Diese Woche sollten Autofahrerinnen und Autofahrer besonders aufmerksam unterwegs sein. Der Blitzermarathon 2026 läuft in Deutschland – und auch Nordrhein-Westfalen ist Teil der großangelegten Kontrollaktion. Doch wo ist besondere Vorsicht geboten? Wo stehen die Radarfallen wirklich? Während einige Bundesländer ihre Messstellen vorab offenlegen, halten andere sie bewusst unter Verschluss. Doch wie handhabt es Nordrhein-Westfalen – sind die Messstellen bekannt?
Blitzermarathon 2026 in NRW: Das steckt hinter den Verkehrskontrollen
Nordrhein-Westfalen bleibt Spitzenreiter, wenn es um Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen geht. Laut der Verkehrsunfallbilanz, die Innenminister Herbert Reul am 11. März 2026 in Düsseldorf vorgestellt hat, wurden im Jahr 2025 rund 656.000 Straßenverkehrsunfälle registriert. Dabei wurden etwa 80.500 Menschen verletzt, 479 kamen ums Leben. Auffällig ist vor allem die Entwicklung bei jungen Verkehrsteilnehmenden. Immer häufiger sind Kinder und Jugendliche in schwere Unfälle verwickelt – etwa auf E-Scootern. Gleichzeitig nehmen Fahrten unter Drogeneinfluss und illegale Straßenrennen zu.
Ein Blick auf die bundesweite Statistik des Statistischen Bundesamtes von 2025 unterstreicht die Dimension: Etwa jeder fünfte Unfall in Deutschland passiert in NRW. Kein anderes Bundesland verzeichnet mehr Vorfälle.
Für Innenminister Reul liegt die Ursache klar auf der Hand: nicht „unglückliche Umstände“, sondern „menschliche Fehler“ seien Grund für die hohe Anzahl an Verkehrsunfällen. Neben Unachtsamkeit, Handynutzung am Steuer, Alkohol und Rücksichtslosigkeit spielt ebenso überhöhte Geschwindigkeit eine große Rolle. Allein im vergangenen Jahr zählte die Polizei 2384 verbotene Autorennen. Die Folgen: Hunderte Unfälle und 19 Tote. Um die Verkehrssicherheit zu verbessern und gegen Raserei vorzugehen, beteiligt sich Nordrhein-Westfalen auch 2026 wieder am Blitzermarathon.
Blitzermarathon-Termin 2026: Wann findet er in NRW statt?
Die europaweite Kontrollaktion wird vom Polizeinetzwerk Roadpol koordiniert. Für 2026 stehen bereits mehrere Termine fest, zu denen die Geschwindigkeit verstärkt überwacht wird:
- Speedweek: 13. bis 19. April 2026
- Blitzermarathon-Höhepunkt: Mittwoch, 15. April 2026
- Speedweek: 3. bis 9. August 2026
In Nordrhein-Westfalen müssen sich Autofahrerinnen und Autofahrer nicht auf alle angekündigten Aktionen einstellen. Laut dem ADAC beteiligt sich das Bundesland nur an der Speedweek im April. Ein klassischer Blitzermarathon mit einem zentralen 24-Stunden-Schwerpunkt ist in NRW nicht geplant. Stattdessen setzt die Polizei auf verstärkte Kontrollen über die gesamte Woche hinweg. Ob die Sommeraktion umgesetzt wird, ist bislang (Stand: April 2026) noch offen.
Ziel der Maßnahmen ist es laut einem Sprecher des Innenministeriums NRW, auch stärker mit Verkehrsteilnehmern ins Gespräch zu kommen. Laut der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) erklärte das Ministerium: „Ein direkter Kontakt mit einem Polizisten im verkehrserzieherischen Gespräch zeigt mehr Wirkung als ein reines Blitzerfoto im Briefkasten.“
Messstellen in NRW: Wo wird 2026 geblitzt?
Ob Messstellen vorab bekannt gegeben werden, liegt laut dem ADAC im Ermessen der einzelnen Bundesländer. Während etwa in Bayern oder Thüringen vorab veröffentlicht wird, wo genau geblitzt werden kann, verzichten andere Länder bewusst darauf. So etwa Baden-Württemberg, Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz. Dort bleiben die Standorte geheim. Das soll, wie ein Sprecher des Stuttgarter Ministeriums unserer Redaktion mitteilte, dafür sorgen, „dass sich die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer flächendeckend und nicht nur punktuell an die geltenden Tempolimits halten“.
Doch wie ist es in Nordrhein-Westfalen? Konkrete Messstellen sind bislang nicht bekannt. Wie die WAZ berichtet, ist auch nicht damit zu rechnen, dass das NRW-Innenministerium die Standorte öffentlich macht. Ganz im Dunkeln tappen Verkehrsteilnehmende trotzdem nicht. Dem ADAC zufolge kontrolliert die Polizei vor allem an bekannten Unfallschwerpunkten und an Orten mit erhöhtem Gefährdungsrisiko. Dazu zählen Straßen rund um Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Altenheime oder Baustellen.
Aber auch außerhalb geschlossener Ortschaften, etwa auf Autobahnen und Bundesstraßen, wird verstärkt gemessen. Besonders aufmerksam sollten Fahrerinnen und Fahrer zudem in Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Duisburg sein.
Bußgeld in NRW: Welche Strafen drohen bei Tempoverstößen?
Zu schnelles Fahren kann teuer werden – und im schlimmsten Fall weit mehr als das. Wer deutlich zu schnell unterwegs ist, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Bei schweren Verstößen drohen dem ADAC zufolge Bußgelder von bis zu 800 Euro, dazu kommen zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot von bis zu drei Monaten. Das kann Fahrerinnen und Fahrer treffen, die innerorts das Tempolimit um 70 Stundenkilometer überschreiten. Doch auch deutlich geringere Überschreitungen bleiben nicht ohne Folgen: Bereits ab zehn Stundenkilometern zu viel werden 30 Euro innerorts und 20 Euro außerorts fällig.
Neben finanziellen Konsequenzen kann Raserei auch strafrechtliche Folgen haben. Wer etwa an Kreuzungen oder unübersichtlichen Stellen „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ rast und andere gefährdet, riskiert mehr als ein Bußgeld. Nach § 315c Abs. 1 Nr. 2 Strafgesetzbuch (StGB) können solche Verstöße eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren nach sich ziehen.
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