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Nürnberg: Augsburger Band eröffnete "Rock im Park"

Nürnberg

Augsburger Band eröffnete "Rock im Park"

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    Jugendliche albern am Freitagabend in Nürnberg (Bayern) beim Musikfestival Rock im Park 2010 auf ihrem Zeltplatz am Ufer des Dutzendteichs herum.
    Jugendliche albern am Freitagabend in Nürnberg (Bayern) beim Musikfestival Rock im Park 2010 auf ihrem Zeltplatz am Ufer des Dutzendteichs herum. Foto: jok/sb

    "Rock im Park" wurde am Samstag von niemand geringerem eröffnet als Roman Fischer aus Augsburg. Die Fans standen schon vor Einlass Schlange.

    Gut, zugegeben, es waren vielleicht 70 Leute, die am Samstagmittag darauf warteten, dass die Alternastage endlich geöffnet wurde. Dort trat um 12.45 Uhr Roman Fischer mit seiner Band auf. Und bot eine nette Erscheinung, eine gut gelaunte Veranstaltung. Zum Schluss standen insgesamt 150 Leute vor der Bühne. Ein Bruchteil der 60.000 Menschen, die bei "Rock am Ring" sind, aber egal. Die Band bot Indio, angeführt von Fischers Stimme. Singen kann der Kerl! Hinterher war der Augsburger richtig stolz über den großen Auftritt und sprach vom besten Konzert überhaupt. Es klang einfach dankbar, für die Chance, bei Rock im Park und Rock am Ring dabeigewesen zu sein.

    Wie anders war da der Freitag gewesen: Nach dem Konzert-artigen Donnerstag war der Freitag ein Start mit Vollgas ins eigentliche Festivalgetümmel. Und zwar, jaja, hört hört, ins Sommer-Festivalgetümmel! Unter wolkenlos blauem Himmel flossen von Mittag an Menschenströme aus der dröhnenden Zeltstadt rund um den Dutzendteich in die dröhnende Bühnenstadt am Zeppelinfeld und zurück und überhaupt in alle Richtungen - und sofern sie dabei zu viel in sich reinfließen ließen, zeigte ihnen die Sonne schnell, dass sie auch von 0 auf hundert kann. So sah man so manchen, erschlagen, mit überhitztem Alkoholschädel am Wegesrand liegen - gescheitert auf irgendeinem Weg zu irgendeiner Band.

    Davon jedenfalls gab's reichlich. 25 Konzerte an einem Tag, holla.

    Am leichtesten ist's immer noch für den Fan, der alles andere eben mal so mitnimmt, aber im Grunde mit einer bestimmten Erwartung Richtung Bühnen geht. Am Freitag waren das sicherlich die meisten bei Rammstein. Richtig voll war's denn auch vor der Centerstage, als Till Lindemann und Konsorten um 21.30 Uhr loslegten - mit all dem üblichen Brimborium: brennenden Menschen, Explosionsgeräuschen, Feuerwerk, einer theaterhaft inszenierten Show, die aber Open Air ein bisschen was von Wucht und Wirkung einbüßt.

    Ganz im Gegenteil zum gnadenlos stampfenden Sound, der Rammsteinfreunde Song für Song (ja sie haben auch den indizierten Folter-Song gesungen, aber natürlich ohne die hässliche Stelle mit dem Stacheldraht etwa) ins Verzückung versetzt, aber auch dafür sorgt, dass bloß Neugierige sich nach ein bisschen Gucken wieder verziehen. Mancher Nicht-Fan fand's vielleicht auch komisch, auf dem Zeppelinfeld, wo dereinst Reichsparteitage abgehalten, wo martialische Massenbilder der Nazis inszeniert wurden, Songs wie "Links 2, 3, 4" zu hören, bei jedem "Links" ein "Hey" aus Tausenden von Kehlen hinterhergebrüllt…

