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Fasching

19.02.2020

Faschingskostüme für Tiere im Test: Lustig oder Tierquälerei?

Emma, Hündin von Redakteurin Maria Heinrich, ist neugierig auf das, was vor ihr auf dem Boden liegt.
Bild: Maria Heinrich

Plus Im Internet häufen sich Fotos von Hunden und Katzen, die verkleidet werden. Tierschützer lehnen das ab. Wer nicht darauf verzichten will, sollte einiges beachten.

Ballerina oder Prinzessin, Cowboy, Elch, Raupe, Einhorn mit Glitzer, Superman mit Cape, Hummel, Basketballspieler, Dinosaurier, Marienkäfer, Krabbe, Zombie und und und. Wer dachte, es gebe allein für Menschen unzählige Kostüme, Accessoires oder Basteltipps, um sich an Fasching zu verkleiden, liegt falsch. Tausende Fotos in den sozialen Medien zeigen einen neuen Trend: den eigenen Hund oder die Katze an Fasching oder zu Halloween zu kostümieren. Allein der Hashtag #dogcostume hat auf Instagram über 298.000 Beiträge, unter #catcostume sind über knapp 90.000 Fotos zu finden. Auf Pinterest – einer Plattform für Bilder ähnlich wie Instagram – sind neben Fotos von verkleideten Hunden und Katzen auch zahlreiche Anleitungen zum Selberbasteln von Kostümen zu finden.

Ist ein Faschingskostüm für Hunde geeignet? Das hat Redakteurin Maria Heinrich mit ihrer Hündin Emma getestet.
Video: Maria Heinrich/Ida König

Auch in diversen Shops im Internet werben Anbieter mit einer riesigen Auswahl an Kostümen für die lieben Vierbeiner. Es ist nicht überraschend, denn der Markt für Heimtierbedarf in Deutschland boomt. Das ist das Ergebnis des Jahresberichts des Industrieverbandes Heimtierbedarf. 2010 lag der Umsatz für Bedarf und Zubehör in Deutschland bei 930 Millionen Euro. 2018 stieg der Umsatz auf 997 Millionen Euro. Darunter gab es zwei eindeutige Wachstums-Gewinner. Zum einen der Bereich Hundezubehör – darunter fallen zum Beispiel Leinen, Halsbänder und Spielzeug – mit 202 Millionen Euro und einem Plus 5,2 Prozent sowie Katzenzubehör mit 204 Millionen Euro und einem Plus von 3,0 Prozent.

Hündin Emma, sechs Jahre alt, probiert für ein paar Minuten ein Faschingskostüm für Hunde an.
Bild: Maria Heinrich


Faschingskostüme für Tiere im Test: Lustig oder Tierquälerei?

Der Deutsche Tierschutzbund lehnt Tierkostüme ab

Hunde und Katzen an Fasching als Pirat oder Krümelmonster zu verkleiden, sieht Marina Haber kritisch. Die Hundephysiotherapeutin aus Bobingen im Landkreis Augsburg sagt: „Ich persönlich finde es nicht so gut, wenn man seinem Tier ein Kostüm anzieht. Aber wenn es der Halter unbedingt machen will, sollte er auf ein paar Dinge achten.“ Das Kostüm sollte zum Beispiel aus einem atmungsaktiven Material gefertigt sein und eine gute Passform haben. Es sollte genug Abstand zu den Achseln und Freiraum an den Schultern lassen, damit der Hund beim Sitzen, Liegen und Laufen nicht eingeschränkt ist.

Das Tier sollte sich so frei bewegen können, dass es mit dem Kostüm auch herumtoben könnte. „Für ein paar Minuten kann man das spaßeshalber vielleicht mal machen. Aber es gibt Dinge, die sind für mich einfach tabu.“ Das Kostüm darf zum Beispiel nicht über die Augen, Ohren und Nase gehen, damit der Hund beim Sehen, Hören und Atmen nicht behindert wird. Auch spitze Gegenstände, die vielleicht in den Stoff der Verkleidung eingearbeitet sind, lehnt Marina Haber grundsätzlich ab, denn der Hund könnte sich dabei verletzen. Katzen seien noch mal ein besonderer Fall. „Sie sind viel sensibler und wehren sich auch deutlicher, wenn sie etwas nicht mögen.“ Grundsätzlich empfiehlt die Hundephysiotherapeutin, vor allem auf die Signale des Tieres zu achten und es zu respektieren, wenn es sich unwohl fühlt. Halter sollten auf bestimmte Anzeichen achten. „Das kann zum Beispiel sein, wenn sich der Hund nicht bewegen möchte oder deutliche Anzeichen von Angst zeigt.“

Das Gleiche empfiehlt auch Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund. Wenn der Hund zum Beispiel die Ohren zurücklegt, der Blick zur Seite geht, die Rute hängen lässt, hechelt, gähnt und sich das Maul leckt, sind das eindeutige Stresssymptome. Sie sagt: „Ein Schleifchen, zum Beispiel umgebunden für die Zeit eines Fotos, schadet dem Tier sicherlich nicht sofort. Verkleidungen sind aber nicht tiergerecht und es sollte kein Risiko eingegangen werden.“

Das Superman-Kostüm kann mit Schleifen locker befestigt werden.
Bild: Maria Heinrich

Wenn das Kostüm nicht richtig passt oder einschneidet, kann es passieren, dass das Tier überhitzt oder sich verletzt – etwa wenn das Material nicht atmungsaktiv ist oder die Haut wund gerieben wird. Auch besteht die Gefahr, dass das Tier mit dem Kostüm oder mit einem Accessoire hängen bleibt und sich im schlimmsten Fall stranguliert. „Das Wohl des Tieres sollte immer über den modischen Vorstellungen des Halters stehen“, sagt Katrin Umlauf. Auch von Faschingsumzügen rät der Deutsche Tierschutzbund ab. Viele Menschen verursachen Lärm und Durcheinander, was bei vielen Hunden Stress und Angst auslösen kann.

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