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Prozess Ursula Herrmann
19.02.2009

Angeklagter: "Am Ende werde ich freigesprochen"

Foto: Fred Schöllhorn/dpa/ddp

27 Jahre hat es gedauert. Seit heute nun wird der schreckliche Tod der kleinen Ursula Herrmann aus Eching vor Gericht aufgearbeitet.

Es ist ein Mammutprozess. Seit heute wird vor dem Landgericht Augsburg die tödliche Entführung der kleinen Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee aufgerollt. Die damals Zehnjährige war in einer Kiste verscharrt worden und qualvoll erstickt. Von Ina Kresse und Sascha Borowski

Heute, nach mehr als 27 Jahren, hat das Verfahren gegen den mutmaßlichen Entführer Werner M. und dessen Ehefrau begonnen. Und wurde schon nach wenigen Minuten zum ersten Mal unterbrochen. Walter Rubach, Verteidiger des angeklagten Werner M., beantragte, den Prozess für zwei Monate auszusetzen.

Seine Begründung: Das Gericht habe viele wichtige Akten nicht eingesehen, die von der Polizei ungewöhnlich einsortiert worden waren. Demnach gebe es in dem Ermittlungsverfahren 65.000 Seiten polizeilicher Akten, von denen das Gericht lediglich 15.000 gesehen habe. Und diese enthileten viele Details, die für die Klärung des Falles wichtig seien.

Das Gericht jedoch wies den Antrag auf Aussetzung ab. Man habe ausreichend Akten gesichtet, erklärte der Vorsitzende des Schwurgerichts Wolfgang Rothermel.

Doch wer von den Prozessbeobachtern glaubte, das Verfahren würde nun seinen weiteren Verlauf nehmen, der hatte sich getäuscht. Denn nun beantragte Verteidiger Wilhelm Seitz ebenfalls eine Aussetzung des Verfahrens. Gleiches Spiel wie vorhin: Die Richter unterbrachen den Prozess noch einmal, um sich zu beraten, lehnten den Antrag jedoch erneut ab.

Der angeklagte Werner M., der vor Gericht ruhig, manchmal sogar etwas überheblich wirkte, las nun seine schriftliche Erklärung vor. Akzentuiert und langsam. Lediglich in der Mitte der 20-seitigen Erklärung bat der Angeklagte einmal um ein Glas Wasser. Er habe mit dem Tod Ursula Herrmanns nichts zu tun, beteuerte Werner M. Er habe die in seiner Nähe wohnende Familie allenfalls flüchtig gekannt. "Ich bedauere den Tod von Ursula Herrmann sehr", sagte er. Aber er habe nichts damit zu tun.

Zu jedem einzelnen Punkt der Anklage nahm der 58-Jährige dann in seiner gut einstündigen Erklärung Stellung. Dabei zitierte er immer wieder aus den Ermittlungsakten, die er offensichtlich genau studiert hatte. Werner M.s letzter Satz: "Wir stehen vor einem langen Prozess. Ich bin mir sicher, am Ende werde ich freigesprochen."

Die Verhandlung soll voraussichtlich kommende Woche fortgesetzt werden. Ein Urteil wird frühestens für Dezember erwartet.

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