne dunkel wird und nur noch die Silhouette von Francis Rossi zu sehen ist. Der 73-Jährige gibt noch einmal Gas mit einem gut fünfminütigen Intro zu "Down Down." Der Auftakt zu einem musikalischen Schluss-Feuerwerk. Selbstverständlich mit "Whatever You Want" und "Rockin' All Over the World."
Die anschließenden Zugabe-Rufe lassen die Herrschaften auch nicht kalt. "Don't Waste My Time" gibt's obendrauf. Dann die Verabschiedung. Für immer? Bands wie Status Quo sind leider aus Altersgründen "vom Aussterben bedroht". Wie viele andere ihrer Gattung. Genießen wir einfach den Moment.