Die Schlecker-Transfergesellschaft ist am Donnerstag gescheitert, weil drei Länder mit FDP-Wirtschaftsministerium - Sachsen, Niedersachsen und Bayern - nicht bereit waren, sich an einer Kreditbürgschaft zu beteiligen. Jetzt stehen 11.000 Schlecker-Beschäftigte vor der Arbeitslosigkeit.
Wirtschaftsminister Zeil verteidigt FDP-Entscheidung im Fall Schlecker
Für die Entscheidung hagelt es nun kräftig Kritik an der FDP. Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hat das weithin kritisierte Vorgehen seiner Partei in den Schlecker-Verhandlungen verteidigt. In weiten Teilen Bayern herrsche Vollbeschäftigung, sagte Zeil am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". "Wir werden mit der Bundesagentur für Arbeit und allen Instrumenten dafür sorgen, dass die betroffenen Menschen wieder in Beschäftigung kommen." Es sei nicht die Aufgabe des Steuerzahlers, die "Verantwortung für jahrelange Fehlentscheidungen im Management" zu übernehmen.
Schlecker-Beschluss werde nicht hinreichend verteidigt
Drogeriekette: Das ist Schlecker
Mit 21 Jahren, 1965, steigt der gelernte Metzgermeister Anton Schlecker in die väterliche Fleischwarenfabrik in Ehingen bei Ulm ein.
Das Unternehmen erwirtschaftet damals mit 17 Metzgerei-Filialen nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von 7,2 Millionen Euro.
Im gleichen Jahr gründet der Junior-Chef das erste Selbstbedienungs-Warenhaus am Rande der schwäbischen Stadt.
Damit legt er die Basis für eine europaweit aufgestellte Drogeriemarktkette, zu der seit 2007 auch die Kette "Ihr Platz" gehört.
Schlecker war mit etwa 10.000 Filialen, einem Umsatz von 7,42 Milliarden Euro und über 50.000 Beschäftigten Europas führender Drogeriemarkt-Unternehmer.
Auch die deutschen Drogerieketten führte er an, gefolgt von dm und Rossmann.
Im Januar 2012 geht Schlecker in die Insolvenz.
Mai 2012: Schlecker wird zerschlagen. Für die insolvente Drogeriemarktkette sieht der Gläubigerausschuss "keine Perspektive" mehr.
Im November 2017 wird Anton Schlecker wegen Bankrotts zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Seine Kinder erhalten Gefängnisstrafen.
Zeil kritisierte den Koalitionspartner CSU, der den Schlecker-Beschluss nicht hinreichend in der Öffentlichkeit verteidige. "Unser Kabinettsbeschluss war einhellig", sagte Zeil. "Ich wundere mich, dass sich manche in der öffentlichen Debatte nun davonmachen wollen." Der grün-roten Landesregierung in Stuttgart, die die Schlecker-Verhandlungen geleitet hatte, warf Zeil vor, sie habe "die Dinge viel zu lange treiben lassen".
Erinnerung an Opel-Diskussion
Auch der designierte FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Christian Lindner, verteidigte den Kurs seiner Partei. "Der Staat kann nicht einem einzelnen Unternehmen zu Hilfe eilen", sagte Lindner in der ARD-Sendung "Beckmann" am Donnerstagabend. Die Situation bei der Drogeriekette erinnere ihn an die Diskussion um Opel und den Baukonzern Holzmann. "Meine These ist, dass wir über Schlecker deshalb so intensiv diskutieren, weil es einmal 11.000 Mitarbeiter sind", sagte Lindner. "Wären es elf mal tausend, würde kein Mensch diesen Unternehmen zu Hilfe eilen."
afp/AZ