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Maxi Schafroth: Mähen oder nicht mähen, das ist bei ihm die Frage

Bayern-Bashing

Das ist hier nicht die Frage: „Mähen oder nicht mähen“ singen alle bei Maxi Schafroth

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    Ein alemannischer Wurzelgnom, weiß Maxi Schafroth, ist noch lange kein Münchner im „besitzbürgerlichen Schwebegang“: Der Kabarettist bei seinem Auftritt in der Stadthalle Gersthofen.
    Ein alemannischer Wurzelgnom, weiß Maxi Schafroth, ist noch lange kein Münchner im „besitzbürgerlichen Schwebegang“: Der Kabarettist bei seinem Auftritt in der Stadthalle Gersthofen. Foto: Anna Kondratenko

    „Sie schauen immer so freundlich“, wird Kabarettist Maxi Schafroth oft angesprochen. Der Grinsekasper mit dem feinen analytischen Gespür für die bayerische Volksseele weiß aber auch, was dahintersteckt: „Das ist doch eine bayerische Kernkompetenz, dass das Gesicht nicht immer das aussagt, was sein Inhaber gerade meint.“ Spott und scharfe – und meist auch zutreffende - Analysen füllen seine Auftritte im TV und neuerdings auch auf der Theaterbühne. Dass er das komisch zu verpacken weiß, quittiert das Publikum in der Stadthalle Gersthofen mit Lachtränen und begeistertem Applaus. Wieder mal zeigt sich: Wer Bayern und vor allem das Allgäu verstehen will, muss Schafroths Programm „Faszination Bayern“ besuchen.

    Tief ins Schwarze trifft der gelernte Banker – die Banklehre verhalf ihm zur Erweiterung seiner Typenpalette auf der Kabarettbühne – in diesem Programm, das er nun schon seit zehn Jahren spielt. Unterstützt wird er dabei von seinem schweigsamen Stephansrieder Freund Markus Schalk, der für die Blues-Akkorde auf der Gitarre zuständig ist. Als Gast: „Der Chor der Jungen Union Miesbach“, zwei gesetztere Herren, die bierernst eine „Fein sein, beinander bleiben“-Parodie anstimmen.

    „Hinterfotzigkeits-Coaching“ mit Andreas Scheuer

    Das „Faszination Bayern“-Programm über das „schwäbische Outback“ im Gegensatz zu den mondänen Metropolen wurde in diesen zehn Jahren immer wieder aktualisiert. Gleich zu Beginn spielt der so erfolgreiche Kabarettist nun auf seinen „Rauswurf“ als Fastenprediger vom Nockherberg an: Er sei im letzten Jahr „durch eine Fernsehansprache in konservativen Kreisen in Ungnade gefallen“ und müsse jetzt zur Strafe auf Söders Geheiß „christsoziale Heimatabende“ im obligatorischen, bayerisch verfilzten „Lodenkittel“ gestalten. Selbst hier teilt der gerne als Spaßmacher verkannte Unterallgäuer kräftig aus. Er lädt zu „Hinterfotzigkeits-Coachings mit Andi Scheuer“ ein und beschreibt die schon fast vergessenen, in die teuren Masken-Deals verstrickten Abgeordneten Sauter und Nüßlein als „die schwäbischen Ehrlich-Brothers, die zeigen, wie man Geld verschwinden lässt“.

    Als Bayern-Erklärer versteht sich der Kabarettist, rückt Klischees vom „Wohlstands-Bayern“ zurecht und greift zugleich ganz tief in die Klischee-Kiste der schwäbischen Sparfüchse. Das schöne, ruhige, aber vor allem strukturschwache Allgäu gehört ja nicht zum reichen Teil Bayerns. Der Lech sei die genaue Grenze zwischen Arm und Reich. „Wir haben keine Premium-Automobilhersteller, wir haben Fendt“ löst im Publikum wissende Lacher aus. Diese Traktoren habe er schon als Kind fahren dürfen, erklärt der auf einem Bauernhof aufgewachsene Schafroth.

    Schafroth im „Raiffeisen-Lagerhaus für Neureiche“

    Gegenpol zu seiner ländlichen Prägung ist hier immer „das Urbane“ – schon in seiner hochdeutsch manierierten Sprechweise schafft er die Distanz. Hier werde stets optimiert und bemüht in Besitz genommen. Bestes Beispiel: Manufactum, „das Raiffeisen-Lagerhaus für Neureiche“, wo man auch gut mal 600 Euro für einen Klappspaten ausgibt.

    Schafroth liebt es, mimisch-gestisch seine Typen darzustellen – ohne Scheu vor der Übertreibung. Den „Münchner besitzbürgerlichen Schwebegang“ stellt er die gebückten „alemannischen Wurzelgnomen“ gegenüber. Dieser Stallgeruch, dieses Rustikale komme selbst in München gut an: „Die Münchner lieben das! Ich hab so romantische Natursehnsüchte geweckt“, ist er sich im Rückblick auf die Banklehre sicher. 

    Bei aller Komik hat der Allgäuer doch auch ein ernstes Anliegen: Gemeinschaft. Sein Publikum solle sich in der eigenen Unterschiedlichkeit wahrnehmen und das Miteinander genießen. Gemeinsam hätten 600 Menschen gelacht und den Landwirte-Song „Mähen oder nicht mähen“ gesungen. Und wo gibt es das noch?

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