Es begann im Sensemble-Theater mit einer befremdlichen Nachricht: Die Stadt Augsburg wolle nun, nach 21 Jahren der erfolgreichen Zeitzeugenreihe "Lebenslinien", nicht mehr Mitveranstalterin sein und habe sich aus der Finanzierung zurückgezogen, teilte Theaterchef Sebastian Seidel mit. Passt das in die Landschaft, fragte sich da mancher der zahlreichen Besucher – heute, wo man nach dem Überfall der Hamas allenthalben Antisemitismus ausmacht, wo man Bedrohung durch rechte Geschichtsvergessenheit nicht zuletzt daran erkennt, dass vor dem Sensemble-Theater zwei Polizisten Wache halten? Schließlich weiß man, dass eine so konkrete, reale Familiengeschichte auch aus der zeitlichen Distanz der Nachgeborenen, die bei den Lebenslinien nun von ihren Familien erzählen, besser als jeder Kinofilm oder jedes Geschichtsbuch vermitteln kann, was Antisemitismus und Rassismus an Unheil anrichten können. "Wir machen auf jeden Fall weiter", kündigte Seidel am Sonntagabend seinem Publikum an – unter Applaus.
Sensemble Theater