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Augsburg
13.01.2016

Betrugsprozess: Freispruch für Dr. Schottdorf und seine Ex-Frau

Augsburger Laborarzt Bernd Schottdorf.
Foto: Stefan Puchner, dpa

Seit Jahrzehnten wird der Augsburger Laborarzt immer wieder wegen Betrugs angeklagt. Doch auch dieses Mal sieht das Gericht die Vorwürfe nicht bestätigt.

Der Augsburger Laborarzt Bernd Schottdorf und seine Ex-Frau Gabriele sind vom Vorwurf des millionenschweren Betrugs freigesprochen worden. Die 9. Strafkammer des Landgerichts Augsburg hat am Mittwochvormittag am 23. Prozesstag sein Urteil verkündet. „Ein bewusstes und gewolltes Betrügen der Krankenkassen hat es nicht gegeben“, sagte die Vorsitzende Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser. Die Kosten des aufwändigen Verfahrens muss die Staatskasse übernehmen. Die Schottdorf-Firma Syscomp muss keine Geldbuße zahlen.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Schottdorfs vorgeworfen, mit der Gründung von scheinselbstständigen Außenlabors eine gesetzliche Regelung umgangen und damit fast 13 Millionen Euro zu viel kassiert zu haben. Staatsanwältin Simone Bader war der Ansicht, dass die Außenlabors nicht frei arbeiten konnten, sondern von der Augsburger Schottdorf-Firma Syscomp gesteuert wurden.

Doch die Wirtschaftsstrafkammer sieht die strafrechtliche Lage anders. Ein Abrechnungsbetrug in 124 Fällen sei nicht nachgewiesen worden.

Verteidiger von Schottdorf ist nach Urteil sehr zufrieden

Schottdorf-Verteidiger Martin Imbeck zeigte sich nach dem Urteil sehr zufrieden. Er stellte erneut fest, dass Schottdorf medizinisch notwendige Laborleistungen absolut korrekt erbracht habe. Die einzige Frage im Prozess sei gewesen, ob die Ärzte in den Außenlabors in ihrer Berufsausübung frei gewesen seien. Das habe Schottdorf mit vielen juristischen Beratern schon viele Jahre zuvor geprüft.

Bernd Schottdorf, 75, hat die Augsburger Justiz schon öfter beschäftigt, verurteilt wurde er bisher aber nie. In den 90er Jahren wurde ein Verfahren eingestellt. Im Jahr 2000 wurde der Laborarzt vom Vorwurf des Betrugs schon einmal freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft legte zwar Revision ein, nahm diese aber wieder zurück, so dass das Urteil in einem der bis dahin größten Betrugsprozesse im deutschen Gesundheitswesen rechtskräftig wurde. Die Vorwürfe damals ähnelten stark denen im neuen Prozess.

Laborarzt Schottdorf ist in der Branche schon lange umstritten

Schottdorf ist in seiner Branche schon lange umstritten. Er war der erste, der Computer in der Labormedizin eingesetzt hat. Damit wuchs sein Unternehmen so rasch, dass er zeitweilig Europas größter Laborunternehmer war. Immer wieder wurde er als „Grenzgänger“ bezeichnet, der die Regeln des Gesundheitssystem bis zum letzten ausreize. 2010 hat er sämtliche Chefposten innerhalb seines Firmengeflechts niedergelegt. Seine seit November 2015 von ihm geschiedene Frau Gabriele, 61, ist weiterhin Geschäftsführerin zweier Firmen. Bernd Schottdorf lebt auf Schloss Duttenstein zwischen Heidenheim und Donauwörth und entspannt sich beim Malen. Seine Ex-Frau wohnt wieder im Landkreis Augsburg.

Verteidiger Klaus Leipold hatte in seinem Plädoyer gesagt, er habe einen Wunsch: Dass die Schottdorfs nun endlich frei von strafrechtlichen Ermittlungen leben könnten. Diesen Wunsch hat das Gericht erfüllt. Doch es liegt nahe, dass die Staatsanwaltschaft wieder Revision beim Bundesgerichtshof einlegt. Sie beurteilt die juristische Lage anders, Staatsanwältin Simone Bader hatte viereinhalb Jahre Haft für die beiden Angeklagten gefordert. Mit einem Freispruch kann die Anklagebehörde nicht einverstanden sein.

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