Ramona Schirrmeister und ihr Sohn haben aufreibende Wochen hinter sich. Nach einer verpfuschten Schimmelsanierung entpuppte sich ihre Mietwohnung in Pfersee als lebensgefährlich. Immer wieder führten die Armaturen im Bad Strom, mitunter mehr als 200 Volt. Keine Sekunde wollte sie ihren Sohn dort noch alleinlassen. Insbesondere, nachdem er und auch sie bereits Stromschläge abbekommen hatten. Die alleinerziehende Mutter wollte nur noch eines: raus aus der Wohnung. Und sie ist froh, dass sie nun nicht mehr lang dort bleiben muss.
Denn nachdem sie den Fall öffentlich gemacht hatte und unsere Redaktion darüber berichtete, kam Bewegung in die Sache. Auch ein Fernsehteam von RTL meldete sich bei Schirrmeister und drehte in der Wohnung. „Zuerst konnte der Elektriker, den sie mit dabeihatten, keinen Strom messen. Dann ist er auf einmal immer wieder hochgeschossen. Er hat um die 200 Volt gemessen“, erzählt Schirrmeister über die Dreharbeiten. Trotz alledem habe ihr Vermieter weiterhin nicht reagiert. „Er war stinksauer, hat behauptet, mein Sohn würde lügen, und ich solle das unterlassen.“
Die Unterlagen vom Jobcenter kamen nach nicht einmal 24 Stunden
Ramona Schirrmeister aber ließ sich davon nicht beirren und klebte die Zeitungsartikel sogar in den Hausflur, um auch ihre Nachbarn zu warnen. Und plötzlich tat sich doch etwas. „Der Vermieter hat mittlerweile die Fachfirma, die die Wohnung als lebensgefährlich eingestuft hat, eingeschaltet, damit die wenigstens die Schutzleiter installieren.“ Anfang Juli soll der Termin sein. Doch dann, sagt Schirrmeister, müsse sich jemand anders darum kümmern. Bis dahin wird sie nämlich schon in eine neue Wohnung gezogen sein.
Denn parallel war die Mutter auch fieberhaft auf der Suche nach einer neuen Bleibe, die letztlich von Erfolg gekrönt war. „Ich habe den Tipp bekommen, mich direkt beim neuen Sozialreferenten der Stadt, Dirk Wurm, zu melden“, sagt Schirrmeister. Den kenne sie aus Pfersee bereits. „Unsere Kinder waren zusammen in einer Klasse.“ Nach der Ausstrahlung der Beiträge auf RTL sei alles sehr schnell gegangen. Die Stadt hatte eine Wohnung für sie gefunden. Doch weil Schirrmeister zwischenzeitlich ihre Arbeit verloren hatte, hatte sie befürchtet, dass die erforderlichen Unterlagen vom Jobcenter auf sich warten lassen würden. Mehrere Wochen Bearbeitungszeit sind hier keine Seltenheit.
In ihrer Wohnung haben sie nun auch kein fließendes Wasser mehr
Nachdem sich aber das Sozialreferat dahintergeklemmt habe, sei es unglaublich schnell gegangen. „Es hat keine 24 Stunden gedauert, dann hatte ich alle Dokumente.“ Damit war der Weg frei in die Wohnung der Wohnungsbaugenossenschaft. „Am 19. Juni bekommen wir die Schlüssel und dann können wir direkt loslegen mit dem Umzug.“ Schirrmeister und ihr 13-jähriger Sohn freuen sich darauf, nicht mehr beständig um ihr Leben fürchten zu müssen, wenn sie ins Bad gehen. Und auf fließendes Wasser. Zwischenzeitlich war auch der Wasserhahn in ihrer Küche nicht mehr nutzbar. „Wir haben uns mit dem Wasser aus Wasserflaschen die Hände gewaschen“, sagt sie.
Der Kühlschrank habe wegen der Probleme mit der Elektrik mittlerweile auch seinen Geist aufgegeben. „Wir sind froh, dass wir endlich hier herauskommen“, sagt die Mutter erleichtert. „Auch wenn wir kaum etwas mitnehmen können. Die Küche etwa ist hinten ganz verschimmelt. Dabei ist sie erst eineinhalb Jahre alt.“ Derweil würden die Schwarzarbeiter, die ihre Wohnung verpfuschten, beim Nachbarn gerade das Gartentor neu machen. „Dafür ist scheinbar Geld da. Aber wenn ich hier ausziehe und sehe, dass in diese Wohnung gleich wieder jemand einzieht, dann werde ich denen den Zeitungsartikel in den Briefkasten werfen. Das könnte ich mir nie verzeihen, wenn hier jemand einzieht, der nicht weiß, wie gefährlich das ist.“
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