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Allgäu
23.05.2021

Zu viel Schnee: Kühe dürfen erst später auf Almen und Alpen

Wegen eines kühlen und nassen Monats Mai verzögert sich der Almauftrieb in Bayern.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Zehntausende Kühe verbringen jedes Jahr den Sommer in den Alpen. Wegen kühlen und nassen Wetters verzögert sich der Auftrieb. Für die Tiere hat das aber auch Vorteile.

Selbst für die Kühe beginnt der Sommer dieses Jahr mit Verspätung. In den höheren Bergregionen der Bayerischen Alpen liege derzeit noch zu viel Schnee, um die Tiere auf die Weiden zu führen, teilten der Alpwirtschaftliche Verein Allgäu (AVA) und der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern mit. Der Auftrieb werde deshalb voraussichtlich ein bis zwei Wochen später erfolgen als üblich, in Hochlagen teilweise wohl erst Mitte Juni. Für Kühe und Bergbauern könnte das nasskalte Wetter demnach aber auch Vorteile bringen.

"Der Schnee muss nicht von Nachteil sein", sagt AVA-Geschäftsführer Michael Honisch. "Dann ist die Versorgung mit Wasser für das Vieh nämlich erst einmal relativ gut gesichert." Der Niederschlag führe zudem dazu, dass das Gras auf den Weiden gut wachse. "Wir sehen das derzeit mit Gelassenheit", sagt Honisch. Auf den rund 700 Alpen des Allgäuer Vereins werden in diesem Sommer etwa 30.000 Jungtiere erwartet. Laut Honisch sind die Zahlen damit gegenüber dem Vorjahr konstant, damit sei man "zufrieden".

Leben im Laufstall: Viele Kühe sind Weiden gar nicht mehr gewohnt

Mehr Sorgen macht sich der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern. "Wir hätten noch viele Plätze frei auf den Almen", sagt Geschäftsführer Hans Stöckl. Rund 20.500 pro Jahr sind es nach Angaben des Fachzentrums Almwirtschaft in Holzkirchen. "Das Problem ist, dass viele größere Talbetriebe sich nicht mehr die Mühe machen wollen, das Jungvieh für ein paar Monate auf die Alm zu bringen." Viele Tiere seien Weiden zudem gar nicht mehr gewöhnt, weil sie einen Großteil ihrer Lebenszeit im Laufstall verbringen.

Der Almauftrieb ist heuer wohl erst Mitte Juni.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Das kann besonders auf Almen und Alpen zum Problem werden, da in den Sommermonaten dort wieder mit vielen Besuchern gerechnet wird. "Und eine Alpweide ist kein Streichelzoo", betont AVA-Geschäftsführer Honisch. "Der Kontakt mit dem Alpvieh bleibt das größte Problem mit Blick auf die Besucherzahlen."

Nicht angeleinte Hunde, Wanderer, die nachts Kühe aufschrecken, oder querfeldein fahrende Mountainbiker: Die Liste möglicher Konflikte zwischen landwirtschaftlichem Betrieb und Gästen ist lang. "Die allergrößte Zahl der Besucher ist aber kein Problem", betont Stöckl. "Einige wenige schwarze Schafe machen uns das Leben schwer."

Lawinengefahr: Wanderer sollten in den Alpen Vorsicht walten lassen

Wanderer sollten in den Alpen Vorsicht walten lassen.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa
 

Gerade die rund 170 bewirteten Alpen im Allgäu seien zudem auf Besucher angewiesen, sagt AVA-Geschäftsführer Honisch. Besonders die Sennalpen hofften nun darauf, vor Ort viel Käse verkaufen zu können. "Der wird im Winter eigentlich vor allem über Hotels vermarktet", sagt Honisch. "Das ist in diesem Jahr ausgefallen."

Doch auch Wanderer sollten bei Touren in höheren Alpenregionen immer noch Vorsicht walten lassen. Nach Angaben des Lawinenwarndiensts Bayern liegt in den Hochalpen immer noch so viel Schnee, dass Lawinen "vereinzelt auch größere Ausmaße annehmen können".

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