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Region Augsburg: Rechtsextreme treten sogar als Tierschützer auf

Region Augsburg

Rechtsextreme treten sogar als Tierschützer auf

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    „Ihr Gedankengut ist brandgefährlich und sie nutzen geschickt das Internet.“Marco Böck, Polizeipräsidium Augsburg
    „Ihr Gedankengut ist brandgefährlich und sie nutzen geschickt das Internet.“Marco Böck, Polizeipräsidium Augsburg Foto: Wyszengrad

    Gut zwei Dutzend Menschen sind gekommen, um zu hören, was der Neonazi Martin Wiese ihnen zu sagen hat. Sie sitzen im Nebenzimmer einer Augsburger Gaststätte. Wiese spricht darüber, wie er sich von der Justiz verfolgt fühlt. Was offenbar keinen im Raum stört: Der 35-Jährige saß als verurteilter Rechtsterrorist sieben Jahre in Haft. Er hat einen Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in München geplant. Seit August 2010 ist er wieder auf freiem Fuß. Nun müht er sich, die rechte Szene in Bayern zu einen – und streckt dabei seine Fühler auch nach Augsburg aus.

    Der Auftritt des Neonazis liegt vier Monate zurück. Er sprach Ende Juli auf Einladung der NPD. Die Polizei beobachtet die Aktivitäten der Rechtsextremen wachsam. Ein größeres Problem sei Rechtsextremismus im Raum Augsburg aber nicht, sagt Marco Böck, zuständig für Verbrechensbekämpfung im Polizeipräsidium. Die Zahl der aktiven Rechtsradikalen liege im „niedrigen zweistelligen Bereich“. Einige seien zwar sehr umtriebig. Ein Abdriften in den Terrorismus wie im Fall der Zwickauer Terrorzelle sei aber bei keinem zu erkennen.

    Die Neonazis beschränkten sich zuletzt vor allem auf Kundgebungen und Werbung im Internet. Auch für rechtsradikale Schmierereien werden sie verantwortlich gemacht. Gewalttätig wurden sie nur in Einzelfällen. Im vorigen Jahr zählte die Polizei eine Körperverletzung mit rechtem Hintergrund, im Jahr 2009 waren es drei Fälle. Unterschätzen dürfe man die Neonazis aber nicht: „Ihr Gedankengut ist brandgefährlich und sie nutzen geschickt das Internet“, sagt Marco Böck.

    Die Neonazis tarnten sich als Wehrsportgruppe

    Brisant war vor allem ein Fall, der sechs Jahre zurückliegt. Damals ließen Ermittler eine Wehrsportgruppe hochgehen, in der auch Neonazis aktiv waren. Sie hatten im Norden des Kreises Augsburg auf einem alten Militärgelände Waffen gehortet. Handgranaten, Maschinengewehre, über eine Tonne Munition und 1,1 Kilo TNT wurden gefunden.

    Immer wieder ging die Polizei in der Vergangenheit gegen Rechtsextremisten vor. Zuletzt vor rund einem Jahr. Damals traf es zwei Gruppen – das „Nationale Augsburg“ und die „Autonomen Nationalisten Mering“. In beiden Gruppen sind vor allem jüngere Neonazis im Alter von um die 20 aktiv. Sie kopieren bei öffentlichen Auftritten gezielt die linke Szene. Sie tragen Baseballkappen, schwarze T-Shirts und haben die Springerstiefel gegen Turnschuhe getauscht. Mitunter treten sie sogar als Tierschützer auf. Sie suchen auch die Nähe zu Fußballfans.

    Beide Gruppen zählen je rund ein Dutzend Mitglieder. Keine große Zahl, doch in der 13000-Seelen-Gemeinde Mering bei Friedberg gelang es ihnen fast, einen ganzen Ort in Angst zu versetzen. Vermummte Gestalten zogen nachts pöbelnd umher. Sie sprühten Parolen auf Wände. Vermeintliche Gegner wurden bedroht und per Telefon eingeschüchtert. Nun engagiert sich ein breites Bündnis „Mering ist bunt“ gegen diese Umtriebe. Auch der Druck der Polizei wirkt. Es sei deutlich ruhiger geworden, heißt es.

    In Mering lebt auch NPD-Funktionär Roland Wuttke. Die Polizei vermutet, dass er bei einigen rechten Gruppen im Hintergrund aktiv ist. Er organisiert auch häufig Kundgebungen in Augsburg. Durch Gewalt sei er bisher aber nicht aufgefallen. Zuletzt geriet er ins Visier der Ermittler, weil seine E-Mail-Adresse im Verteiler des norwegischen Terroristen Anders Behring Breivik stand. Es war eine von Hunderten Adressen. Die Ermittler gehen davon aus, dass Wuttke keinerlei Kontakt zu Breivik hatte.

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