Augsburg Es war die Vision vom Gesundheitsstandort Bayern. Unter dem Motto „A better state of health“ startete die Staatsregierung mit Informationen auf Englisch, Russisch und Arabisch vor vier Jahren eine Kampagne, um mit zahlungskräftigen ausländischen Patienten die Gesundheitsbranche anzukurbeln. Doch die Hoffnungen auf einen florierenden Medizintourismus haben sich bisher nicht erfüllt. Dies bestätigte der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Siegfried Hasenbein, gegenüber unserer Zeitung. „Es gibt durchaus Kliniken, die diese Patienten aufnehmen. Nach unseren Beobachtungen sind das aber nur einige wenige, die von der Kundschaft aus dem arabischen Raum profitieren.“
In Bayern sind es etwa die Universitätskliniken – und hier vor allem in München –, Krankenhäuser mit einem hohen Spezialisierungsgrad, aber auch das Augsburger Klinikum, das dafür eine eigene Privatstation eingerichtet hat. Hasenbein: „Der arabische Scheich, an den man dabei in der Regel denkt, erwartet Hightechmedizin, hohen Komfort und vielleicht sogar einen Gebetsraum.“ Die Krankenhäuser müssten sich auf fremde Sprachen, Kulturen, Religionen und auch Essgewohnheiten einstellen. „Sie werden sehr wohl abwägen, ob das Verhältnis von Aufwand und Ertrag stimmt.“
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kamen im Jahr 2010 712 Patienten aus Saudi-Arabien nach Deutschland. Davon ließen sich 193 in Bayern behandeln. Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden 1078 Patienten im Freistaat gezählt. Und die Zahlen stagnieren in den letzten Jahren.
Ohnehin, sagt Hasenbein, hätten sich die Kliniken keine allzu hohen Erwartungen gemacht und die Situation realistisch eingeschätzt. Er selbst sagt auch: „Ich glaube, dass das Thema zu hoch gehängt wird. Damit sind die Probleme und Nachteile unseres Gesundheitssystems nicht zu lösen. Es wäre ein Zuckerl gewesen, aber es gab nie die Hoffnung auf einen großen wirtschaftlichen Aufschwung.“
Hasenbein setzt vielmehr auf politische Lösungen, um die angespannte Haushaltslage der Krankenhäuser zu verbessern. Bekanntlich fordern die Kliniken eine finanzielle Hilfe des Staates für das Jahr 2012, um aus dem vorhandenen Budget wenigstens die Tarifsteigerung bezahlen zu können.
In Berlin liegt inzwischen ein Arbeitspapier der Unionsfraktion vor, das sich nach Worten Hasenbeins „auf die Forderung der Krankenhäuser zubewegt“. Von einer einvernehmlichen Lösung sei man jedoch noch ein gutes Stück entfernt. (mit dpa) "Kommentar