Wenn man sich mit Walter Wagner verabredet, gibt es keinen besseren Treffpunkt als den Stadtmarkt. Wagner fühlt sich an diesem Ort „dahoim.“ Hier kennt man ihn vor der Marktgaststätte, wenn er für die Gäste mit seinem Keyboard im Sommer als Alleinunterhalter unterwegs ist, oder wenn er mit einem, zwei oder drei anderen Musikern auftritt. Und ganz wichtig für ihn: „Do gibts z beschte Bier, a Augustiner.“ Man kennt den Mann in Augsburg. Schlank, graues, halblanges Haar, grauer Bart und seine ständige Begleitung, die runde Nickelbrille. Wagner feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag.
Der gebürtige Augsburger hat viel erlebt. Er weiß, dass das Leben viele Überraschungen parat hat. Sowohl negative wie auch positive. Aufgewachsen ist er in der Nachkriegszeit bei der Oma in der Ottostraße im Stadtteil Oberhausen. Wagner erinnert sich: „Bei den damaligen Seifenkistenrennen fuhr man runter vom Pfannenstiel und das Ziel war dann die Ottostraße.“
Ältere Augsburger kennen das Viertel wo einst die drei Gaststätten „Neuland“, „Riedinger Park“ und etwas abseits der „Fränkische Hof“ beheimatet waren. Wagners ursprünglicher Familienname war Würz. „Meine Mutter hieß so. Die hat aber damals keine eigene Wohnung bekommen. Deshalb war ich bei der Oma.“ Später heiratete seine Mutter und sein Stiefvater hieß Wagner. Als er zehn Jahre alt war, holten ihn dann seine Mutter und der Stiefvater von der Oma ab. Man sieht es Walter Wagner an, das der Stiefvater eher ein dunkles Kapitel in seinem Leben ist. „Darüber will ich nicht sprechen. An diese Zeit habe ich keine guten Erinnerungen.“
Das Berufsleben war für Wagner nach eigenen Worten ein ständiges Auf und Ab. Im Drei-Kronen-Restaurant am Hauptbahnhof absolvierte er eine Ausbildung zum Restaurantfachmann. „Neben dem Kaiserhof und dem Drei Mohren war das damals das beste Restaurant in Augsburg“, erzählt Wagner. Gastronomisch führte ihn sein Weg weiter nach Garmisch und nach Nesselwang, wo er damals seine Frau kennengelernt hat.
Als sein Sohn Dirk und später die Tochter Sybille zur Welt kamen, wollte Wagner ein ruhigeres und beständigeres Leben führen und hat sich beim Zoll beworben. Zehn Jahre war er als Beamter auf Lebenszeit tätig. Als man ihn dann zur Zollfahndung nach München abkommandierte, beging Wagner vielleicht den größten Fehler seines Lebens. Dies sagt er heute: „Ich hätte damals beim Zoll einen Drogenhund bekommen und hätte nach München ziehen müssen. Ich habe dann schon unüberlegt gekündigt, aber ich war frustriert.“
Ein Augsburger Original und die Liebe zum Theater
Wagner entschied sich wieder für die Gastronomie. „Erneut eine falsche Entscheidung“, gibt er schulterzuckend zu. Die Kneipe „Zum Bären“ in Friedberg entwickelte sich zu einem Verlustgeschäft. Später Mitte der 1980er Jahre übernahm er noch ein Weinlokal in Mindelheim. Einige Jahre zuvor hat Wagner seine Liebe zum Theater und zum Film entdeckt. „Theater hat mich schon immer fasziniert“, meint er.
Bei der Volksbühne in Füssen ergatterte er die ersten Rollen. Wagner sagt: „Ich habe zu der Zeit immer einen jugendlichen Liebhaber gespielt.“ So auch in dem Stück „der Odelbaron“ das im Jahr 1983 als Fortsetzung in zwei Teilen im bayerischen Fernsehen (BR) gesendet wurde. Auch in Augsburg war Wagner bis vor zwei Jahren noch in der Theaterszene bei der Volksbühne tätig. Nicht nur als Schauspieler, er war auch viele Jahre für die Öffentlichkeitsarbeit tätig.
Walter Wagner ist in „Aktenzeichen XY“ aufgetreten
Heute ist er zwischendurch als Komparse für Filmproduktionen tätig. In „Aktenzeichen XY“, „München Mord“, in der BR-Serie Himmel, Herrgott, Sakrament oder in „Sturm der Liebe“ war Wagner immer wieder mal zu sehen. Mit Filmleuten hatte er bereits zu tun, als als er im Hotel Bavaria in Pfronten tätig war. Dort stieg eine Filmcrew ab, die 1978 den Softsexfilm „Hurra die Schwedinnen sind da“ drehte. „Ich habe dann die Schauspieler zu den jeweiligen Drehorten gefahren. Das war immer ein riesiger Spaß“, grinst er.
Seine zweite große Liebe ist die Musik: „Ich bin zwar mit den Beatles und den Stones aufgewachsen, aber ich konnte auch gut Roy Black imitieren. Der Nachteil war - Ich sah nicht so gut aus wie Roy“, neint Wagner und muss selbst lachen. Wagner stand auch mit auf der Bühne im Textilmuseum, als der ehemalige Shotgun-Sänger und Gitarrist Veit Liebermann im Jahr 2011 tragisch auf der Bühne verstorben ist. „Als er Black Magic Woman sang erlitt er einen Herzinfarkt“, erinnert sich Wagner. Und fügt an: „Für alle Betroffenen war es eine tragische Geschichte, aber so einen Tod würde ich mir auch wünschen.“
Mit dem Enkel verbindet Walter Wagner eine enge Beziehung
An den Tod denkt Wagner aber nicht. Er hofft, dass ihm noch ein paar Jahre bleiben. Ein paar Augustiner in der Marktgaststätte und ein paar Weizen beim Feinkost Kahn sollten in den kommenden Jahren noch drin sein. Außerdem will er noch Zeit mit seinem 22-jährigen Enkel David verbringen, der in Nesselwang wohnt, aber derzeit in Augsburg studiert. „Wir haben ein tolles Verhältnis und ich bin wahnsinnig stolz auf ihn und ich glaube er ist auch auf mich stolz.“
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