Mächtige Staufer-Burg im Frankenland statt barockem Kloster im schwäbischen Allgäu: Die Bayern-SPD bricht nach der schweren Wahlniederlage bei der Landtagswahl im Oktober mit einer jahrzehntelangen Tradition und wird ihre Klausursitzungen künftig nicht mehr im früheren Benediktinerkloster Irsee bei Kaufbeuren im Landkreis Ostallgäu abhalten.
Nach Informationen unserer Redaktion ist stattdessen die Nürnberger Burg, die hoch über der Frankenmetropole thront, als zukünftiger Tagungsort der SPD-Landesgruppe im Bundestag sowie der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag im Gespräch.
SPD-Landesgruppenchef: "Wir schneiden die alten Zöpfe ab"
„Wir schneiden die alten Zöpfe ab“, bestätigte SPD-Landesgruppenchef Martin Burkert, der selbst aus Nürnberg stammt, unserer Redaktion. Nach dem Debakel bei der Landtagswahl stehe „alles auf dem Prüfstand“, betonte Burkert. Auch der neue Fraktionschef der Landtags-SPD Horst Arnold kommt aus der Metropolregion Nürnberg und vertritt den Wahlkreis Fürth.
Damit geht in der bayerischen SPD eine Ära zu Ende. Das Kloster Irsee bei Kaufbeuren im Landkreis Ostallgäu war für die Bayern-SPD das, was einst Wildbad Kreuth für die CSU war. Doch mittlerweile tagt die CSU im Kloster Seeon am Chiemsee. Hinter den dicken Klostermauern im Allgäu wurde so manche wichtige politische Weichenstellung vorgenommen, zahlreiche SPD-Chefs und andere hochkarätige Politiker waren in der Vergangenheit Gast bei der traditionellen Winterklausur Anfang Januar.
Nach Informationen unserer Redaktion spielten bei der Entscheidung, Irsee den Rücken zu kehren, Kostengründe eine Rolle, aber auch die zentrale Lage und die deutlich bessere Erreichbarkeit von Nürnberg waren ein wichtiges Argument.