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Überschuldung in Augsburg: Schuldnerberatung erlebt beispiellosen Andrang

Augsburg

Kriege, Inflation, Rezession: Immer mehr Augsburger sind überschuldet

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    Die Schuldnerberatungen der Caritas erlebt seit Monaten einen besonders starken Andrang. Acht Prozent der Erwachsenen galten 2025 in Augsburg als überschuldet.
    Die Schuldnerberatungen der Caritas erlebt seit Monaten einen besonders starken Andrang. Acht Prozent der Erwachsenen galten 2025 in Augsburg als überschuldet. Foto: Angelika Warmuth/dpa/dpa-tmn

    Seit sechs Jahren berät Eva Meinzer beim Caritasverband der Stadt Augsburg Menschen, die in finanzielle Schieflage geraten sind. Sie und ihre Kollegen haben immer viel zu tun. Doch so extrem wie in den vergangenen Monaten sei es zuletzt gewesen, als 2020 die Insolvenzreform in Kraft trat. Bereits Mitte 2025 sei der Andrang auf die Schuldnerberatung spürbar gestiegen. „Im Herbst ging es dann so richtig los und darauf folgte der stärkste Jahresanfang, seitdem ich hier arbeite.“ Zwei Hauptfaktoren macht die Sozialpädagogin für diese Entwicklung verantwortlich.

    Da ist zum einen die Kostenspirale, die nun in Folge des Irankriegs eine neue Dimension erreicht habe, daneben die schlechte Wirtschaftslage, die zu mehr Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit führt. Aber da ist auch noch ein anderer Faktor: zunehmende psychische Belastungen durch die Vielzahl der Krisen. „Punkt Nummer 1 warum die Leute sich verschulden, ist immer noch Krankheit. Man merkt, dass die Situation in der Welt die Leute krank macht.“ Und Meinzer befürchtet, dass die Lage in Augsburg, das als ärmste Großstadt Bayerns gilt, noch schlimmer werden könnte.

    Zahl der überschuldeten Augsburger ist gestiegen

    Dass die Zahl der überschuldeten Menschen in Augsburg laut dem Schuldneratlas der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 2025 zum zweiten Mal in Folge gestiegen ist, ist für Meinzer keine Überraschung. Demnach waren 2025 8,13 Prozent der Erwachsenen in Augsburg überschuldet, 2023 waren es noch 7,94 Prozent gewesen. Von Seiten des Augsburger Amtsgerichts heißt es auf Anfrage, dass man seit dem Jahr 2024 einen kontinuierlichen Anstieg der Vollstreckungs- und Zustellaufträge um insgesamt knapp acht Prozent zu verzeichnen habe. Als überschuldet gilt, wer mit harten Maßnahmen wie einer Vollstreckung konfrontiert ist, aber auch schon, wer anhaltend Schwierigkeiten beim Bezahlen von Rechnungen hat. 2020 galten in Augsburg noch knapp zehn Prozent der Einwohner über 18 Jahren als überschuldet. Dennoch, so Meinzer, die leichte Zunahme dieses Index, den viele kritisch sehen, weil er die Lage eher beschönige, sage schon viel aus.

    Die Wartezeiten bei der Schuldnerberatung haben sich verlängert

    Zehn Wochen warten Klienten bei Meinzer aktuell auf einen Termin, letztes Jahr waren es noch sechs. Vor ihr sitzen dann Menschen, die völlig mittellos sind, für die die Insolvenz oft die letzte Möglichkeit ist, den Schulden zu entkommen. Und denen bei ihrem Weg „raus aus den Schulden“ nicht selten Steine in den Weg gelegt würden. Etwa von Seiten der Banken bei der Eröffnung eines Pfändungsschutzkontos. Das Thema werde oft auf die Schuldnerberatungen abgewälzt. Mit der Folge, dass die Caritas in ihrer nun völlig überlaufenen P-Konto-Sprechstunde eine Art „Triage“ einführen musste und nur noch Augsburger beraten kann. Probleme machten daneben auch immer wieder fehlende Unterlagen aus dem Jobcenter, auf die die Menschen teilweise monatelang warten müssten.

    Beratungsscheine sind am Amtsgericht immer schwerer zu bekommen

    Schwer zu bekommen sind laut Anwältin Susanne Gutjahr derzeit auch Beratungsscheine, mit denen sich überschuldete Menschen in Augsburg von Anwälten wie ihr helfen lassen können. Dabei hat auch sie das Gefühl, dass gerade immer mehr Menschen in Augsburg Probleme mit Schulden haben. „Inflation, Rezession, die Unternehmensinsolvenzen nehmen zu. Bei der Caritas haben sie inzwischen sehr lange Wartezeiten. Der Vorteil bei uns ist, dass man die Unterlagen auch in einer Tüte abgegeben kann und wir übernehmen das dann alles.“ Das sei gerade für Menschen mit psychischen Problemen, die sich nicht selbst kümmern können, praktisch. Gutjahr berät seit knapp 15 Jahren Schuldner beim Sozialdienst Katholischer Männer (SKM).

    Handys sind für Jugendliche in Augsburg die größten Schuldenfalle

    Daneben am letzten Mittwoch im Monat im Tip des Stadtjugendrings auch Jugendliche – kostenlos und anonym. „Die Kinder lernen überhaupt keinen Umgang mehr mit Geld. Das Thema Schulden zieht sich häufig durch die Familien. Ich hatte schon Fälle, da war die ganze Familie bei uns“ sagt sie. Und andere, wo der gesamte Freundeskreis kam. Auf Social Media werde den Jugendlichen suggeriert, dass jeder alles haben könne und solle. Besonders schlimm sei es bei Handys. „Es gibt keinen Jugendlichen, den ich betreue, der nicht Handyschulden hat. Ich wundere mich manchmal: Wie kann man sieben Handyverträge haben? Aber die schließen immer wieder einen Neuen ab, bekommen dafür ein Handy, das sie dann verkaufen. Dass sie dafür aber insgesamt 2000 Euro bezahlen müssen, haben sie vergessen.“ Letztlich könne das sogar ein Verfahren wegen Betruges auslösen. Sie rät ihren Klienten deshalb, möglichst viel mit Bargeld zu bezahlen. Nicht mit EC-Karte und auch nicht online. „Weil man sonst leicht den Überblick verliert.

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