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Oberbayern: Warum sterben immer wieder Taucher im Walchensee?

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Warum sterben immer wieder Taucher im Walchensee?

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    Kann verhängnisvoll für Taucher werden: Der Walchensee im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.
    Kann verhängnisvoll für Taucher werden: Der Walchensee im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Foto: Sven Hoppe, dpa

    Der Walchensee im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen macht immer wieder mit Tauchunfällen traurige Schlagzeilen. Erst am vergangenen Wochenende ist ein 34-jähriger Österreicher tödlich verunglückt, die Rettungskräfte bargen den Mann aus rund 40 Metern Tiefe. Er hatte mit seiner Freundin und einem Tauchguide einen Erlebnistauchgang unternommen. Auch im März starb eine 51-jährige Taucherin im Walchensee.

    Warum kommt es an diesem See immer wieder zu solchen Tauchunglücken? Und was sollten Hobbytaucher beachten?

    Michael Happernagel ist Rettungstaucher bei der Kreiswasserwacht Augsburg Land und schon selbst einige Male im Walchensee getaucht. Das Besondere am Walchensee sind seiner Meinung nach die Steilwände im See: "Die Galerie ist ein Paradebeispiel für das Steilwandtauchen", sagt er. Bis über 100 Meter tief geht die Steilwand im Walchensee und kann in kurzer Zeit zum Verhängnis werden. "Wenn es so senkrecht in die Tiefe geht, kann man schnell die Orientierung verlieren", erklärt Happernagel.

    An den Steilwänden im Walchensee verliert man schnell die Orientierung

    Doch beim Tauchen lauern noch andere Risiken: "Zu den größten Gefahren beim Tauchen gehört die Selbstüberschätzung", sagt Happernagel. Wenn man ungeübt in große Tiefen hinabtauche, könne es zum Tiefenrausch kommen. Das sind narkotische Zustände, die sich ähnlich wie ein Alkoholrausch anfühlen.

    Symptome sind zum Beispiel Glockenklänge in Ohren, Halluzinationen oder irrationale Handlungen. "Da kann es zu Panikreaktionen kommen und der Taucher schießt vielleicht unkontrolliert an die Oberfäche." Panik kann jedoch nicht nur durch den Tiefenrausch entstehen, sondern auch durch die Dunkelheit, Kälte und Tiefe, die tief unten im See lauert.

    Eine andere Gefahr kann laut Happernagel sein, dass die Handhabung der Ausrüstung unter Wasser nicht klappt oder Teile der Ausrüstung versagen. Deswegen sollte die Tauchausrüstung immer gut gewartet sein und der Taucher auch in Selbstrettung trainiert sein.

    Tauchgänge müssen sorgfältig geplant und vorbereitet werden

    "Es gibt ein paar Grundregeln, die sollte man beim Tauchen immer beachten", erklärt Happernagel. Die erste: "Tauche nie alleine." Denn wenn man zu zweit unterwegs ist, kann man sich notfalls gegenseitig retten. Auch die gegenseitige Kontrolle ist wichtig. So helfen etwa Fragen oder kleine Rechenspiele, die man mit den Fingern beantwortet, dabei, einen Tiefenrausch beim Partner zu erkennen. "Wenn ich meinen Partner frage, wie es ihm geht, und er mich nur blöd angrinst, weiß ich, dass wir besser wieder aufsteigen sollten", sagt Rettungstaucher Happernagel.

    Eine weitere Regel fürs Tauchen: Tauchgänge müssen sorgfältig geplant sein. Wie weit gehe ich mit meinem Partner in die Tiefe? Habe ich genügend Reserven dabei? Hierbei ist vor allem der Luftvorrat wichtig. "Es ist immer besser, mehr mitzunehmen, als man braucht." Auch eine Reservelampe empfiehlt sich, falls die andere kaputt geht.

    Außerdem sollte man immer im Training bleiben, um im Notfall sich oder seinen Partner retten zu können. "Wenn der Partner Panik bekommt, hält man ihn an seiner Ausrüstung fest, beruhigt ihn und steigt langsam mit ihm auf", erzählt Happernagel.

    Das langsame Aufsteigen aus großer Tiefe ist dabei sehr wichtig. Denn beim Tauchen sammelt sich im Körper Stickstoff an, der beim Aufstieg wieder abgeatmet werden muss. Deshalb steigen Taucher in Sicherheitsstufen auf und ab, bei denen sie alle paar Meter verweilen, damit sich der Körper an die Tiefe gewöhnen kann.

    Der langsame Aufstieg ist beim Tauchen sehr wichtig

    Wenn ein Taucher zu schnell an die Oberfläche schießt, kann der Stickstoff Bläschen in der Blutbahn bilden und es kann zu Gasembolien in der Lunge oder gar einem Lungenriss kommen. Ist das der Fall, müssen die Retter der Wasserwacht den Taucher an der Wasseroberfläche bergen und erste Hilfe leisten. Womöglich muss er in einer speziellen Druckkammer weiterbehandelt werden.

    "Wenn Taucher aber in großen Tiefen verunglücken, dauert die Suche oft lange", erzählt Happernagel. Rettungstaucher wie er dürfen nur in einer Tiefe von bis zu 30 Meter suchen. Ist der verunglückte Taucher tiefer gesunken, müssen Bergungsunternehmen mit Robotern arbeiten oder Bergungskräfte mit speziellen Gasgemischen anrücken. "Doch diese brauchen oft eine bestimmte Vorlaufzeit", sagt Happernagel. Dann sei leider mit Sicherheit davon auszugehen, dass der Taucher nicht mehr lebend gerettet werden kann. piar (mit dpa)

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