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„Lieber gesund als braun gebrannt“: So gehen junge Augsburger mit Sonnenbrandgefahr um

Augsburg

Schattenplatz oder braun gebrannt? So gehen junge Augsburger mit Sonnenbrandgefahr um

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    Sonne oder Schatten? Junge Augsburger haben am Proviantbach unterschiedliche Meinungen.
    Sonne oder Schatten? Junge Augsburger haben am Proviantbach unterschiedliche Meinungen. Foto: Anna Kondratenko

    Samstagmittag am Augsburger Proviantbach. Die Sonne knallt auf die sattgrüne Rasenfläche im Schatten des Glaspalastes. Gegen 13 Uhr zeigt das Thermometer rund 32 Grad Celsius. Die UV-Strahlung liegt zu diesem Zeitpunkt bei acht von zwölf, die Gefahr eines Sonnenbrands ist laut einschlägigen Wetterseiten hoch. Hautärzte rieten nun dringend davon ab, sich in die Mittagssonne zu legen. Die Hautkrebsdiagnosen in Bayern haben sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt. Besonders betroffen sind demnach Angehörige der Baby-Boomer-Generation. Auf ausreichend Sonnenschutz wurde vor wenigen Jahrzehnten kaum geachtet. Doch wie halten es junge Augsburger mit dem Sonnenschutz?

    Die Badestelle am Proviantbach ist vor allem bei jungen Menschen beliebt. An heißen Sommertagen tummeln sich Badegäste dicht an dicht. Samstagmittag steht es am Proviantbach unentschieden – etwa die Hälfte der Badegäste liegt in der Sonne auf dem Hauptfeld, die andere Hälfte hat sich einen Schattenplatz in der Nähe des Kanals gesucht. Isa Bodenmiller, Xjuscha und Malwin Antz haben sich im Schatten positioniert. „Ich würde mich mittags nicht in die Sonne legen“, sagt Xjuscha Antz. Sie habe erst vor wenigen Tagen einen Podcast gehört, in dem gewarnt wurde. „Gesunde Bräune gibt es nicht“, sagt sie. Ihr Bruder Malwin Antz ergänzt, er erschrecke, wenn er stark gebräunte Menschen sehe. „Die erinnern mich an Dieter Bohlen und Donald Trump“, sagt er und lacht.

    Augsburger Hautärztin warnt: „Hautkrebs zeigt eine deutliche Zunahme“

    Für Hautärztin Julia Welzel, Direktorin für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Augsburg (UKA), verhalten sich die Geschwister Antz genau richtig. Ihrer Ansicht nach sollten möglichst viele Menschen in Zukunft auf blasse Haut und Schatten setzen, anstatt auf intensive Sonnenbäder. Schatten- statt Sonnenbaden, lautet die Devise. „Hautkrebs zeigt eine deutliche Zunahme, sowohl das maligne Melanom als auch der sogenannte helle Hautkrebs“, erklärt Welzel. Das liege nicht nur an den besseren Untersuchungsmöglichkeiten wie den Hautkrebsscreenings, vielmehr kämen die dauergebräunten Babyboomer-Jahrgänge nun in ein Alter, in dem bei ihnen Hautkrebs vermehrt ausbreche.

    Sebastian Gehl hat diese Erfahrung machen müssen. Bei seiner Mutter sei Hautkrebs diagnostiziert worden, sagt er. Mittlerweile sei sie geheilt und warne ihren Sohn regelmäßig. Dennoch liegt er an diesem Tag mit seinen Freundinnen und Freunden am Proviantbach in der Sonne. Am Vortag hat er sich noch beim Fußballspielen verbrannt. Eincremen sei deshalb heute Pflicht. Ein Schattenplatz? Das sei „Schmarrn“, sagt er. „Ich möchte ja auch braun werden und die Sonne genießen.“

    Braun werden, das möchte auch Laura Geschke. Bald werde sie heiraten, erzählt sie. „Da möchte ich gebräunt sein.“ Sie wisse selbst, dass es nicht optimal sei, sich in die Sonne zu legen, sagt Geschke. Sonnencreme nutze sie aber immer und ihr Gesicht versuche sie im Schatten zu halten. Da sie ein dunklerer Hauttyp sei, bekomme sie nicht so schnell einen Sonnenbrand, so Geschke.

    Viele Augsburger Plätze verfügen kaum über natürlichen Schatten oder Sonnensegel

    Hautärztin Welzel sagt, es sei eine gern verbreitete Mär, dass nur helle Haut besonders durch Sonnenlicht gefährdet sei. Tatsächlich sei auch der „Eigenschutz“ dunkler Haut viel zu gering. Welzel rät insbesondere Eltern und Großeltern, darauf zu achten, die zarte Haut der Kinder und Enkel zu schützen. „Die Haut vergisst nichts“, sagt sie. Egal ob beim Baden im Schwimmbad oder dem Pritscheln auf Wasserspielplätzen wie im Sheridanpark. Viele der Plätze verfügten kaum über natürlichen Schatten oder Sonnensegel, umso wichtiger sei es, Kinder nicht der intensiven Mittagssonne auszusetzen.

    Welzel sieht aber auch bei älteren Augsburgern dringenden Handlungsbedarf. Mit dem Alter könne die Haut Sonnenschäden zunehmend schlechter reparieren. Dabei sieht sie das Problem längst nicht nur bei Sonnenbadern, die ganz auf einen Sonnenschutz verzichten. Vielmehr beobachte sie immer wieder, dass der Sonnenschutz zu dünn oder zu selten aufgetragen werde. Auch vergäßen viele Augsburger die Ohren, die Lippen und die Hände einzucremen. Sie rät deshalb, die Sonnencreme richtig dick aufzutragen.

    Der beste Schutz vor Hautkrebs ist der Schattenplatz. Auf der großen Proviantbachwiese sind Julia und Simon Revin (Namen geändert, Anm. d. Red.) die Ausnahme. Sie liegen unter einem Sonnenschirm. „Früher haben wir weniger auf Sonnenschutz geachtet“, sagt Simon Revin. „Braun sein war ein Schönheitsideal.“ Mittlerweile hätten sie ein größeres Bewusstsein für die Gefahren von UV-Strahlung entwickelt. Ohne Sonnenschirm würden sie sich nicht mehr in die Sonne legen, sagen sie. „Wir sind lieber gesund als braun gebrannt.“

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