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Sir John Eliot Gardiner und sein Constellation Orchestra glänzen beim Augsburger Mozartfest

Augsburg

Klarinettenzauber und spanische Überraschungen: Sir John Eliot Gardiner krönt das Mozartfest 2026

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    Sir John Eliot Gardiner sorgte beim Augsburger Mozartfest für ein gelungenes Finale.
    Sir John Eliot Gardiner sorgte beim Augsburger Mozartfest für ein gelungenes Finale. Foto: Bernd Jaufmann

    Die Orgel glänzt golden, der Stuck strahlt perlweiß – aber noch heller glänzt an diesem Konzertabend ein Name im Programm. Das Mozartfest 2026 feiert sein Finale in der evangelischen Kirche St. Ulrich. Es ist das Ende einer Jubiläumsausgabe, denn schon im zehnten Jahr widmet sich das Augsburger Festival dem Erbe von Leopold und Amadeus inzwischen in neuer künstlerischer Ausrichtung unter Simon Pickel. Und der Stargast zum großen Ende heißt diesmal: Sir John Eliot Gardiner. 1943 in der Grafschaft Dorset geboren, 2005 zum Ritter geschlagen und in der Musik zählt er ohnehin zum Hochadel. Gardiner gilt als Großmeister auf dem Feld der Alten Musik, als Forscher auf der Suche nach dem Klang von damals. Heute tritt er in Augsburg mit seinem Constellation Orchestra auf, das er 2024 gegründet hat. Ihnen glückt ein Konzert, in dem die Klarinette zaubern darf – und das Werk eines Spaniers alle Ohren überrascht. Und der Sir? Lächelt leise, als sich das Publikum erhebt zum lauten Festival-Schlussapplaus.

    Sir John Eliot Gardiner präsentiert in Augsburg sein Constellation Orchestra

    Noch vor Mozart fällt ein Spanier ins Programm: Die Sinfonie in D-Dur von Juan Crisóstomo de Arriaga ist die Überraschung des Abends. Mit schwerem Ton und ernsten Gefühlen beginnt das Orchester zu spielen, fast schon mit dem Gewicht der Romantik. Denn schnell wird hier spür- und hörbar, wohin die Reise führt: Donnerschläge wie ein Sommergewitter, die Pauke grollt. Das Drama in dieser Musik erinnert an Beethovens Kraft. Doch dann hält das Orchester auch inne und entfaltet Melodien, die von Mozart stammen könnten. Von Amadeus in seinen lieblichen Momenten. Bunte Einfälle fließen in den vier Sinfoniesätzen ineinander, wandern von Oboe und Klarinette bis in den Bass, sodass in keiner Sekunde droht Langeweile.

    Arriaga, geboren 1806 in Bilbao, hatte offenbar ein Herz und ein Ohr für alle Register: Aus seinen Noten schöpft Gardiners Ensemble diverse Temperamente, Launen und eine Kraft, die verblüfft. Der britische Dirigent lässt die Naturhörner schmettern, bis es fast kracht. Musik auf historischen Instrumenten, edel und klein im Sound? Nein, hier klingt Originalklang mächtig. So mischt sich der Spanier mit aller Würde unter die Namen der Komponisten, die im Konzert nun folgen. 1826 starb Arriaga, kaum 20 Jahre alt. War er ein „Wunderkind“? Man nannte ihn den „spanischen Mozart“.

    Nicola Boud zaubert mit der Bassettklarinette Mozarts Konzert

    Die Solistin des Abends tritt jetzt vor das Publikum: Nicola Boud, die eben noch im Orchester spielte, gibt sich bescheiden. Sie stellt dem Publikum lieber ihr Instrument vor, als sich selbst und ihre Biografie. Aber es ist ja auch ein Hingucker: Boud streckt eine Klarinette in die Höhe, die viele Zentimeter länger ist als eine gewöhnliche, heute handelsübliche. An ihrem Ende wölbt sich eine Schallbirne, ein Bauch aus Holz. Und auf solch einem Instrument soll Mozarts Klarinetten-Konzert damals gespielt worden sein. Diese Spezialanfertigung wurde auch für Amadeus‘ Musik geschnitzt, Anton Stadler spielte ein solches Modell wohl bei der Premiere des Stücks. „Diese Bassettklarinette hat einen viel größeren Tonumfang als das moderne Instrument“ erklärt die Australierin Nicola Boud. Und schon im ersten Satz lässt sie das Instrument fein, zart und rund in der Höhe klingen – in den Tiefen aber weich, warm, fast als würde da eine Bassklarinette brummen.

    Im ersten und im letzten Satz darf Boud über alle Klappen und durch jedes Register flitzen. Hochmusikalische Akrobatik, ausgebuffte Fingerübungen. Wobei unter der Oberfläche von Spielfreude die Melancholie lauert. Jetzt hört man Mozart grübeln: Im langsamen Satz nimmt sich Boud wunderschön viel Zeit und Raum, die Klarinette trägt ihre Melodie vor und das Orchester spielt sie ihr nach. Dabei bieten die Musiker eine Lehrstunde, wie mucksmäuschenleise ein Orchester klingen kann. Denn die Klarinette erzählt hier die Geschichte. Sie malt Bilder mit Farben und Weitblick. Das Solo-Konzert gehört zu Mozarts letzten Werken, verfasst hat er es 1791, im Jahr seines Todes. „Zauberflöte“? Zauberklarinette.

    Mit Haydns „La Passione“ endet das Augsburger Mozartfest 2026

    Ein Finale in Leidenschaft: zum Schluss „La Passione“, die 49. Sinfonie von Joseph Haydn. Jetzt lässt sich noch einmal so schön beobachten, wie Sir John Eliot Gardiner sein Orchester führt: Wie er die Streicher mit vielfältigen, fein choreografierten Gesten seiner Hand lenkt. Düster machen sich die Streicher mit den ersten Takten breit, ein trauriger Kern von Schicksal schwingt in ihren Tönen mit. Aber während dieses Adagio in f-Moll noch nach Jenseits klingt, stürmt das Orchester mit dem Allegro ins Diesseits. Die Musik strahlt wieder, schnelle Töne klackern fast angriffslustig, die Lebensgeister kehren zurück. Vor allem im Finale bricht noch einmal der kontrollierte Rausch aus zum Fest. Sichtbar glückliche Musiker, ein lächelnder Dirigent. Und das Publikum hat zum Jubiläum einen neuen Glanzmoment erlebt.

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