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„Wir haben uns an die Ablehnung gewöhnt“: Diskriminierung bei der Wohnungssuche in Augsburg

Augsburg

„Wir haben uns an die Ablehnung gewöhnt“: Wie Familie Zafari bei der Wohnungssuche ausgegrenzt wird

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    Abdullah Zafari und seine Familie suchen seit zwei Jahren eine Wohnung in Augsburg. Dabei erleben sie viel Ablehnung.
    Abdullah Zafari und seine Familie suchen seit zwei Jahren eine Wohnung in Augsburg. Dabei erleben sie viel Ablehnung. Foto: Annette Zoepf

    Der junge Mann mit der ruhigen Ausstrahlung spricht schnell und gewählt, obwohl Deutsch nicht seine Muttersprache ist. Jetzt studiert der 22-Jährige Informatik an der Technischen Universität München. Er hat zwei Brüder, 16 und 19 Jahre alt. Sein Vater ist Elektroingenieur, seine Mutter war in der Textilbranche tätig. Seit Ende 2022 lebt die fünfköpfige Familie in zwei Zimmern eines Übergangswohnheims im Augsburger Antonsviertel, Küche und Bad teilen sie sich mit anderen Bewohnern. Seit zwei Jahren finden sie keine eigene Wohnung. Für den Studenten gibt es einen klaren Grund, wieso die Familie kaum auf Besichtigungen eingeladen wurde: Sie haben keinen deutschen Namen. Abdullah Zafari erzählt, wie schwierig die Wohnungssuche in Augsburg ist, wenn kaum ein Weg an Diskriminierung vorbeiführt.

    2022 flohen er, seine Brüder und seine Eltern aus Afghanistan nach Deutschland. Sein Vater arbeitete als Elektroingenieur und hatte berufliche Kontakte nach Deutschland. „Nach der Machtübernahme durch die Taliban war er in Gefahr. Wenn Menschen Kontakt ins Ausland hatten, wurde ihnen Spionage vorgeworfen“, erzählt der 22-Jährige. Einmal seien die Taliban sogar zu ihnen nach Hause gekommen und hätten nach seinem Vater gefragt. „Zum Glück war er nicht da“, so Zafari.

    Familie Zafari lebt seit November 2022 in einer Gemeinschaftsunterkunft in Augsburg

    Seit ihrer Ankunft im November 2022 lebt die Familie in der Augsburger Gemeinschaftsunterkunft in der Windprechtstraße – eine schwierige Situation für sie. Abdullah Zafari schläft mit seinen zwei Brüdern in einem Zimmer, seine Eltern in dem anderen. Platz für einen Schreibtisch, an dem der Student lernen kann, gibt es nicht. Er fährt deshalb häufig in die Bibliothek der Uni Augsburg. „Anfangs haben wir nicht gesucht, da wir keinen Wohnberechtigungsschein hatten und nicht wussten, wie man das angeht“, sagt Zafari. Hilfe bei der Wohnungssuche erhielten sie unter anderem bei der Diakonie und dem Verein „Tür an Tür“.

    Etwa 200 Bewerbungen schrieb Abdullah Zafari an Vermieterinnen und Vermieter in den vergangenen zwei Jahren. Kein einziges Mal wurden er und seine Familie zu einer Besichtigung eingeladen. Mit diesen Problemen ist die Familie aus Afghanistan nicht allein. Laut Augsburger Antidiskriminierungsstelle entfielen im Berichtszeitraum 2024/25 rund acht Prozent der erfassten Diskriminierungsvorfälle, also 17 von 217 Fällen, auf den Bereich Wohnen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Kontext der Wohnungssuche, jedoch treffen auch im bestehenden Wohnumfeld Belastungen auf.

    Auch die Antidiskriminierungsstelle Augsburg berichtet von problematischen Vorfällen

    Eine Sprecherin schildert einen Fall, in dem eine Familie eine Vierzimmerwohnung suchte. „Nach zunächst positiver Rückmeldung änderte sich die Haltung des Vermieterehepaars, als bekannt wurde, dass der Familienvater aus Nigeria stammt“, so die Sprecherin. Die Vermieter seien nicht ganz sicher gewesen, ob der Vater „in die Hausgemeinschaft passe“, außerdem seien unangemessene und diskriminierende Fragen zur Hautfarbe gestellt worden. Die Familie entschied sich aufgrund dieser Erfahrungen gegen den Einzug.

    Zafari spricht beim Schildern seiner Erfahrungen explizit nicht von Rassismus, sondern von Vorurteilen. „Man hat Angst, wenn man etwas nicht kennt“, sagt er. „Wenn man bei der Wohnungssuche diskriminiert wird, wird man meist unterschätzt. Die Menschen lesen meinen Namen und gehen davon aus, dass ich kein Deutsch spreche“, so der Student. Die Diskriminierung drehe sich vor allem um Sprachkenntnisse, vermutet er. „Man sollte allen Menschen eine Chance geben. Wichtig ist letztlich, dass die Miete bezahlt werden kann“, so Zafari. Viel Ärger komme bei ihm inzwischen nicht mehr auf. „Wir haben uns an die Ablehnung gewöhnt.“ Rassismus habe er in Augsburg nicht erlebt, sondern im Gegenteil viele nette Menschen kennengelernt.

    Nach zwei Jahren hat Familie Zafari endlich eine eigene Wohnung in Aussicht

    Bis Ende Mai muss es mit einer Wohnung klappen, denn dann schließt die Unterkunft im Antonsviertel. Wer bis dahin nichts Neues gefunden hat, wird laut Zafari verlegt, entweder nach Neu-Ulm oder Kempten. Wer Geld für einen Makler zusammenkratzt, habe es leichter. Familie Zafari kann sich das jedoch nicht leisten. Irgendwann hatte der 22-Jährige die Idee, die Wohnungsanzeigen in der Zeitung durchzuschauen. Er telefonierte die Angebote ab – und hatte Erfolg. „Wenn die Leute hören, dass ich Deutsch spreche, bekommt man schon Besichtigungen. Per E-Mail geht es überhaupt nicht“, sagt er.

    Drei Wohnungsbesichtigungen ergaben sich aus den Telefonaten. Zwei der Objekte lagen in Oberhausen im Souterrain und glichen laut Zafari eher einem Keller mit kaum Licht. Bei der dritten Wohnung könnte es nun endlich geklappt haben. „In Lechhausen gibt es eine sehr nette Vermieterin, bei der wir hoffentlich einen Mietvertrag unterschreiben können. Aktuell warten wir noch auf die Bestätigung vom Jobcenter“, so Zafari.

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