Frauen mittleren Alters, die keine Arbeit fanden, eine Chance geben: Das war Sina Trinkwalders Vision für Manomama – jene Augsburger Firma, die Textilien aus ökologischen Materialien in Deutschland fertigt. Der Wechsel in die Textilbranche war für Trinkwalder, die sich zuvor mit einer Digitalagentur selbstständig gemacht hatte, ein absoluter Quereinstieg. Eine Manufaktur sollte es sein, eine Textilfirma in der Textilstadt, aber mit einem etwas anderen Ansatz. Es war ein Sprung ins kalte Wasser, der sich jedoch schnell als Erfolg entpuppen sollte.
Den Tag, an dem mehr als 600 Menschen ihrem Aufruf folgten und vor ihrer Agentur aufschlugen, um sich für einen Job bei Manomama zu bewerben, werde sie nie vergessen, erzählt Sina Trinkwalder im Podcast „Augsburg, meine Stadt“. Der große Andrang habe ihr gezeigt, wie viele Menschen sich aufraffen können, wenn „kein Druck, keine Bedingung, keine Systematik eines Amtes“ dahintersteht, sagt sie. „Vielleicht finden wir den richtigen Zugang zu den Menschen nicht.“ In den darauffolgenden Jahren erhielt Trinkwalder für ihren ökosozialen Ansatz zahlreiche Auszeichnungen und war zu Gast in den großen Talkshows dieses Landes. Doch die Bekanntheit hatte ihren Preis.
Eine Morddrohung zwang Trinkwalder zum Rückzug aus den Medien – und aus Augsburg
Ende der 2010er Jahre wurde die Unternehmerin zunehmend zur Projektionsfläche und sah sich massiven Anfeindungen ausgesetzt. An ihren Auftritten in den Medien, ihrem unternehmerischen Schaffen und ihrem öffentlichen Engagement gegen Rechtsextremismus „rackerten“ sich „irgendwelche Idioten“ ab, erzählt die heute 48-Jährige im Podcast. Als Trinkwalder eines Tages eine Morddrohung in einem unfrankierten Umschlag in ihrem Briefkasten fand, reichte es ihr. Um ihren Sohn Magnus zu schützen, der damals noch nicht volljährig war, zog sie sich zurück. Aus den Medien, aus Augsburg.
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Sieben Jahre lebte Sina Trinkwalder in Hamburg auf St. Pauli und genoss die dortige Weltoffenheit, fühlte sich sicherer. Hamburg sei „eine richtig geile Stadt“, sagt sie, „aber dauerhaft will ich da nicht wohnen“. Die Zeit ist also reif für ihre Rückkehr nach Augsburg – jetzt, wo ihr Sohn alt genug ist und bei Manomama einsteigen möchte. Weil sie Augsburg nicht ganz freiwillig verlassen hat, freut sie sich auf das Leben in ihrer schwäbischen Heimatstadt, auf den Stadtmarkt und das Joggen an der Wertach: „Die Stadt hat es echt verdient, geliebt zu werden.“
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