Die Hybrid-Pappeln im Gögginger Süden, die in den kommenden Jahren aus Gründen der Verkehrssicherheit nach und nach gefällt werden sollen, sorgen weiter für heftige Diskussionen. Laut Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) wäre der Erhalt einiger Pappeln mittelfristig mit baumpflegerischen Maßnahmen möglich. Demnach seien diese zwar alt, aber in keinem ungünstigen Zustand. Dennoch will die zuständige Hessing-Stiftung an der Fällung der 32 Am Mühlholz und in der Mühlstraße stehenden Pappeln festhalten. 21 Bäume wurden bereits Anfang des Jahres gefällt. Eine Bürgerinitiative macht weiter mobil und sammelt Unterschriften. Ihre Initiatoren haben den Erhalt der landschaftsprägenden Bäume nicht aufgegeben.
Wie berichtet, argumentiert die Hessing-Stiftung mit dem vermeintlich schlechten Zustand der Pappeln. So erklärt Sprecher Ralf Beunink auf Anfrage unserer Redaktion, die überalterten und teilweise kranken Pappeln wichen für eine Nachfolgebepflanzung, weil sie eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellten. „Durch das hohe Alter – teilweise über 70 Jahre – sind die Bäume teilweise erkrankt oder instabil, was das Risiko für Menschen durch herabstürzende Äste oder umstürzende Bäume erhöht“, sagt Beunink. Insbesondere mit Blick auf das benachbarte Förderzentrum für Kinder und Jugendliche, in dem mehrere Hundert Kinder betreut werden, und Spaziergänger vor Ort, gehe für die Hessing-Stiftung die Sicherheit für die Menschen klar vor.
Gögginger Bürgerinitiative hat sich den Erhalt der Hybrid-Pappeln zum Ziel gesetzt
„Viele der 53 Bäume haben ein für Pappeln hohes Alter erreicht, befinden sich aber in einem ungünstigen Zustand und haben kein hohes Potential für eine langfristige Erhaltung“, sagt auch Umweltreferent Erben. Allerdings: „Auf einige der Pappeln innerhalb der Baumreihe trifft dies nicht zu. Ihr Erhalt ist mittelfristig mit baumpflegerischen Maßnahmen möglich.“ Eine Option sei, die erstgenannten Pappeln zu fällen und die anderen mittelfristig zu erhalten, so Erben. Dies führe allerdings zu höheren Kosten und einem langsameren Bestandsumbau. Die Pappelreihe würde nach und nach ausgedünnt, wodurch sowohl die ökologische Funktion als auch der Wert für das Landschaftsbild verloren gingen. Ziel der Hessing-Stiftung und der Unteren Naturschutzbehörde sei aber gewesen, ein Konzept mit langfristiger Perspektive zu entwickeln. Laut Hessing-Stiftung sei die Gewährleistung der Verkehrssicherheit entlang der Mühlstraße und Am Mühlholz aufgrund des Alters und des Zustandes vieler Pappeln nicht mehr mit zumutbarem Aufwand möglich, erklärt Erben.
Dass der Aufwand groß ist, sei logisch, wenn man 20 Jahre keine Baumpflege betrieben habe, sagt Stephan Meyer. Er ist einer der Initiatoren der Gögginger Bürgerinitiative, die sich den Erhalt der Pappeln zum Ziel gesetzt hat. Meyer und sein Mitstreiter Bernhard Dußmann kämpfen seit Monaten um die Pappeln. „Es ist absurd, dass gesunde Bäume gefällt werden sollen“, sagt Dußmann. Es gebe kein Gutachten über den aktuellen Zustand der Bäume, das eine Aussage zur Verkehrssicherheit beinhalte. Lediglich, dass eine ordnungsgemäße Baumpflege nicht erfolgt sei und deren Kosten jetzt nicht mehr im Verhältnis zum weiteren Nutzen der Bäume stünden. Dußmann fragt: „Sollen künftig alle Bäume als reine Vorsichtsmaßnahme in Augsburg gefällt werden?“ Meyer ergänzt, dass es gerade in Zeiten zunehmender Hitze dringend große Bäume brauche, die Schatten und Abkühlung spendeten. Die von der Hessing-Stiftung vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen reichten hierfür nicht aus.
Fällungen geplant: Gibt es weitere Ausgleichsflächen am Luftbad in Augsburg-Göggingen?
In einem ersten Schritt versprach Hessing Nachpflanzungen – regionale Obstbäume und Sträucher, Streuobstwiesen und Strauchhecken. Diese sind teilweise bereits erfolgt. Zudem werde ein nicht unerheblicher Teil der intensiv landwirtschaftlich genutzten angrenzenden Ackerfläche in einen Kraut-, Schmetterlings- und Wildbienensaum umgewandelt, um Lebensraum für gefährdete Insekten zu schaffen, so Sprecher Beunink. Ein unabhängiges Planungsbüro habe ein Artenschutz-fachliches Gutachten erstellt, das zu dem Ergebnis komme, dass der weit überwiegende Teil der Hybrid-Pappeln ein geringes Habitatpotenzial aufweise und die geplanten Nachpflanzungen die Entfernung der überalterten Pappeln naturschutzfachlich voll mfänglich ausgleiche.
Dennoch soll es nach Informationen unserer Redaktionen zusätzliche Ausgleichsmaßnahmen geben. Ein weiteres landschaftsplanerisches Konzept von Mitte Juni umfasst demnach neben der Ausgleichsfläche an der Mühlstraße eine weitere Fläche am Gögginger Luftbad. Hier soll künftig ein Teil der bisherigen Rasenfläche, die viele Gäste als Parkplatz benutzen, mit Heckensträuchern und einer naturwüchsigen Wiese versehen werden. Problem: Die Fläche kann nicht kurzfristig als Ausgleichsmaßnahme genutzt werden, da sie noch als Baustellenfläche für den Lückenschluss des Renaturierungsprojekts „Wertach vital“ herhalten muss. Mit einem Baubeginn ist aber nicht vor Anfang 2027 zu rechnen. „Das Ganze ist Jahre entfernt und hat nichts mit den Pappeln zu tun“, sagt Meyer. „Es ist ein Taschenspielertrick.“
Stattdessen wünscht sich die Bürgerinitiative, die Ausgleichsflächen im Umkreis der Pappeln auszuweiten und größere Bäume als Ersatz zu pflanzen. Auch die Pflanzung von Bürgerbäumen sei wünschenswert, so Meyer. Vielleicht bleibt aber auch noch ein Teil der Pappeln erhalten. „Aktuell haben wir mehr als 1000 Unterschriften gegen die Fällungen zusammen“, sagt Dußmann. In wenigen Wochen sollen diese an Umweltreferent Erben und Vertreter der Hessing-Stiftung übergeben werden. „Wir rufen die Gögginger Bürger auf, zur Unterstützung vorbeizukommen“, so Dußmann.
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