Von Michael Hörmann Augsburg bekommt einen neuen Oberbürgermeister. Er heißt Kurt Gribl. Der parteilose Bewerber der CSU löst Amtsinhaber Paul Wengert (SPD) ab und stürzt ihn vom Thron. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte der Stadt wurde ein Oberbürgermeister abgewählt.
Das Ergebnis der gestrigen Stichwahl war eindeutig. Gribl kam auf 55,9 Prozent, Wengert erhielt lediglich 44,1 Prozent. Am Willen der Bürger gibt es daher nichts zu deuteln. Das wurde von der SPD am gestrigen Abend eingeräumt. Bereits im ersten Wahlgang hatte Gribl dem Amtsinhaber den Rang abgelaufen, vor zwei Wochen stand der 43-jährige Fachanwalt bei 43,6 Prozent, Wengert bei 40,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung am 2. März lag bei 47,6 Prozent.
Bei der Stichwahl ging die Wahlbeteiligung auf 45 Prozent zurück. Beobachter werten diese Zahl als Zeichen, dass die Augsburger durchaus ein Interesse daran hatten, wer ihr Oberbürgermeister werden soll. Denn in der Regel ist die Beteiligung bei einer Stichwahl deutlich geringer als im ersten Wahlgang.
Die Spannung war gestern Abend im Rathaus spürbar. Über 400 Menschen verfolgten das Geschehen. Auf einer Wand wurden aktuelle Zwischenstände bekannt gegeben. Frühzeitig war klar, dass Gribl das Rennen macht. Der Sieger des Wahlabends kam bereits um 18.30 Uhr mit seiner Frau Susanne unter dem Jubel seiner Anhänger in den Oberen Fletz. "Ich bin einfach nur glücklich über dieses Ergebnis", waren seine ersten Worte.
Später am Abend, als sich die große Anspannung der vergangenen Wochen gelöst hatte, gab Gribl gegenüber unserer Zeitung Einblick, wie er jetzt politisch weiter verfahren werde. "Am Dienstag und Mittwoch werde ich intern mit meinen Freunden von der CSU die Schwerpunkte unserer künftigen Arbeit setzen." Danach folgten die Gespräche mit den Bündnispartnern Pro Augsburg, FDP und Freien Wählern. Gemeinsam bilden sie das bürgerliche Lager, das ab Mai die Regierungsverantwortung im Rathaus übernimmt.
OB Paul Wengert räumt seinen Amtssessel zum 30. April. Die eigene Niederlage nahm der 55-Jährige gestern vergleichsweise gelassen auf. "Ich bin enttäuscht", waren seine ersten Worte, als er gegen 18.35 Uhr im Oberen Fletz eintraf. Das eigene schwache Wahlergebnis von 44,1 Prozent setzte ihm zu: "Das habe ich nicht verdient, wie sich an unserer Leistungsbilanz nachprüfen lässt." Als Gründe für die Wahlniederlage sah der SPD-OB den Wahlkampf der CSU, "die mit aller Wucht von der bayerischen Staatsregierung getragen wurde. Das war Wahlkampf des großen Geldes."
Über sein weiteres Agieren wollte Wengert gestern Abend noch nicht allzu viel sagen. Es ist zumindest denkbar, dass er der Stadt den Rücken kehrt. "Das alles ist eine private Entscheidung. Und die gilt es in nächster Zeit zu treffen." Wengert steht vor der Frage, ob er wieder als Richter arbeiten soll oder ob er womöglich als Berater tätig sein wird. Auch die Fortsetzung der politischen Laufbahn ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Politische Beobachter gehen gegenwärtig davon aus, dass Wengert wohl kaum dem neuen Stadtrat als einfaches Stadtratsmitglied angehören wird.