Was nicht geht, ist Apathie. Und doch beobachtet Marina Chernivsky genau die. Die deutschen Reaktionen auf den 7. Oktober, an dem vor zwei Jahren die Terrororganisation Hamas den Zaun zwischen dem Gaza-Streifen und Israel durchbrach, erscheinen ihr teilnahmslos, unentschieden und gefühlsleer. Statt sich empathisch neben Juden zu stellen, kritisierten Hochschulpräsidenten Israel, Künstler schrieben Petitionen, israelische Wissenschaftler wurden ausgeladen, während die Täter des genozidalen Terroranschlags auf 1200 israelische Bürger im Diskurs nicht vorkamen. „Eine klassische Täter-Opfer-Umkehr“, erklärt Chernivsky. Als Psychologin, Wissenschaftlerin, Politikberaterin und Jüdin hat sie jetzt über die Gräben und Gefühlslagen, über die Kontinuität des Antisemitismus, über kollektive Traumata und Erinnerungen ein Buch geschrieben. „Bruchzeiten. Leben nach dem 7. Oktober“ ist keine Analyse, eher ein persönlicher Lang-Essay, eine Art Fazit ihrer Arbeit und ihres persönlichen Erlebens als Kind in der Ukraine, als Jugendliche in Israel sowie als Studentin, Psychologin und Verhaltenswissenschaftlerin in Berlin.
Augsburg
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