    Aber es gibt ja zu jedem Zeitpunkt des Festivals reichlich anderes. Und wer nicht gerade mal durch die Budenstraße bummeln, einen Bungeejump wagen oder ein bisschen im Trampolinland hüpfen wollte, der konnte immer noch zu HIM. Die Freunde aus Finnland spielten zur Belohung für all die, die dem Rammstein-Rumms zu ihren Gunsten entsagt hatten auch schon früh das noch immer schöne "Join me". Und der liebe, düstre Ville Valo sang seine liebe, düstre "Wicked Game"-Version und schließlich sogar noch ein Billy-Idol-Cover: "Rebel Yell". Und das aus diesem zarten Munde…

    Und ebenfalls gleichzeitig auf der Clubstage in der Halle luden Delphic zum Tanz mit ihrem neuen Madchester-Sound, Indie-Rock kombiniert mit den elektronischen Einflüssen ihrer dafür dereinst legendären Heimat Manchester. Sehr mitreißend auch das. Hach, wo wie soll man sich da bloß entscheiden?

    So ging's ja eh schon den ganzen Tag. Gleichzeitig etwa lockten auch, alle auf ihre Art: die Metal-Jungs von "Bullet for my Valentine", der aktuelle Party-HipHop-Hype von "Dizee Rascal" und die wirklich sehr schön melodisch rockenden Herren von "Linvingston". Wie gesagt: Der Fan hat's eh leicht - und alle anderen flanieren eben von hier nach da, auch nicht so schlimm, bei dem Wetter!

    "Bad Religion" feiern das 30-Jährige

    Was noch war: Die Punk-Helden von "Bad Religion" feierten ihr 30-jähriges Bestehen mit ziemlich breiigem Sound, aber eben doch auch knallern wie "Generator" oder "21st Century Digital Boy". "Gogol Bordello", die ukraninischen Gypsy-Punks haben wieder richtig abgeräumt. Jahr für Jahr kommen die wieder hier in den Park und Jahr für Jahr wird die hüpfende Masse größer und euphorischer: echte Live-Band, wunderbarer Wahnsinn! Wie darauf dann Tocotronic passen sollten? Vor allem, weil direkt nach den Hamburger Diskurs-Freunden dann wieder Irrsinn angesagt war mit Howlin' Pelle Almqvist und seinen "The Hives". Jedenfalls versuchte sich Dirk von Lotzow auch in festivaltauglicher Parolenschwingerei, forderte erhobene linke Fäuste und absolvierte damit eher ein bisschen Zirkus, ein bisschen Albernheit angesichts der unterhalterischen Wucht, die folgte, siehe Pelle.

    Eine echte Heldenerscheinung

    So ging's dahin, "In Extremo" fackelten mit neuem Drummer und auch schon ein bisschen Feuereinsatz in Richtung Rammstein, "Die Sterne" zeigten sich zu später Stunde gemäß ihrer neuen Platten noch tanzbarer als ohnehin immer schon - jaja, viel deutsche Bands am Start an diesem Freitag - und wiederum gleichzeitig dazu gab's eine echte Heldenerscheinung: "Them Crokked Vultures". Die Band hat sich bekanntlich aus Versatzstücken der Rockgeschichte formiert: Led Zeppelin, Nirvana, Queens of the Stone Age. Was die Herren da auf der Alternastage boten, war denn auch virtuos rockend und kompromisslos unpoppig vom Soungwriting her. Keine Hymnen. Und tatsächlich gab's viele, die da von diesem Tag noch immer nicht erschlagen war, die hüpfen, klatschten, feierten - verblüffend. Aber vielleicht waren das ja auch nur all die Fans, die sich aufgespart hatten, für diese, ihre Band.

    Heute jedenfalls geht's nicht weniger bunt weiter. Oder: Wie passt denn Slash zu Cypress Hill, und wie Jay-Z zu Kiss? Und das war erst das Lineup der Centerstage! Nebenan: Kasabian und die Editors und ein echter deutscher Abend mit den Jan Delay und den Sportfreunden Stiller. Gleich um 12.45 Uhr eröffnet übrigens ein Augsburger den Tag: Roman Fischer. Wolfgang Schütz

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