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Neues Bauen: Ein lieblicher Ort und ein Experiment

Neues Bauen

Ein lieblicher Ort und ein Experiment

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    Zu einem Platz mit Brunnen und Bäumen will die Architektin Bü Prechter die Hallstraße umgestalten, aber die Autos nicht aussperren.
    Zu einem Platz mit Brunnen und Bäumen will die Architektin Bü Prechter die Hallstraße umgestalten, aber die Autos nicht aussperren. Foto: Foto: SchreiberPlan

    Mit ihrer Vortragsreihe über Neues Bauen in der Stadt treffen Bund Deutscher Architekten (BDA) und Treffpunkt Architektur in Schwaben (TAS) offenbar den Nerv der Augsburger, indem sie ihnen Gelegenheit geben, über wichtige städtische Erneuerungsprojekte zu diskutieren. Jetzt war die Landschaftsarchitektin Bü Prechter dran mit ihrem Entwurf für die Hallstraße, und wieder war der Saal im Haus St. Ulrich voll und die Debatte engagiert.

    Höchst verständlich war das Interesse, denn die Hallstraße ist ein städtebaulicher Problem-Dauerbrenner in Augsburg. Seit im Jahre 1807 die Stadt eine königlich-bayerische Mauthalle in den Klostergarten des Katharinenklosters gebaut hat, besteht der Straßenzug, der die Maximilianstraße und die heutige Konrad-Adenauer-Allee verbindet: die Hallstraße. Was damals ein wichtiger Schritt für die verkehrstechnische Erschließung der Stadt war, ist heute eine Plage: 9000 Autos fahren, teils in erheblichem Tempo, durch die Straße, die die beiden Teile des Holbein-Gymnasiums verbindet: den Altbau, also das ehemalige Kloster auf der Nordseite und den sogenannten Neubau auf der Südseite, jene Mauthalle von 1807. Seit Jahren flehen Eltern, Lehrer und Schüler um Verkehrsberuhigung, und an die Neuplanung richten sich hohe Erwartungen.

    Bü Prechter, Professorin an der Hochschule Nürtingen und eine gebürtige Augsburgerin, die vergangenes Jahr den Wettbewerb für den Straßenraum gewonnen hat, will aus der linearen Verkehrsverbindung einen Platz machen, aus der Straße eine „Holbein-Piazza“, wie sie es nennt. Im Wesentlichen konzentriert sie sich darauf, die Verhältnisse zu klären und die Situation zu entrümpeln.

    Die klassizistische Mauthalle bildet den Blickfang des Raumes

    Mit unvoreingenommenem und genauem Blick fürs Detail will sie dunkle, muffige Ecken, Müllcontainer und schäbige Mauern beseitigen, dazu den Wildwuchs von Bäumen und Sträuchern vor dem Klostergebäude (dem Schul-Altbau) wegnehmen. Ihre Aufmerksamkeit gilt der klassizistischen Mauthalle mit ihrer imposanten Fassade; die soll als Solitär den Blickfang des gesamten Raums bilden. Auch die gegenüberliegende Klosterfassade kann wieder ihre Schönheit zeigen.

    Dazwischen spannt Prechter einen weiten Raum auf, mit hellen Granitplatten belegt, mit Sitzgelegenheiten ausgestattet, mit einem Brunnen vor der begrünten Mauer zum Schaezlergarten, mit neu gepflanzten Baumreihen, dort, wo aus dem Platz wieder eine Straße wird, mit zwei großen alten Bäumen mitten auf dem Platz. Ein offener, heiterer, überschaubarer und damit auch sicherer Stadtraum, ein Platz, an dem sich Schüler und Anwohner aufhalten können, über den Passanten flanieren können, an dem man sich wohlfühlen kann. Einen Locus amoenus wolle sie schaffen, sagte Bü Prechter auf der Veranstaltung, einen lieblichen, angenehmen Ort. Und wenn man die Pläne anschaut, kann man ihr wohl glauben, dass das gelingen wird.

    Warum gab es dann aber in der Diskussion so wenig Lob und so viel Bedenken? Das liegt an einem Begriff, den die Stadtplaner derzeit favorisieren und dem Lehrer, Schüler und Eltern offenbar wenig vertrauen: Ein shared space soll Prechters Holbein-Piazza werden, ein Raum, den sich Fußgänger, Radler und Autofahrer teilen, ohne feste Reglementierung, dafür mit gegenseitiger Rücksichtnahme. Die Stadtplanung ist heute abgekommen von Konzepten wie Fußgängerzone oder verkehrsberuhigter Bereich, sondern setzt auf Kommunikation und Miteinander der Verkehrsteilnehmer. Über die Holbein-Piazza sollen also auch künftig Autos fahren dürfen (die Stadt geht nach dem Königsplatz-Umbau nur noch von 2000 Autos pro Tag aus), aber die sollen langsam und vorsichtig fahren.

    Man kann verstehen, dass die Holbeiner dem Konzept nicht trauen, denn sie erleben seit Jahren rücksichtlose Autofahrer; Schulkinder wurden auch schon verletzt. Freilich müssen auch sie sich sagen lassen, dass man in Städten, in denen shared space schon erprobt wurde, positive Erfahrungen gemacht hat.

    Wenn man in Augsburg dieses Experiment gerade an diesem sensiblen Ort vor dem Holbein-Gymnasium wagen will, dann wird man wohl wenigstens zu Anfang Freiraum-Manager, Streetworker, vielleicht sogar Polizei einsetzen müssen, damit das erwünschte Miteinander auch gelingt.

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